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"ZDF Magazin Royale" Böhmermann macht die FDP zur RAF – und führt so ein Argument gegen die Klimaproteste ad absurdum

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann vergleicht die FDP mit der RAF
© Henning Kaiser / Picture Alliance
In der neuen Ausgabe von Jan Böhmermanns Sendung "ZDF Magazin Royale" geht der Satiriker zurück zu seinen Wurzeln: der Satire. Schritt für Schritt zeigt er auf, wie eine Verschwörungstheorie entstehen kann. 

In der jüngsten Vergangenheit bewiesen Jan Böhmermann und seine "ZDF Magazin Royale"-Redaktion vor allem ihr großes Investigativ-Talent. Doch jetzt ist "Böhmi" zurückgekehrt zu seiner Paradedisziplin, der Satire. Seine neuesten Opfer sind dabei kein Geringerer als der Bundesfinanzminister und FDP-Chef Christian Lindner sowie die "Welt"-Gruppe. 

"ZDF Magazin Royale": Böhmermann macht die FDP zur RAF

Dabei macht Böhmermann, was man von ihm bereits kennt: Er überspitzt und verdreht Tatsachen so, dass sie seinem Narrativ folgen. So belegt er, dass Lindner und RAF-Kopf Andreas Baader Meinhof vermeintlich gleich ticken, weil sie beide Porsche lieb(t)en. Auch optisch gebe es eine gewisse Ähnlichkeit, argumentiert Böhmermann ironisch. Und er vergleicht ein Wahlversprechen der FDP mit dem Liedtext zu einem Song von der "linksradikalen Band Ton Steine Scherben". Tiefgründiger wird's auch im Verlauf der Sendung nicht. 

"Die größte Bedrohung für Deutschland ist NATÜRLICH der Linksextremismus und dessen durchtriebendster Verfechter: die FDP", resümiert er. Passend dazu kreiert er den Hashtag der Woche: #RAFDP. 

Doch nicht nur die Liberalen werden mit der RAF gleichgesetzt, sondern auch Journalisten der "Welt"-Gruppe, allen voran Lindners Ehefrau und Politikreporterin Franca Lehfeldt sowie Chefredakteur Ulf Poschardt. Die Hamburgerin Lehfeldt macht Böhmermann kurzerhand zu Lindners Komplizin, sozusagen zu der FDP-Version von Ulrike Meinhof. "Der Lindner-Lehfeldt-Komplex" ist geschaffen, angelehnt an den Baader-Meinhof-Komplex. "Die erklärtermaßen staatsfeindliche Welt-Gruppe — WeLT, mit kleingeschriebenem e, kleingeschrieben wie ein Bekennerschreiben der RAF", erläutert er süffisant. Mit einer ganz eigenen Version des oben genannten Ton Steine Scherben-Songs beendet Böhmermann seine Satire.

Aber warum eigentlich das Ganze? Zu Beginn seiner Sendung nimmt der Satiriker Bezug auf die jüngsten Klimaproteste. Vor allem in der "Bild" und in der "Welt" wurden die jungen Menschen, die sich auf Straßen kleben oder Lebensmittel auf Gemälde werfen, mit der RAF gleichgesetzt. "Klimaterroristen", werden sie in einigen Publikationen genannt.

Den durchaus zynischen Vergleich führt Böhmermann gekonnt ad absurdum und stellt sicher, dass in Zukunft ähnliche Parallelen kaum noch gezogen werden können, ohne dabei an seine Sendung zu denken. Ein durchaus kluger Schritt.

Aufregung auf Twitter

Auf Twitter sorgte "Böhmis" Hashtag und sein kreiertes Fahndungsplakat mit Lindner, Lehfeldt, Poschardt und Co. bereits im Vorfeld für Empörung. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Hetze zu Gewalttaten gegen die hier zu Terroristen erklärten Andersdenkenden führt", twitterte Poschardt. "Das Blut klebt damit an seinen zwangsgebühren-finanzierten Händen" – die mittlerweile gelöschte Schlussfolgerung des Medienmachers. 

Am Ende muss man feststellen: Der Alarm, den Böhmermann mit seinem Hashtag auf dem Kurznachrichtendienst ausgelöst hatte, passt zu der kurzen Zündschnur vieler Twitter-Akteure, nicht aber zum tatsächlichen Inhalt seiner Sendung. Böhmermann zeigt ironisch und mit den Mitteln einer Satire auf, wie eine Verschwörungstheorie entsteht und hält denjenigen den Spiegel vor, die Klimaprotestierende mutwillig in die Ecke der Terroristen setzen. Letztlich ist der Vergleich von FDP, "Welt" und der RAF aber so offensichtlich absurd, dass er schon wieder harmlos ist. 

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