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US-Star: Billy Joel erinnert mit Judenstern an seine traurige Familiengeschichte

Billy Joel äußert sich nur selten zu politischen Themen. Umso eindrucksvoller wirkte es, als er bei einem Konzert in New York einen gelben Judenstern trug. Das hat auch etwas mit seiner Familiengeschichte zu tun.

Billy Joel

Billy Joel sieht sich als Entertainer, doch am Montagabend machte er eine Ausnahme.

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Es muss schlimm bestellt sein um das Klima in den USA, wenn sich selbst ein Musiker wie Billy Joel zu Wort meldet. Ein begnadeter Songschreiber, der eine klare Vorstellung über seine Rolle in der Gesellschaft hat: "Am königlichen Hof sind wir die Hofnarren und nicht die Philosophen", sagte der Musiker kürzlich in einem Gespräch, das er dem "Rolling Stone" anlässlich seiner Konzertreihe im New Yorker Madison Square Garden gegeben hat.

Doch in der Zwischenzeit hat er seine Meinung offenbar revidiert. Denn als er am Montagabend dort auftrat, prangte ein gelber Davidstern an seinem Jackett. Der Stoffaufnäher ist ein Symbol der Ausgrenzung: Damit zwangen die Nazis die in Deutschland lebenden Juden ab Mitte der 1930er Jahre, sich öffentlich zu kennzeichnen.

Das Tragen des Davidsterns wurde von vielen Beobachtern als Reaktion auf US-Präsident Donald Trump interpretiert, der sich nicht klar von einem rassistischen, antisemitischen Mob in Charlottesville distanziert hat.

Was viele nicht wissen: Der Judenstern spielte auch in Joels eigener Familiengeschichte eine Rolle. Sein Vater Howard wurde als Helmut Joel in Nürnberg geboren und entstammte einer angesehenen deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie. Billys Großvater Karl Amson Joel gründete in der fränkischen Stadt 1928 einen Versandhandel für Bekleidung und kurz darauf eine eigene Fabrik. Schnell stieg er neben Quelle zu einem der größten Anbieter in dieser Branche auf. Die Machtübernahme der Nazis machte ihm das Leben in Nürnberg schwer, so siedelte er 1934 mit seinem Werk nach Berlin über.

Neckermann profitierte von der "Arisierung"

Im Laufe der Jahre wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft immer mehr schikaniert, 1938 verkaufte er schließlich sein Unternehmen an Josef Neckermann - für einen Bruchteil des eigentlichen Wertes. Während der Neckermann-Versand seinen neuen Besitzer reich machte, saß die Familie Joel mittellos in der Schweiz und wartete vergeblich darauf, dass Neckermann das Geld überwies. Derweil bezog Josef Neckermann mit seiner Familie Joels Villa in Berlin.

Die Familie verließ Europa und reiste über Umwege in die USA. In New York lernte Karls Sohn Helmut, der sich inzwischen Howard nannte, seine erste Frau kennen, dort kam 1949 Sohn William Martin, genannt Billy zur Welt.

Während Billy Joel ein echter Amerikaner wurde, zog es Vater Howard nach dem Aus seiner Ehe zurück nach Europa. In Wien heiratete er erneut und bekam 1971 noch einen Sohn, Billys Halbbruder Alexander Joel, der ein bekannter Dirigent wurde.

Billy Joel startete eine Weltkarriere

Auch Billy Joel machte eine Karriere in der Musikbranche und stieg zu einem der erfolgreichsten männlichen Solokünstler in den USA auf. Songs wie "Piano Man" oder "We Didn't Start The Fire" wurden Welthits, er verkaufte bis heute mehr als 80 Millionen Alben.

Seine Familiengeschichte hat er nie vergessen. Davon zeugt nicht nur der Song "Vienna" von seinem Erfolgsalbum "The Stranger" aus dem Jahr 1977. 1997 stiftete er das Preisgeld für die zweite Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises. Und auch das Tragen des Judensterns im Madison Square Garden zeigt, dass Billy Joel Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. Die aktuelle Präsidentschaft in den USA erinnert ihn ganz offenbar an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Um darauf hinzuweisen, verließ Billy Joel für einen Moment die Rolle des Hofnarrs. Was die Geste umso eindringlicher macht.