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TV-Kritik

Überforderter Moderator und Zoff: Zwei Stunden Horror: Das "Promis unter Palmen"-Wiedersehen wird zur Zumutung

Nachdem sie sich bereits in Thailand bis auf die Knochen gezofft hatten, trafen sich Désirée Nick, Claudia Obert und Co. am Mittwochabend zum Wiedersehen von "Promis unter Palmen". Wer die Sendung geguckt hat, brauchte danach Kopfschmerztabletten.

"Promis unter Palmen"

"Promis unter Palmen": Claudia Obert, Ennesto Monte, Janine Pink und Désirée Nick

SAT.1

Gut möglich, dass man als "Promis unter Palmen"-Zuschauer nie wieder die Stimme von Désirée Nick aus dem Kopf bekommen wird. Diesen keifenden Ton, das scharfe S, die Vehemenz, mit der die Kabarettistin ihre Argumente ins Hirn anderer Menschen brennen möchte und gegen die wohl nur eines hilft: eine große Dosis Aspirin. Das Wiedersehen der Trash-TV-Kandidaten wurde am Mittwochabend zu einer einzigen Katastrophe und zeigte anschaulich die Fehler auf, die der Sender bereits im Verlauf der Reality-Show gemacht hatte.

"Promis unter Palmen": Das große Wiedersehen

Gekommen waren alle bis auf den Sieger der Sendung, Bastian Yotta. Den will Sat.1 nicht mehr einladen, nachdem frauenverachtende Videos von ihm aufgetaucht waren. Die einzig richtige Entscheidung. Aus Brasilien zugeschaltet wurde "Richter Gnadenlos" Ronald Schill, den die anderen Z-Promis zeitweilig vermutlich beneideten, konnte er das Geplärre der verzweifelten Nullnummern im Raum doch mit nur einem simplen Knopfdruck zum Schweigen bringen. 

Gezeigt wurden vermeintliche Highlight-Szenen, die anschließend mit Claudia Obert, Désirée Nick, Tobias Wegener und Co. besprochen werden sollten. Doch von einem Gespräch unter Erwachsenen kann nicht die Rede sein. Die "PuP"-Teilnehmer fingen da an, wo sie in Thailand aufgehört hatten und zofften sich, was das Zeug hielt. "Es ist ein Trash-Format, das weiß jeder, der da mitgemacht hat", zischte die Nick und wollte damit ihren Standpunkt in den vielen Streitereien erklären. "Jeder, der das als Erfolg nicht akzeptieren kann, soll sich verpissen", sagte sie.

Claudia Obert unterbrach den Nick'schen Monolog und wankte aus dem Studio. "Sagst du mir Bescheid, wenn sie fertig ist, ich muss mal auf Toilette", krähte die Boutique-Besitzerin Moderator Jochen Schropp zu. Désirée Nick, die sich so gerne selber reden hört wie Matthias Mangiapane sich die Bräunungscreme in die Visage schmiert, ließ sich davon nicht beirren und keifte weiter.  

Carina Spack braucht Polizeischutz

In einer kurzen Nick-Pause fing dann Carina Spack an zu heulen, weil sie Angst gehabt habe, in die Sendung zu gehen. Sie werde seit der Show bedroht, müsse von der Polizei beschützt werden. Dass eine Trash-TV-Show solche Folgen hat, ist ohne jeden Zweifel schlimm. Das Mobbing, das von Spack und Yotta gegen Claudia Obert ausging, hätte bei der großen Aussprache jedoch trotzdem größer thematisiert werden müssen.

Adam sucht Eva

Doch der völlig überforderte und viel zu gutherzige Moderator Jochen Schropp verpasste jede Chance, aus dem Wiedersehen mehr zu machen als es letztlich war. Als Janine Pink auf Ronald Schills Grabbelfinger angesprochen wurde, mit denen er die Schauspielerin im Bett liegend befummelt und belästigt hatte, winkte Pink nur ab und lachte die Empörung weg. Die Reaktion können die meisten Frauen vermutlich nachempfinden. Bloß nicht ein zu großes Drama machen.

Doch es wäre an Schropp gewesen, sich als neutraler Beobachter und Moderator zu positionieren. Er versuchte es, doch scheiterte kläglich, als ihm im Meer von immer lauter werdenden Promis die Stimme versagte. Ebenso scheiterte der 41-Jährige daran, das Mobbing an Claudia Obert als genau das zu bezeichnen und wenigstens im Nachhinein aufzuholen, was die Produktion vorher verpasst hatte. 

Jochen Schropp konnte sich nicht durchsetzen

Stattdessen mühte sich Schropp ab, bei seinem Skript zu bleiben, seine Kärtchen vorzulesen, die nächste MAZ anzukündigen, während die Nick sich in ihrer Selbstverliebtheit suhlte, Matthias Mangiapane irre die viel zu weißen Zähne fletschte und Claudia Obert es sich auf ihrer Sitzgelegenheit gemütlich machte. Am Ende konnte der Moderator den Zuschauern fast nur noch leid tun. Sein hilfloser Blick sprach Bände.

Und so endete auch die große Aussprache von "Promis unter Palmen" genauso schlecht, wie die Sendung an sich. Ohne Einordnung des Senders, ohne, dass irgendwer etwas gelernt hat. Außer vielleicht Ennesto Monté. "Ich finde es schade, dass so ein Idiot wie ich sagen muss: Solche Beleidigungen gehen gar nicht", resümierte der Schlagersänger, der bislang in seiner Karriere vor allem damit aufgefallen ist, sich den Penis vergrößert zu haben, auf einem Geldautomaten Sex gehabt zu haben und mit Helena Fürst zusammen gewesen zu sein.

Wenn Ennesto Monté zum moralischen Lichtblick wird, dann ist eigentlich alles gesagt. Und sobald die Stimme der Nick irgendwann aus dem schmerzenden Kopf verschwunden ist, wird sie hoffentlich durch eine ersetzt, die erleichtert feststellen kann: ein Glück, dass man diese Pappnasen so schnell nicht wiedersehen muss.