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Musikbranche in der Krise Ärzte spielen live in den "Tagesthemen"

Die Ärzte im Hamburger Studio der Tagesthemen: Die Menschen, die in der Musikszene arbeiten, werden ignoriert"
Die Ärzte im Hamburger Studio der "Tagesthemen": "Die Menschen, die in der Musikszene arbeiten, werden ignoriert"
© Screenshot Tagesthemen
Überraschung für die Zuschauer der "Tagesthemen": Das Intro klang diesmal ganz anders. Die Band Die Ärzte war im Studio und spielte die Titelmelodie live. Danach warben die Musiker im Interview für mehr Unterstützung der Musikbranche.

Einen ungewohnten Sound mussten die Zuschauer der ARD-"Tagesthemen" zu Beginn der Sendung am Freitagabend vernehmen. Es handelte sich zwar um die Titelmelodie der Nachrichtensendung, aber sie klang mehr nach Rockgitarre. Der Grund: Die Band Die Ärzte war im Studio und spielte die Titelmelodie live. Die Musiker begrüßten die TV-Gucker mit "Hier ist das Ärzte Deutsche Fernsehen" und moderierten Ingo Zamperoni an.

Angekündigt war die Aktion nicht, die "Tagesthemen" hatten lediglich vorher zwei Tweets gepostet mit einem Bilderrätsel zum Ärzte-Song "Mach die Augen zu (und küss mich)" und ein Meme mit der Textzeile "Manchmal schließe ich die Augen, stell' mir vor, ich sitz' am Meer" aus dem Ärzte-Song "Westerland".

Ärzte wollen auf Krise in der Musikbranche aufmerksam machen

Nach dem live gespielten Intro wurde schnell klar, warum Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González im Studio waren. Es ging um die Krise, in der sich die ganze Kultur- und Veranstaltungsbranche durch die Corona-Pandemie befindet.

Bela B schilderte, wie "krass" zum Beispiel die Situation der eigenen Roadies sei, die die Band jetzt schon seit sieben Monaten nicht mehr beschäftigen könne, weil sie keine Konzerte mehr gebe. Farin Urlaub betonte, dass es den Ärzten gut gehe, aber die Menschen, die für die Band arbeiteten oder Clubbetreiber , Ton- und Lichttechniker hätten keine Jobs mehr. Und so gehe es allen, die in der Musik- und Veranstaltunsgbranche tätig seien. "Die Menschen, die in der Musikszene arbeiten, werden in Zeiten von Corona ignoriert", kritisierte Urlaub, während andere Branchen ("Lufthansa") staatlich unterstützt werden.

Autokonzerte oder Stream-Konzerte spielten für die Band als Überbrückungsmöglichkeit in der Coronakrise keine Rolle. "Das passt nicht zu uns. Unser Publikum muss sich aneinander reiben", sagt Bela B. Ihre geplante Tour hatten Die Ärzte auf das nächste Jahr verschoben. "Wir müssen uns wahrscheinlich damit abfinden, dass solange Corona so wütet wie jetzt gerade, dass die Art von Konzerten, die wir gerne spielen, einfach nicht möglich sind", sagte Urlaub.

Ärzte unterstützen Aktion #arlarmstuferot

Die Ärzte warben zudem für die bundesweite Protestaktion #arlarmstuferot. Unter diesem Motto versucht die Branche seit Monaten, Protest und Aufmerksamkeit zu organisieren. Kultur habe das Problem, dass sie immer als gegeben hingenommen werde, sagte Urlaub. Und das müsse sich ändern.

tis

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