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TV-Kritik

"Bachelor in Paradise": "Isch hab Elefanten in meinem Bauch drinnen"

Ende der Party im Paradies: Im Finale fanden drei Bachelor ihre Bachelorette. So richtig Herzrasen hatte aber nur ein Paar. Die anderen genossen die Ehrenrunde Fame – und sorgten für ein vermeintliches Sexgate.

Von Mark Stöhr

bachelor in paradise - rtl

Sieht hier nicht so: Beim finalen Date mit Domenico aber hatte Evelyn (l.) Schme..., äh, Elefanten im Bauch

Irgendwann konnte Domenico nicht mehr an sich halten. Es musste einfach raus. Also schaute er Evelyn tief in ihre leeren Augen und sagte: "Du hast mir ein Gefühl gegeben, wo isch nischt mehr kannte." Bäm. Ungefähr zweitausend Geigen von zweihundert Orchestern setzten ein. Vom Himmel regnete es Plastikrosen. Und Evelyn fasste sich an den Bauch, irgendwas zwickte da, vielleicht die Bohnen von der thailändischen Gemüsepfanne, die es mittags gab – und sie sagte: "Isch hab in meinem Bauch drinnen."

Ein Pannen-Paar war geboren, wie es sich der ADAC nicht besser hätte ausmalen können. Zwei Nebelleuchten, die das Paradies anstrahlten mit ihrer gleißenden Ahnungslosigkeit. Jeder Schritt eine neue Information für ihre unformatierte Festplatte. Beneidenswert. Als sie vor den traten, der sie zu ihrem "Dreamdate" fliegen sollte, fragte Evelyn: "Was ist das? Ein Helikopter?" Danach war das Herz "voll am Rauspringen" und der Blick von oben "voll unnormal". Irgendwo muss es einen Sprachkurs geben für dieses Chantal-Schlunz-Deutsch, in dem RTL sein Personal schulen lässt.

Hatten Philipp und Carina heimlich Sex?

Während Domenico und Evelyn sich nicht lange mit Beziehungsfragen aufhielten ("Willst du mit mir zusammenziehen, also zeitnah?") und sogar schon über die Produktion von "vielen Bachelor-Babys" nachdachten, quälten sich die beiden anderen Finalpaare mehr oder weniger zu ihren Candlelight-Dates und Kuschel-Sessions. Ein schlimmer Verdacht überschattete die romantische Choreografie: Haben Philipp und Carina etwa in der Nacht vor der Entscheidung, wer mit wem geht, heimlich miteinander gepimpert? Ein bereits vorab lancierter Einspieler deutete das an, blieb aber den eindeutigen Beweis schuldig.

Philipp, der aufgepumpte Schwiegermutter-Traum und geborene Darsteller für den Nazi in einem amerikanischen Antikriegsfilm, ließ sich jedenfalls nichts anmerken. Pausenlos blinkerte er Pam mit seinen stahlblauen Augen an, als könnte er kein Wässerchen trüben. Er ließ sich sogar von einem Elefanten nass spritzen und strich danach seiner Auserwählten mit seinen elefantennassen Fingern durchs Haar. Irgendwie magisch. Selten auch wurden Emotionen so liebevoll in Sätze gefasst: "Meine Gefühle zu Pam nehmen eine stetige Steigerung an. Ich will jetzt nicht das Wort verliebt in den Mund nehmen." 

"Bachelor in Paradise": Lustlos im Speedboot

Natürlich sind die ganzen Beziehungskisten, die in diesem nach scharfen Männerdeos und süßlichem Waxing-Wachs miefenden Bachelor-Camp gebaut werden, eh Bullshit. "Hört bitte in euch hinein", wies Moderator Florian Ambrosius die Paare an, ehe sie zum Kuscheln auf Kommando aufbrachen. Doch die schmierten sich lieber Gel in ihre Trendfrisuren und warfen sich in der Garderobe ihre Fast-Fashion-Klamotten über. Was hätten sie sonst auch tun sollen? Ihr Ohr in ein Loch halten, in dem nichts ist?

Geradezu absurd aussichtslos war die Lage bei Carina und Sebastian. Die beiden hatten ganz offensichtlich mehr Bock auf eine weitere Runde Fame im Finale als auf Romantik zu zweit. Lustlos cruisten sie im Speedboot durch die Phang Nga Bucht und hatten sich wenig zu sagen. Während er die Illusion mit Ach und Krach aufrechtzuerhalten versuchte ("Carina gibt mir das Gefühl, dass sie sich eine langfristige Beziehung vorstellen kann"), stand für sie von vornherein fest: "Ich will mit Sebastian nicht als Paar rausgehen." Wenigstens waren sie höflich zueinander. Nach dem Dreamdate sagte er: "Das war ein megaschöner Tag, danke dafür." Und sie: "Ich habe dir zu danken." Kein Herzbeben, kein Pulsrasen, kein Elefant im Bauch. Oder wie Domenico aus dem hessischen Örtchen Linsengericht es ausdrückte: "Geil, isch freu misch."

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo