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Resnais' "Ihr werdet euch noch wundern": Zwischen Fiktion und Wirklichkeit

In "Ihr werdet euch noch wundern" geht Alain Resnais eine Wette mit neuen Formen des filmischen Erzählens ein - und gewinnt. Das Drama spielt mit den Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion.

Kinotrailer: "Ihr werdet euch noch wundern"

Der Film des französischen Regisseurs Alain Resnais "Ihr werdet euch noch wundern" trägt seinen Titel zu Recht. Denn das Drama ist ein typisches Experiment des Altmeisters. Resnais vereint darin die größten Schauspieler Frankreichs und lässt sie in einem Erinnerungsreigen in ihre früheren Rollen des Jean Anouilh-Theaterstücks "Eurydice" schlüpfen. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Film und Theater, Wirklichkeit und Fiktion. Liebe, Hass, Eifersucht und Treuebrüche werden noch einmal durchlebt.

Nach dem Tod des Theaterregisseurs Antoine d'Anthac erhalten seine Schauspielerfreunde einen Anruf mit der Aufforderung, sich in dessen Landhaus einzutreffen. In seinem Testament bittet Antoine seine Freunde, sich ein Video von Proben einer jungen Theatertruppe anzuschauen, die das Anouilh-Stück "Eurydice" neu inszeniert haben.

Das Drama hatte Antoine zu Lebzeiten mehrfach aufgeführt. Kurz vor seinem Tod waren die jungen Schauspieler mit der Bitte an ihn herangetreten, das Stück kritisch unter die Lupe zu nehmen. Nun sollen seine Freunde, die alle einst eine Rolle in dem Stück gespielt hatten, sich eine Meinung darüber bilden.

Zurück im tödlichen Liebesdrama

Michel Piccoli, Pierre Arditi, Sabine Azéma, Mathieu Amalric, Anne Consigny, Lambert Wilson: Die Schauspieler treten alle in ihrem eigenen Namen auf. Während sie auf der Leinwand der Inszenierung der jungen Theatertruppe folgen, schlüpfen sie wieder in die Rollen, die sie in diesem tödlichen Liebesdrama verkörperten. Vergessene Amouren, Eifersuchtsszenen und Treueschwüre kommen wieder hoch.

Resnais ist in "Ihr werdet euch noch wundern" erneut eine Wette mit neuen Formen des filmischen Erzählens eingegangen - und hat sie gewonnen. Seine spielerischen Reflektionen über Gefühle und Form ziehen in den Bann, wie ein anspruchsvoller Schlagabtausch bei einem Grand-Slam-Turnier. Man darf nur nicht den Ball aus den Augen verlieren.

Sabine Glaubitz, DPA / DPA
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