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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier Drinksten - Brückentage des Donners

Micky Beisenherz verbringt Pfingsten auf Mallorca. Auf Komasaufen am Ballermann verzichtet er.
Micky Beisenherz verbringt Pfingsten auf Mallorca. Auf Komasaufen am Ballermann verzichtet er.
© Micky Beisenherz
Pfingsten, das ist die Zeit im Jahr, in der wir Deutschen betrunken durchs Inland marodieren; oder in Kolonnen über unsere europäischen Nachbarn herfallen. Micky Beisenherz zieht es nach Palma de Mallorca - aber nicht zum Eimersaufen.

Gerade eben habe ich mir ein hellbeiges Sakko mit Spitzrevers gekauft.
Fehlt nur noch der Panamahut und ein Literatur-Bestseller, um dieses Outfit zu rechtfertigen.
Die Gründe für den modischen Stunt sind ganz profan: Es ist nachmittag. Hubi, Björn und ich sind in Palma - und haben angenehm einen sitzen.
Ein herrlicher Tag. Wir juhnken uns quer durch die City, setzen uns hier und da in ein Café, beobachten die Leute oder taumeln wie ein männlicher „Sex and the City“-Actalike-Contest in Herrenboutiquen, um uns gegen Geld ein Rolf Eden-Kostüm zuzulegen.

Drinksten.

Zu verdanken haben wir das natürlich dem Papst. Dem größten Brückentagsbauer. Dank seiner wunderbaren Religion ist diese Zeit traditionell die im Jahr, in der wir arbeitsscheuen Deutschen betrunken durchs Inland marodieren- oder gleich in Fliegern und Autokolonnen über unsere wehrlosen europäischen Nachbarn herfallen.

Pfingsten, dieser Feiertag erinnert daran, wie Jesus und seine zwölf Apostel damals zum Zelten nach Holland gefahren sind.

Wir haben es ihm als treue Katholiken gleich getan. Dieses Hochamt in der frühsommerlichen Feiertags-Troika bedeutete damals unweigerlich: Renesse. Campingplatz. Alkohol.

Jedes Jahr wurde dieses 1500-Seelen-Örtchen mit bierwilligen deutschen Jugendlichen geflutet, die Population locker vervierfacht. Auf den rund 300 Metern zwischen Ortsein- und Ausgang: Kaum einer, der nicht mit deutschem Akzent gerülpst hätte.

Alkoheuschrecken aus Castrop-Rauxel, und ich natürlich mittendrin.
Mit meinem Polo 2, der auch schon mal in einer Bierlaune in meiner Abwesenheit weggetragen und in einem größeren Zelt versteckt wurde.
Das waren die 90er.

Ein paar von den Jungs fahren immer noch nach Holland. Mittlerweile aber nach Bloemendaal. Da ist es etwas cooler. Man trinkt und tanzt zu House-Musik bekifft um ein riesiges Lagerfeuer herum. Außerdem möchte man wohl nicht den ganzen Asis in Renesse begegnen.

Jet Setter und Cosmoprolet, der ich bin, bin ich natürlich mit zwei Freunden für fünf Tage nach Palma geflogen.
Palma. Mir unbegreiflich, warum diese Stadt nie genannt wird, wenn es um die schönsten Städte Europas geht.
Barcelona, Mailand, Madrid. Immer gern genommen.
Palma de Mallorca nie.
Dabei hat die Stadt alles.
Tolle Architektur, den Paseo, direkt am Meer, spannende Szeneviertel, großartige Restaurants.

Aber irgendwie ist es unschicklich.

Ein Hauch Prolligkeit weht immer hinein in dieses wunderbare Bild, da man die Gedanken nicht abschütteln kann an all die Fußballvereine, die jetzt ihre Abschlussfahrten an den Ballermann machen, um dieses schöne Eiland angegeilt zur Verkehrsinsel zu machen.

Gefühlt gibt es jedes Jahr eine neue Landesregierung, die sich anschickt, Mallorca zum Golfrefugium für Besserleber zu machen und im Zuge dessen die Alcopopper von der Insel zu kärchern.

Neuester Clou: das Verbot der Bierpolonaise.
Ich habe die Bilder nicht vergessen, die es gab, als das Eimersaufen vor wenigen Jahren verboten wurde: Spanische Polizisten, die am Boden liegenden, schreienden Touristen die Eimer aus den zitternden Händen rissen, wie Besatzer den weinenden Müttern die Kinder.
Scheiß drauf, Malle ist nur Eimer im Jahr.

Dieselben enteimerten Typen sind es dann übrigens auch, die sich abends in der Schinkenstraße über die Afrikaner erheben, die versuchen, ihnen Sonnenbrillen oder Uhren zu verkaufen, um fern der Heimat irgendwie klarzukommen.
Was immer für diese jammervollen Bier-Biker nötig ist, um die eigenen sexuellen Minderleistungen kompensieren.

Der Brite ist in Sachen Steißrangeln wie üblich noch einen Zacken stumpfer.

Ein paar Kilometer weiter, im Verbrannten-Reservat Magaluf, stelzen die Engländer zur Not sogar einer tätowierten Omma im Elektro-Rollstuhl hinterher, wenn es eine Restaussicht auf GV gibt.

Because "Magaluf.....is shagaluf!"

M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: Drinksten - Brückentage des Donners

© Micky Beisenherz

Hubi, Björn und ich sitzen derweil mangels Kraft und Phantasie zum dritten mal hintereinander bei Ca'n Toni, fressen galizische Krake und Sardinen, um den Elektrolythaushalt wieder in Griff zu kriegen.
Wenn wir morgen abreisen, wird Toni sich ewig fragen, was er heute Abend falsch gemacht hat, seine neuen Stammkunden so zu vergraulen, dass sie plötzlich nicht mehr wiederkommen.

Tonis Laden ist natürlich so touristisch wie ein Camp David Shirt, aber als angetüdelter Pfingstochse hat man es ja gerne einfach.

Klar, wir hätten theoretisch auch zu Heidi Klum gehen können. Die hat ganz in der Nähe in der schlecht gefüllten Stierkampfarena das Finale ihrer Knochenpolonaise veranstaltet.
Drei Stunden voll spektakulärem Nichts.
Ich habe es nicht weiter verfolgt, aber: Gewonnen hat wohl die Dünne.

Eigentlich schade, dass wir der After-Show-Party fern geblieben sind.

Dort hätte mein neues, beiges Sakko zumindest noch einen Sinn gehabt.


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