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M. Beisenherz: "Sorry, ich bin privat hier": Apple Watch - Dumm und Dünner

stern-Stimme Micky Beisenherz nimmt in seiner Kolumne "Sorry, ich bin privat hier" kein Blatt vor den Mund. Dieses Mal rechnet er mit der Apple Watch ab.

Von Micky Beisenherz

Am 24. April werden wir alle Zeugen des größten Massenoutings seit Ed Hardy, Beats-Kopfhörern und dem "Nein"-Selfie der "Bild"-Leser. An diesem Tag wird die Apple Watch ausgeliefert. Und ihr Träger - dem Gespött der Leute. Apple-CEO Tim Cook hat's selbst gesagt: "Die Apple Watch ist das persönlichste Gerät, das wir je entwickelt haben."

Stimmt. Selten konnte der Träger so deutlich darauf hinweisen, dass mit ihm was nicht stimmt: "Guckt mal! Mit mir kann man's ja machen!" In Kombination mit nem Starbucks-Becher ist das Outfit des Walking Braindead, der wie ein Förster im Hipnesswald dem letzten Trend hinterher humpelt, perfekt. Ein Gummiring, sie alle zu knechten.

Generell muss man ganz klar sagen: Jedem, der im Jahr 2015 eine Uhr aus anderen Gründen trägt, als aus modischen, ist eh nicht mehr zu helfen. Wenn das Ding aber auch noch so aussieht, wie die Apple Watch, wird es echt tragisch. Für sowas sind wir damals in der Schule vermöbelt worden. Und zwar zurecht!

Demnächst sind die Straßen also gesäumt mit Typen, die wie weiland David Hasselhoff in ihre Uhren quatschen. Okay, Hasselhoff ist schwerer Alkoholiker. Aber was ist deren Entschuldigung?

Ist es Jobs Epigone Tim Cook nicht eigentlich peinlich, als Insolvenzverwalter ehemaligen Innovationsgeistes Jahr um Jahr nur noch mit Glitter überzogene Belanglosigkeiten zu präsentieren? Die Ideen sind mittlerweile dünner als die Geräte. Der iPod, das iPhone, komm, selbst das iPad - das waren echte Neuerungen. Geräte, bei denen jeder schnell gesagt hat: Jau, DAS ist echt mal eine sinnvolle Erfindung.

Aber... eine Uhr? Really? Und dann auch noch eine, wo der Akku kaum länger hält als eine italienische Regierung. Selbst Carsten Spengemann bei Pearl TV würde sich schämen, eine Uhr anzupreisen, bei der der Akku gerade mal 18 Stunden hält. Nicht so hier.

Hatte ich schon erwähnt, dass das Teil natürlich nur in Verbindung mit einem iPhone funktioniert?

Der Teufel ist ein iHörnchen.

Irrer Kult wie um Helene Fischer

Es ist offensichtlich, dass Captain Cook und seine Apfelsekte irgendwann beschlossen haben, zu gucken, wie weit sie es treiben können. Wie sehr man die (Preis-)Schraube anziehen kann, bis die Jünger sich entsetzt abwenden. Passiert aber nicht. Der Kult um das Teil ist schon fast so irre wie der um Helene Fischer - wobei zumindest die Apple Watch nicht komplett aus Plastik ist. (das war jetzt der etatmäßige Helene-Fischer-Bash, um die Klickzahlen hochzutreiben)

Die gibt es nämlich auch noch mit Stahlarmband. Wem das mit rund 800 Euro zu günstig ist, der kann natürlich auch direkt das goldene Modell für 11.000 Euro wählen. 11.000 Euro! Für ein Teil, das in Zeiten hochtechnischer Progerie schon museumsreif ist, wenn man damit aus dem Laden spaziert! Das ist das mieseste Investment seit Griechenland-Anleihen! Ernsthaft! Das Ding würden sich nicht mal die Geissens kaufen! Hässlich genug wäre es.

Abgesehen davon, dass es moralisch ohnehin schon kaum zu vertreten ist, überhaupt irgendein Gerät aus dem Jobs-Center mitzunehmen, kommt da auch gesundheitlich einiges auf uns zu: Nicht nur, dass der Konzern es fertig gebracht hat, einer ganzen Generation von Selfieholics einen smartphonegroßen käsigen, weißen Fleck ins ansonsten braune Gesicht zu zaubern - jetzt beugen sich die whatsappenden Headdowner von gestern nochmal 30 Grad weiter nach unten, um permanent mit ihrer Uhr zu kommunizieren. Orthopäden freuen sich jetzt schon auf die Apple-Spinose, den iBuckel.

Da bleib ich lieber bei meiner vierzig Jahre alten Uhr. Die ist wie ein guter Kumpel: Hält angenehm die Fresse, und wenn gar nix geht - einfach aufziehen.