Der Ex-Bayern-Star im Interview Roque rockt

Die Bayern waren froh, dass er ging, doch nun ist er plötzlich ein Top-Scorer: Roque Santa Cruz traf bereits 19 Mal – in der englischen Premier League, der besten Liga der Welt. Vor dem letzten Spieltag spricht er exklusiv mit stern.de über seine Traum-Saison bei den Blackburn Rovers.
Von Wigbert Löer, Manchester

Nur mal zum Vergleich: Wayne Rooney, Manchester United, 12 Tore. Michael Owen, Newcastle United, 10 Tore. Didier Drogba, FC Chelsea, 8 Tore. Und Roque Santa Cruz, Blackburn Rovers, kein Spitzenverein, vergleichbar vielleicht mit dem VfL Wolfsburg: 19 Tore.

"Ich Roque", nannten die Sportfreunde Stiller ein Lied über den Paraguayer, der mit 17 zu den Bayern kam. "Er rockt nicht", rief die Süddeutsche Zeitung dem Stürmertalent vergangenen Sommer nach und betrauerte, er sei das "größte nie gehaltene Versprechen". Und so einer, der für die Bayern in keiner Saison mehr als fünf Mal traf, ging nun ausgerechnet nach England. In die härteste aller Ligen.

Was dem 26-Jährigen dort gelungen ist, hat ihn selbst überrascht. Hinter Cristiano Ronaldo, Emmanuel Adebayor und Fernando Torres belegt Roque Santa Cruz vor dem letzten Spieltag Platz vier der Torjäger-Liste der Premier League. stern.de traf den Stürmer in Manchester, wo er mit seiner Familie lebt, und sprach mit ihm über...

... seine Saison:


"Ich bin bei den Blackburn Rovers wohl ziemlich optimal eingestiegen. In meinem ersten Spiel wurde ich in der 60. Minute eingewechselt, das war gegen Middlesbrough, und drei Minuten später habe ich das 1:1 gemacht. Das war die Wende, wir gewannen noch. Am wichtigsten ist für mich aber, dass ich mich nicht verletzt habe. Die ganze Saison ohne Verletzung – das habe ich in München nie erleben dürfen. Ich habe auch zum ersten Mal das absolute Vertrauen meines Trainers. Und ich habe eben Spielpraxis. Ich fühle mich stabiler als in meiner Zeit bei den Bayern, bin nie müde. Woran das liegt, weiß ich nicht genau, unser Training unterscheidet sich kaum von dem in München. Wir haben hier mehr Spiele, trainieren dafür aber nie zweimal am Tag."

... den Fußball in England:
"Viel mehr Körperkontakt haben wir hier, für mich als Stürmer ist das klasse. Man kann auch mal selbst hart ran gehen, da wird nicht gleich gepfiffen. Und dann ist das Tempo deutlich höher, ein, zwei Ballkontakte hat man meistens. Der Rasen ist kürzer und immer nass, sogar im Training. Das macht das Spiel noch mal ein bisschen schneller. Was neben dem Tempo in England wichtig ist, ist eine offensive Grundeinstellung. Die Teams treten auch beim Tabellenführer mit zwei Stürmern an, stellen sich nicht automatisch hinten rein und hoffen auf einen Punkt, wie das viele Gegner bei den Bayern taten.

Wir haben vor kurzem gegen Manchester United lange 1:0 geführt und dann noch den Ausgleich bekommen. Wir hätten sagen können, okay, einen Punkt gegen ManU gewonnen, nicht schlecht. Doch für uns war das ein Punktverlust. Das Publikum fordert ebenfalls, nach vorne zu stürmen, am besten 90 Minuten lang. Ich glaube, die Zuschauer sind auch lauter als in Deutschland. Dass die eigenen Fans pfeifen, habe ich in England noch nicht gehört. Die stehen hinter ihrer Mannschaft, immer. Weil sich keines der Teams mit dem Resultat zufrieden gibt, wirken die Spiele hier oft so kämpferisch."

... seinen neuen Verein:
"Blackburn ist keiner der ganz großen Klubs in England, aber Druck ist natürlich schon zu spüren. Vor zwei Jahren spielte die Mannschaft im Uefa-Cup, das war auch diesmal das Ziel. Wir trainieren übrigens ohne Zuschauer, das macht einem die Arbeit eher leichter."

... sein Leben in England:


"Vom Fußball mal abgesehen hatte ich in München eine wunderschöne Zeit. Ich habe mich dort heimisch gefühlt und immer noch viele Freunde. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir woanders einmal so gut gefallen könnte. Doch so ist es nun gekommen. Klar, die italienischen Restaurants sind besser in München. Aber Manchester, wo viele Blackburn-Spieler wohnen, ist eine klasse Stadt. Viele sind bei uns Mitte 20, wir passen gut zusammen. In München fuhren die Spieler nach dem Training meistens sofort nach Hause. Hier geht man oft noch zusammen irgendwo hin. Die Frauen kommen dann auch mit."

... seinen Ex-Klub:
"Was war da los in St. Petersburg? Ich habe das nicht gesehen, aber na ja: Bayern wird Meister und hat den Pokal gewonnen. Von hier aus herzlichen Glückwunsch, ich freue mich sehr für die Mannschaft."

Uli Hoeneß kann immerhin behaupten, dass ihn die explosive Entwicklung seines früheren Spielers nicht überrascht hat. "In fünf Jahren ist der wahrscheinlich das Beste, was wir in der Welt haben", sagte der Bayern-Manager. Das war 2002. Fünf Jahre später begann Roque Santa Cruz dann in der Tat, richtig gut zu spielen, nur eben nicht mehr für die Bayern.


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