HOME

"Belle et Fou": Kaviar zur Erotik

Das Berliner Nachtleben ist um eine Attraktion reicher. Die Revue "Belle et Fou" lockt mit Tanz, Theater, Akrobatik, einem kulinarischen Vorspiel - und einer Prise Sex.

Die Männer zeigen ihre Waschbrettbäuche, die Frauen durchtrainierte Hinterteile und manchmal nackten Busen. Die neue Show von Erlebnis-Gastronom Hans-Peter Wodarz heißt zwar "Belle et Fou - das Spiel mit der Lust", ist aber weitgehend jugendfrei. Mit der Mischung aus Tanz, Theater, Akrobatik, Leckereien und einer Prise Sex hat Wodarz, der sich 2005 vom Restauranttheater "Pomp Duck and Circumstance" verabschiedete, eine Nische in der hauptstädtischen Unterhaltung ausgemacht.

Die musikalisch und tänzerisch gut gemachte Show könnte künftig ein ähnliches Publikum anlocken wie die Berliner Touristenattraktion "Blue Man Group", die Nachbarn am Potsdamer Platz. Zielgruppe: Alle, die sich "mal etwas gönnen wollen", zum Beispiel einen Löffel Kaviar für 12,50 Euro oder einen Hauch Reeperbahn und Moulin Rouge. In der Spielbank am Marlene-Dietrich-Platz wurde für das Theater extra ein Stockwerk umgebaut. Wie im Varieté sitzen die Gäste an Tischchen, das Ambiente ist in warmen Farben gehalten. Von den angekündigten Duftzerstäubern, die die Sinne zusätzlich betören sollen, ist nichts zu erschnuppern.

Musik von Jazzanova

Wodarz erzählt auf der Bühne, dass er je 15 Jahre Spitzenküche und "Pomp Duck" gemacht hat: "Jetzt kommt eine neue Zeit." Regie führt der erst 31 Jahre alte Arthur Castro, der Shows, Opern und Musicals inszeniert hat. Die von Jazzanova eigens komponierte Musik kommt mit ihren Funk-, Disko- und Loungeklängen lässig daher, Video- und Lichteffekte haben Clubcharakter. Dazu gibt es für die Gäste ein "kulinarisches Vorspiel", mit Paté, Spargelspitzen und Lachs in Form eines Schmetterlings, des Symbols von "Belle et Fou", der Teller gehört zum Eintrittspreis von 69 Euro (Freitag und Samstag 79 Euro). Eine Kaviarmeisterin serviert die Fisch-Delikatesse mitsamt Löffel ins Schälchen oder direkt auf den Handrücken.

In der Rahmenhandlung der Show tritt ein Paar auf, das nach 30 Jahren Ehe über seine Liebe und die Tücken der Zweierbeziehung philosophiert und streitet. Das Tanzensemble zeigt in verschiedenen Kapiteln auf seine Weise das Spiel zwischen Mann und Frau. Die Tänzer umgarnen und becircen einander. Besonders viel Beifall bekommt ein Akrobatenduo, das auf kühnste Weise umeinander turnt. Auf der Bühne herrschen die Frühlingsgefühle, die dem alternden Paar abhanden gekommen sind.

Reminiszenzen an das klassische Berlin

In einer Pause beschwören Filmaufnahmen in schwarz-weiß das historische Berlin von der Dreigroschenoper bis Hildegard Knef. Etwas unvermittelt wirkt es danach, als die Tänzer mit Fischpuppen im Schwarzlicht spielen und dann das Paar über Kaviar sinniert. Am Ende haben sich Karl und Claire, die mit französischem Akzent und Spitzen gegen die Männerwelt einige Lacher ernten, wieder lieb.

Mit viel Rummel ist "Belle et Fou" beworben worden, ob das Publikum Wodarz' neues Rezept auch goutiert, wird sich noch zeigen. Der Gastronom, der in den 70er Jahren mit der "Ente im Lehel" in München bekannt wurde, will dem Federvieh treu bleiben. In der Spielbank soll bald auch ein neues Restaurant öffnen. Es wird die "Die blaue Ente" heißen, in Anspielung auf Marlene Dietrich, den "Blauen Engel".

Caroline Bock/DPA