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Buchvorstellung von Kristina Schröder: Goldene Schürze und Kaviar für die Familienministerin

"Emanzipiert sind wir selber": Kristina Schröder hat ein Buch über Feminismus und moderne Rollenbilder geschrieben. Mit ihren Ansichten kommt die Ministerin aber nicht bei jeder ihrer Geschlechtsgenossinnen gut an.

Kristina Schröder hat sich in die Höhle der Löwinnen gewagt, auch wenn es am Anfang gar nicht so aussieht: Lounge-Musik plätschert aus den Lautsprechern im Lesesaal der umgebauten Backfabrik im schicken Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Doch als die im Freizeitlook aus Jeans und weißem Blazer gekleidete Familienministerin die Bühne betritt und mit ihrem Buch "Emanzipiert sind wir selber" in der Hand für die Fotografen posiert, macht sich Unruhe breit. "Neoliberaler Quatsch", tönt es aus den hinteren Reihen.

Als 19-Jährige hatte die CDU-Politikerin einst in ihrer Abi-Zeitung geschrieben, sie wolle "Ehe, Kinder und Karriere unter einen Hut bringen - ohne jemals zur Feministin zu werden". Diese Ziele hat die 34-Jährige erreicht: Ihre Tochter wurde 2011 geboren, Schröder ist die erste deutsche Ministerin, die im Amt Mutter wurde.

Doch nach mehr als zwei Jahren an der Spitze des Familienressorts bekommt sie mächtig Gegenwind: Ihr Festhalten an der Flexi-Frauenquote stößt selbst in den eigenen Reihen auf Widerstand. Dass Schröder ihre Ansicht zum umstrittenen Betreuungsgeld lieber für sich behält, wird ihr als Zaudern ausgelegt.

Heimchen am Herd oder Rabenmutter

Und jetzt das Buch, in dem sich Schröder auf mehr als 200 Seiten am Feminismus abarbeitet. Die Abhandlung lese sich "wie eine einzige Rechtfertigung für ihr Nichtstun als Ministerin", schimpfte ihre SPD-Kontrahentin, Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig noch vor der offiziellen Präsentation. Das Buch offenbare auf "erschreckende Weise", wie unpolitisch Schröder denke, kommentierte die frauenbewegte Publizistin Bascha Mika in der "Frankfurter Rundschau".

Die mediale Aufregung hält Schröder am Dienstagabend nicht davon ab, ihr Buch persönlich vorzustellen. Heimchen am Herd oder Rabenmutter - Frauen müssten sich immer rechtfertigen, ob sie nun trotz Kindern Karriere machen wollten oder wegen der Kinder zu Hause blieben, beklagt die CDU-Politikerin die "verkrampfte Debatte" um das Frauenleben. Als Familienministerin wolle sie nicht die "Gouvernante der Nation" sein; wie zwei Menschen ihre Rollenverteilung lebten, "da beginnt für mich noch nicht Politik".

Das Private ist politisch, so lautet eine alte Forderung von Feministinnen, die gegen die Unterdrückung von Frauen in der Ehe kämpften. "Sie machen einen großen Fehler, wenn Sie das umkehren", ruft eine junge Frau Schröder zu. Gelächter im Saal wird laut, als Schröder dem Feminismus vorwirft, in einer den Strukturkonservativen ähnlichen "paternalistischen Haltung" die Frauen immer nur umerziehen zu wollen. "Für welche Frauen sprechen sie eigentlich?", fragt eine Zuhörerin.

Kaviar oder Margarine?

Schröders These, der männerfeindliche Feminismus der 70er Jahre habe sein Weltbild nicht geändert und mache Frauen heute die Selbstverwirklichung jenseits der Karriere madig, kommt im Kiez der "Latte-Macchiato-Mütter" nicht an. Eine junge Frau trägt ein Tablett auf die Bühne und bietet der Ministerin einen Kaviar-Cracker an - eine Anspielung auf einen Vergleich zum Thema Gleichheit in deren Dissertation. Emanzipation sei wie Kaviar und nur Privilegierten wie Schröder zugänglich, "für die anderen gibt's Margarine", kritisiert die Frau mit dem Tablett.

"Ich verstehe immer noch nicht, warum Sie gegen eine gesetzliche Frauenquote sind", fragt irgendwann eine junge Frau mit Piraten-Logo auf dem Blazer. Schröder hält tapfer dagegen: Wer glaube, dass eine starre Quote in Aufsichtsräten auch Frauen in mittleren Führungspositionen helfe, sei naiv. "Gewäsch!", ruft eine Frau von hinten dazwischen.

Dann erheben sich mehrere Frauen und stimmen zur Melodie von "Das bisschen Haushalt" ein ironisches Loblied auf das Betreuungsgeld an: "Unsere Kinder erzieh'n wir von daheim, vielen Dank! In eine Kita kommt mein Kind nicht rein, vielen Dank!" Das Publikum tobt, die Ministerin lächelt mit versteinerter Miene. Die goldene Schürze, die ihr ein Reporter für ihren Einsatz für die "Herdprämie" überreicht, lässt sie schnell auf den Boden gleiten.

Claudia Wessling/AFP / AFP