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TV-Kritik

"Promis unter Palmen": Die goldene Kokosnuss krönt Yottas windiges Kulissenleben

"Habe ich Fernsehgeschichte geschrieben?": Bastian Yotta holte sich bei der Auftaktstaffel von "Promis unter Palmen" den Titel. Er sollte mit den 100.000 Euro Gewinn gut haushalten. Denn so schnell werden wir ihn wohl nicht wiedersehen.

Von Mark Stöhr

Promis unter Palmen: Bastian Yotta

Muskeln hat er, Empathie nicht: Bastian Yotta erweist sich bei "Promis unter Palmen" als Fiesling

SAT.1

Als Bastian Josef Gillmeier, der sich Yotta nennt, von seinem Sieg erfuhr, schoss er den rechten Zeigefinger wie einen Pfeil zum Himmel. Als gäbe es dort oben jemanden, der mit ihm noch gemeinsame Sache machen würde. Fußballprofis neigen im Moment des Triumphes gerne zu dieser pathetischen Geste. Sie soll wohl sagen: Ich bin ein hohler, egomaner Multimillionär, der seine Steuern nicht zahlt – aber mit Gottes Segen. Die Pose passt zu Yotta, man muss nur die Millionen abziehen.

Zum Zeitpunkt der Aufzeichnung von "Promis unter Palmen" wusste er wohl noch nicht, dass mit der Ausstrahlung seine TV-Karriere zu Ende sein würde. Euphorisch küsste er die goldene Kokosnuss, den Siegerpokal aus knisterndem Pappmaschee, der ganz gut sein windiges Kulissenleben krönte. Jetzt hat er den Salat. In der Halbfinalfolge outete sich Yotta als rabiater Mobber und Manipulator, dass Sat.1 sich sogar genötigt sah, die Episode aus der Mediathek zu löschen. Dann tauchte ein Video auf, in dem er in einem seiner sogenannten "Kingmaker"-Seminare auf übelste Art das männliche Recht auf Analverkehr mit Frauen reklamierte. Das war der Tiefpunkt, darunter kommt nur noch die Hölle. 

Drückerbande der Lebensleere

Bei der Preisverleihung war die ganze Bagage gestern noch einmal komplett versammelt. Diese Drückerbande der Lebensleere, in der jeder mit maximaler Bösartigkeit um Aufmerksamkeit kämpfte. Désirée Nick, die entgleiste Schrei-Neurotikerin, kam Arm in Arm mit Claudia Obert, der tieftraurigen Luxuslady aus Hamburg, nachdem sie sich vier Folgen lang bis aufs Blut bekriegt hatten. "Wo Reibung ist, entsteht Wärme", erklärte Nick die neue Allianz lapidar. Oder anders ausgedrückt: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. 

Auch Ronald Schill schubberte seinen alten Körper ein letztes Mal an den anwesenden Frauen. Sabbernd fragte er Janine Pink, kein Scherz: "Erzähl uns bitte, was du drunter trägst. Einen Schlüpper – quasi als letzte Sicherung?" Im Trashfernsehen ist alles erlaubt und alles egal.

Das Finale selbst war nicht weiter der Rede wert. Dumme Strandspielchen für die Birne und den Body. Bälle hochwerfen und mit Eimern wieder auffangen zum Beispiel. Oder sich Zahlenkombinationen merken und aus Buchstaben Wörter zusammensetzen. Einmal lag auf dem Sand der Begriff "Schoa", es wurde einem schon ganz schlecht. Gesucht war zum Glück: "Chaos". 

Die Stars behalten trotz Corona-Isolation die gute Laune

Schmierige Altherren-Prosa

Nach jeder Runde musste ein Kandidat gehen. In der ewig gedehnten Wartezeit bis zur Entscheidung konnte sich die Grenzdebilität des Formats und seiner Teilnehmer frei entfalten. Carina Spack fand für die dramaturgische Pause den Vergleich: "Das ist wie auf dem elektrischen Stuhl, wenn du nur auf dein Abdanken wartest." Und der Rheinländer Tobias Wegener jammerte: "Isch hab schon rischtisch Magengeschwür." Der gelernte Lackierer mit seinen Popeye-Armen ist in seiner Schlichtheit geradezu rührend. Was er sagt, sagt er meistens falsch. "Ich hatte es mir sehr schwergetan" oder – wunderschön – "Es geht dem Ende hinzu." 

Überhaupt die Sprache in "Promis unter Palmen". Während sich die Kandidaten mit schlimmsten Beleidigungen überzogen (Matthias Mangiapane über die Obert: "Das ist keine Frau, das ist ein Viech"), bediente sich der Kommentar einer mal kalauerigen, mal schmierigen Altherren-Prosa, die nicht weniger unerträglich war. Als Janine Pink sich bei einem Spiel die Shorts auszog, säuselte die Märchenonkel-Stimme aus dem Off: "Da hilft nur eins: Sich von unnötigem Ballast befreien und Arschbacken zusammenbeißen." Der homosexuelle Mangiapane wurde beim letzten Spiel allen Ernstes mit dem Satz bedacht: "Jetzt noch mal alle Schließmuskeln aktivieren, und es ist vollbracht." Wer schreibt so was? Wie viel Schmerzensgeld bekommt er dafür? Werden für die nächste Staffel noch Autoren gesucht?

"Habe ich Fernsehgeschichte geschrieben?", fragte Bastian Yotta nach seinem Triumph in die Kamera. Wenn ja, keine gute. Mit Sicherheit war es aber sein vorerst letzter Eintrag.