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TV-Kritik

„maischberger. die woche“: Allgemeinplätze und Ärger um die Gästeliste: Nach dieser Sendung bleiben viele Fragen offen

Im Vorfeld von "maischberger. die woche" gab es Ärger um die Gästeliste. Die wurde kurzfristig geändert, der Ärger blieb. Und zog sich dann auch durch die letzte Sendung vor der Sommerpause.  

Von Andrea Zschocher

Maischberger

Wurde in der Sendung aus den USA zugeschaltet: Wissenschaftlerin Priscilla Layne

Im Vorfeld zu "maischberger. die woche" gab es zahlreiche Diskussionen. Weil es, mal wieder, eine Talksendung war, in der über Betroffene geredet werden sollte, statt mit ihnen. Kurzfristig sagte dann zum Thema #BlackLivesMatter die US-Wissenschaftlerin Priscilla Layne zu. Allerdings hatte sie im Vorfeld bereits auf Twitter ihren Unmut über die kurzfristige Anfrage und die Gästeauswahl kundgetan (lesen Sie hier mehr dazu).

Der Talk zwischen der Moderatorin und der Wissenschaftlerin war dann auffallend kurz.  Zu Gast bei Sandra Maischberger waren: 

  • Priscilla Layne (US-Wissenschaftlerin)
  • Helga Rübsamen-Schaeff (Virologin und Medikamenten-Forscherin)
  • Heiko Maas, SPD (Bundesaußenminister)


Sowie als Kommentatoren:

  • Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin)
  • Dirk Steffens (Moderator)
  • Jan Fleischhauer (Kolumnist)


Die Demonstrationen in den USA, ausgelöst durch den Tod von George Floyd, das beschäftigt auch die deutschen Medien. Warum aber nicht, wie von Bundesaußenminister Heiko Maas gefordert, vor der eigenen Haustür gekehrt wird, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, das bleibt das Geheimnis der Redaktion um Moderatorin Sandra Maischberger. Es ist ärgerlich, dass in der Sendung nicht mehr Betroffene von Rassismus zu Wort kommen durften. Denn den gibt es nicht nur in den USA, der ist auch in Deutschland ein Thema. Aber auch eine Schulung in Sprachsensibilität wäre wünschenswert gewesen. 

Den USA fehlt Führung

Maischberger sprach von "Rassenkonflikten" und den "Schwarzen", Layne ging nicht darauf ein. Sie versuchte einzuordnen, was in den USA gerade passiert, erklärte, dass dem Land seit Monaten echte "Leadership", Führung durch den Präsidenten fehlt. Die Wissenschaftlerin erzählte, dass jede ihrer Erfahrungen mit der Polizei negativ gewesen sei, dass es sich immer um eine Frage von Leben und Tod handeln würde. Sie glaubt, dass die Mehrheit der Protestierenden friedlich ist, gibt aber auch zu, dass sie die Plünderungen für gerechtfertigt hält. 

Performativer Kniefall

Viele schauen erst hin, wenn es den Geldbeutel trifft, behauptete Layne, und vergaß dabei, dass diese Plünderungen auch Menschen treffen, die selbst nicht viel haben. Basis für Rassismus ist in den USA eine wirtschaftliche Ungleichheit, bei der People of Color (PoC) finanziell und strukturell schlechter gestellt sind. Priscilla Layne empfindet den Kniefall vieler Polizisten als "performativ", die Gewalt gegen PoC hat sich nicht verringert. Entscheidend werden die nächsten Wochen sein, die Wissenschaftlerin fürchtet, dass es dazu kommen wird, dass die Polizei auf People of Color schießen könnte. 

Demo in New York: George Floyd: Sechs junge Menschen berichten eindrücklich, warum sie auf die Straße gehen

Gästeauswahl war kein Thema

Das Gespräch mit der US-Amerikanerin endete abrupt, die Beschwerden aus den sozialen Netzwerken bezüglich der Gästeauswahl wurde zu keinem Zeitpunkt thematisiert. Natürlich ist es wichtig mit Menschen zu reden, die die Lage vor Ort einschätzen können. Aber es gibt auch in Deutschland rassistische Übergriffe und zu denen hätten sich sicher auch GeprächspartnerInnen nicht weißer Hautfarbe gefunden. 

Durch das eher kurze Gespräch mit Priscilla Layne bekam Bundesaußenminister Heiko Maas deutlich mehr Redezeit und musste sich Fragen nach seinem Sommerurlaub und einem möglichen SPD- Kanzlerkandidaten stellen. Dennoch schien er die eher belanglosen Fragen lieber zu beantworten als die, ob Donald Trump ein Rassist sei. Es gäbe, so Maas, Äußerungen die schwierig sind, aber man müsse ja auch zusammenarbeiten und "die Vereinigten Staaten sind größer als das Weiße Haus". So, wie diese Allgemeinplätze des Außenministers war im Prinzip die ganze Maischberger-Sendung. Als müsse noch mal gezeigt werden, was während der Sommerpause nicht fehlen wird. 

Weitere Themen: 

Autoprämie ja oder nein? Anja Kohl und Dirk Steffens sprachen sich klar gegen einen finanziellen Kaufanreiz für Autos aus, wünschten sich stattdessen, dass die Wirtschaft als Ganzes angekurbelt wird.

Umweltschutz ist Seuchenschutz: Dirk Steffens appellierte noch mal eindringlich an alle, sich mehr für innovative, zukunftsweisende Technologien einzusetzen. Er sprach sich dafür aus, dass zukünftig umweltfreundliche Produkte preiswerter sein müssten, als umweltfeindliche.   

Corona Impfstoff in 2020 unrealistisch: Das jedenfalls glaubt Helga Rübsamen-Schaeff. Bis Ende 2020 gibt es vielleicht mehrere Ideen, die getestet werden könnten, sie geht aber davon aus, dass Ende 2021 ein realistischeres Ziel für einen Impfstoff gegen Corona sei. Wenn es ihn denn überhaupt gibt.

Plan B gegen Corona: Statt auf den Impfstoff zu hoffen, sei es wichtig, alternative Pläne zu entwickeln. Dazu gehören Studien mit möglichen Medikamenten, die gegen Corona helfen könnten. Außerdem müssten Tests verfügbar sein, die innerhalb weniger Minuten ein Testergebnis über eine Ansteckung liefern. 

Die eingeladenen Kommentatorinnen hatte wenig Erhellendes zur Diskussion beizutragen. Dirk Steffens konnte immerhin mit wissenschaftlichen Fakten punkten, auch Anja Kohl ist die wirtschaftliche Expertise nicht abzusprechen. Aber wieso Jan Fleischhauer eingeladen war, ist unklar. Er hatte zu allen Themen eine Meinung, wetterte gegen einen möglichen "Coronastaat" Deutschland und echauffierte sich über "marodierende Banden, die die 5th Avenue entglasen". Stimmungsmache at it's best, aber irgendwie auch ganz schön inhaltsleer. 

rös