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Sportfreunde Stiller: Vor, im und nach dem Zweikampf

Wer seine Band nach seinem Fußballtrainer benennt, darf auch zur WM ein Sportalbum machen. Mit "You have to win Zweikampf" servieren die Münchner Sportfreunde Stiller den Soundtrack zum Anpfiff. Ein Interview mit Schlagerzeuger Flo Weber.

Fußball ist derzeit das Thema schlechthin. Was hat noch gefehlt, das die Sportfreunde Stiller beitragen können?

Ich glaube, dass wir mit unserem Album auch der Damenwelt verständlich machen können, wie diese Euphorie funktioniert, und dass sie ihre Männer besser verstehen können. Das sorgt für Harmonie in der Beziehung und ist unser großer Beitrag. Wir haben ein plakatives WM-Lied, unsere Single "'54,'74,'90, 2006". Die anderen zehn Songs sind zeitlose immergültige Fußball-Lieder. Wenn man allerdings metaphorische Vergleiche zulässt, kann man alle durchaus als normale Lieder durchgehen lassen.

Es ist ja ein sehr hymnisches, punkiges Album geworden mit einem Neue-Deutsche-Welle-Klassiker "Pogo in Togo". Wieso haben Sie dieses Lied ausgewählt?

Wir haben ein Augenmerk auf die Exoten der WM. Togo ist kein afrikanischer Favorit gewesen. Trotzdem haben sie sich zusammen mit Angola, Ghana und der Elfenbeinküste qualifiziert. So kamen wir darauf, das Lied zu machen, das in unserer Jugend eine große Rolle gespielt hat. Textlich haben wir drei Veränderungen vorgenommen: Chaos in Nahost, ein leicht kritischer Ansatz, "French Toast in Ivory Coast", für WM-Teilnehmer Elfenbeinküste und "birds of pray for the USA" - ein Seitenhieb gegen die kriegerischen Handlungen der Amerikaner.

Hochpolitisch geht es derzeit auch im Münchner Fußball zu - Bayern München hat den Löwen Stadionanteile abgekauft. Wie fühlen Sie sich als 60er-Fan dabei?

Seit dem Tag ist mir schwindelig, ich schlafe schlecht, habe keinen Appetit mehr. Das ist Seelenverkauf. Wir sind hoch verschuldet. Um die Lizenz für die Zweite Liga zu behalten, mussten wir Geld auftreiben. Andererseits - würden die Löwen Insolvenz anmelden und in der C-Klasse anfangen, wäre mir das auch nicht recht. Also bin ich im Zwiespalt, ob ich einen Dank rüberschicken soll oder ob ich Verrat schreien soll. Der Peter (eingefleischter Bayern-Fan, Anm. d. Red.) macht sich bei jedem Konzert lustig, dass die Löwen jetzt auch den Bayern gehören.

Kahn oder Lehmann - die Diskussion ist sicher bei Ihnen in der Band auch geführt worden?

Heftig diskutiert. Meiner Meinung nach die absolut richtige Entscheidung von Jürgen. Dass Kahn als Nummer zwei mitfährt, ist kein menschlicher Akt, sondern sportliche Fairness. Kahn hat hervorragende Dienste geleistet und kann von der Bank aus mehr Angst verbreiten als Mertesacker auf dem Feld.

Was sagt Peter dazu?

Peter war stinksauer. Er ist der Meinung, dass Kahn auf dem Feld allein schon ein Tor wert ist. Wenn ein Spieler auf Kahn zuläuft, hat er viel mehr Angst als wenn er auf Lehmann zuläuft. Egal, die Torwartfrage ist ein Luxusproblem, die wahren Herausforderungen liegen woanders.

Wieviele WM-Tickets haben Sie?

Keins. Ich bin ein großer Fan von Grillen in der großen Clique, dabei schauen. Lieber drei Spiele im Fernsehen schauen als im Stadion sein und die anderen zwei zu verpassen. Am liebsten würde ich auch vier Wochen keine Konzerte spielen - wenn überhaupt nur mit Monitor auf der Bühne. Aber einmal muss ich schon Stadionatmosphäre schnuppern, und wenn ich über den Zaun klettere. Ich setzte meine Hoffnung auf meine beiden Mitbewohner, die als Jugendtrainer beim FC Bayern arbeiten.

Gibt es ein Lied, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ich finde das letzte Lied auf dem Album sehr schön und hoffe, dass es nicht vergessen wird. Es heißt "All die Schlachten, die wir schlagen" und ist für alle Fans geschrieben, die nach dem Ende des Spiels in ein Loch fallen. Jeder, der fanatisch an eine Sache herangeht und dafür brennt, weiß wie leer und einsam fühlt, wenn das Ereignis vorbei ist. Auch wir werden in ein Loch fallen. Es ist ja schon schwer, nach der Vorrunde die fußballfreien Tage zu überstehen. Damit wir jeden Tag Fußball haben, schauen wir die Wiederholungen auf Eurosport an. Melancholische Löcher gibt es aber nicht nur nach der WM, sondern auch nach dem Skikurs, nach Klassenfahrten oder wenn man von einer großartigen Tour zurück kommt.

Sie sind ja auch unter die Schreiber gegangen. "You'll never walk alone" heißt Ihr erstes Buch.

Ich habe einen Fußball-Musik-Roman geschrieben. Es ist eine Brudergeschichte übers Erwachsenwerden. Der Protagonist ist Fußballfanatiker und wird von seinem Bruder, der Hooligan ist, in die Gewalt und Kraft der Musik eingeweiht. Das Buch hat einen leicht biografischen Ansatz, viele der Vorkommnisse habe ich selbst erlebt. Allerdings ist mein echter Bruder kein Hooligan. Es steht in der Tradition von Ludwig Thomas' Lausbubengeschichten und wer ihn kennt, wird die eine oder andere Verneigung vor Thoma spüren.

Zum Schluss die Gretchenfrage: Werden wir Weltmeister oder nicht?

Es wird ein höchst spannendes Turnier mit einem glücklichen Ausgang für die deutsche Nationalmannschaft.

Interview: Kathrin Buchner