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Stefan Gwildis: Papa will hier nicht mehr wohn'

Stefan Gwildis Idee klingt alles andere als Erfolg versprechend: Bekannte Soulklassiker interpretiert er neu und gibt ihnen einen deutschen Text. Das Resultat: ausgesprochen viel versprechend.

Die Idee des Musikers Stefan Gwildis hört sich an wie ein schlechter Abklatsch. Aus "Just The Two Of Us" macht Gwildis "Tu doch was", statt "Papa Was A Rolling Stone" singt er "Papa will hier nicht mehr wohn'" und Marvin Gayes "I Heard It Through The Grapevine" heißt im Gwildis-Repertoire "Das kann doch nicht Dein Ernst sein". Doch das Konzept des 46-jährigen Hamburgers geht auf. Seine Fan-Gemeinde wächst, er tritt bei der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest an und sein jüngstes Album "Nur wegen Dir" schaffte auf Anhieb Platz Elf in der Hitparade.

Seinen Erfolg kann Gwildis selber kaum glauben

Gwildis hat eine Nische im deutschen Musikmarkt für sich entdeckt. Mehr als 60.000 Mal verkaufte sich sein erstes, 2003 veröffentlichtes Album mit Soul-Versionen "Neues Spiel". "Mit einem solchen Erfolg hätte wohl kaum jemand gerechnet, ich selbst auch nicht", sagt der Künstler, der bis dahin allenfalls in Norddeutschland bekannt war. Seitdem geht es für den Sänger stets bergauf: die Zahl der Anhänger steigt in gleichem Maße wie das Medieninteresse.

Man muss ihn live erlebt haben, schwärmen seine Fans. Denn nicht jeder mag sich daran gewöhnen, dass Gwildis aus Bill Withers' "Ain't No Sunshine" eben "Allen Anschein nach bist Du's" macht. Dabei stecken er und seine Kollege Michy Reincke vor allem in das Texten viel Zeit und Herzblut. "Es ist unglaublich schwierig, Inhalt und Sprachmelodie der Originale zu erhalten. Eine bloße Übersetzung funktioniert da nicht", erzählt Gwildis, der bis zuletzt immer wieder an einzelnen Wörtern feilt. Nicht weniger schwierig sei bisweilen die Freigabe des Songs. "Da gab es schon manchmal Probleme, zum Beispiel bei einem Titel von Stevie Wonder", berichtet er.

Es gab Zeiten, da habe ich vom Geld für Leergut gelebt"

Lange musste Gwildis auf seinen Durchbruch als Musiker warten. Ein wenig seltsam dürfte er sich daher im vergangenen Jahr schon gefühlt haben, als er als Mittvierziger zum "Newcomer des Jahres" gekürt wurde und dafür die "Goldene Stimmgabel" erhielt. Der Sohn eines Reifenhändlers aus Hamburg-Barmbek steht schon seit mehr als zwei Jahrzehnten auf der Bühne, begann sein Berufsleben mit Stunt- und Fechtszenen am Thalia Theater, gründete das Musikduo Aprilfrisch, sang bei den Strombolis und sorgte mit der Rhythm'n'Crash-Show "Auto, Auto" für Aufsehen. "Es gab Zeiten, da habe ich vom Geld für Leergut gelebt", erinnert er sich. "Und das ist noch gar nicht so lange her."

Seine musikalische Freiheit war ihm immer "sehr wichtig". Daran soll auch die wachsende Bekanntheit nichts ändern. Spätestens am 12. März wird auch der Rest der Republik den Hamburger kennen lernen, wenn er um Deutschlands Grand-Prix-Krone singt. "Wunderschönes Grau" heißt die dafür ausgewählte Eigenkomposition - eine Ode an das Wetter in seiner norddeutschen Heimat: "Zum Grau muss man eine bestimmte Einstellung haben. Blau kann jeder." Der Auftritt bei dem Wettbewerb ist für Gwildis, der sich hier zu Lande "ein Festival wie San Remo mit vielen Musikstilen" wünscht, ein perfekter Start für die kurz darauf beginnende Tour. Dann können auch Menschen in Süddeutschland den Hamburger Soulman live erleben.

Dorit Koch/DPA / DPA