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TV-Tipp

"Big Little Lies": Eine Leiche, Intrigen und starke Frauen: Diese Serie sollten Sie unbedingt sehen

In einer Flut neuer Fernsehserien und Netflix-Produktionen wird es immer schwieriger, echte Schmuckstücke zu finden. Doch "Big Little Lies" ist so eines. Von der Besetzung bis zum Soundtrack stimmt hier alles.

"Big Little Lies"

Nicole Kidman, Shailene Woodley und Reese Witherspoon (v.l.) spielen drei der Protagonistinnen in der Fernsehserie "Big Little Lies". 

MG RTL D

"Did you ever want it? Did you want it bad"? - die ersten Zeilen von Michael Kiwanukas Titelsong "Cold Little Heart" deuten an, worum es in "Big Little Lies" geht: die sehnlichsten Wünsche der reichen Bewohner von Monterey, Kalifornien.

Die eine träumt von einem ruhigen Leben nach einer turbulenten Vergangenheit, die andere will aus dem öden Alltag ausbrechen und eine auf keinen Fall, dass herauskommt, was sie verheimlicht. Wie weit werden sie gehen, um die Fassade zu wahren?

"Big Little Lies": Fernsehserie mit Starbesetzung

Im Zentrum der HBO-Produktion stehen fünf Frauen und ihre Familien:

Reese Witherspoon spielt Madeline Mackenzie, die ihr Leben im Griff zu haben scheint und die jeden Bewohner Montereys - inklusive seiner Geheimnisse - kennt.

Celeste Wright - gespielt von Nicole Kidman - eine ehemalige Anwältin, führt ein scheinbar perfektes Leben zusammen mit ihrem Mann und ihren Zwillingssöhnen. Das schwer verliebte Paar hat noch so viel Sex wie am ersten Tag - die brutalen Gewaltausbrüche ihres Ehemanns verheimlicht Celeste allerdings. 

Neu nach Monterey kommt Jane Chapman, gespielt von Shailene Woodley. Chapman bringt ihren Sohn mit, der von den feinen Müttern seiner Schulkameraden schnell als Bösewicht ausgemacht wird. 

Eine dieser feinen Mütter ist Renata Klein, großartig gespielt von Laura Dern

Zoe Kravitz spielt Bonnie Carlson, die coole, unfassbar attraktive neue Frau von Madeline Mackenzies (Witherspoon) erstem Mann. 

Eine Leiche, viele Intrigen

Die Erzählweise von "Big Little Lies" baut gleich zu Beginn Spannung auf. Rückblicke auf die vergangenen Wochen und den Alltag der fünf Frauen wechseln sich mit Vernehmungsszenen aus der Gegenwart ab.

Im Mittelpunkt der polizeilichen Ermittlungen steht eine Leiche. Um wen es sich dabei handelt, findet der Zuschauer erst am Ende heraus. Genauso, wie die Person verstarb und warum. 

Doch während man die handelnden Personen anfänglich als oberflächliche Westküsten-Muttis abstempeln könnte, die sich um ihre Kinder zoffen und in ihren SUVs durch die malerische Landschaft fahren, wird "Big Little Lies" mit jeder Folge tiefgründiger.

Sorgsam und clever werden die Frauen vorgestellt, werden ihre Geschichten erzählt, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen beleuchtet, bis die Show mit einem großen Knall und einem beeindruckenden Serienfinale endet. 

Fünf Frauen im Fokus

Was passiert, wenn private Dramen das gesellschaftliche Pseudo-Idyll durchbrechen, wird so detailverliebt und empathisch dargestellt wie in wenigen TV-Produktionen vorher. Mut beweisen die Macher der Serie, David E. Kelley und Regisseur Jean-Marc Vallée, in ihrer Darstellung der fünf Frauen. 

Dass ausgerechnet eine Serie mit Heldinnen aus der amerikanischen Oberschicht - den zehn Prozent der Gesellschaft, die sich um Geld keine Gedanken machen müssen - so eine starke feministische Botschaft hat, kommt fast ein wenig unerwartet.

Befürchtungen, die Frauen könnten als oberflächliche Widersacherinnen inszeniert werden, die sich gegenseitig nichts gönnen, bestätigen sich nicht. Nein, das Gegenteil ist in "Big Little Lies" der Fall. 

Besonderer Soundtrack, beeindruckende Bilder

Witherspoon, Kidman, Woodley, Kravitz und Dern geben ihren jeweiligen Charakteren eine beeindruckende Tiefe und entwickeln ein besonderes Gespür für ihre Geschichten.

So wenig sich die meisten Zuschauer mit dem polierten Luxusleben in Monterey identifizieren können, so bemerkenswert ist, wie lebensnah und echt die Freundschaften (und gelegentliche Unstimmigkeiten) zwischen den Frauen dargestellt werden. 

Mehr als nur Beiwerk ist der Soundtrack von "Big Little Lies". Die Musik spielt eigentlich eine eigene Rolle. Denn die Songs, achtet man auf ihre Texte, erzählen die Geschichte der Protagonistinnen weiter - angefangen mit dem Titelsong "Cold Little Heart" von Michael Kiwanuka. "River" von Newcomer Leon Bridges oder "Bloody Motherf****** Asshole" von Martha Wainwright sind nur zwei Beispiele dafür, wie gute Film- oder Serienmusik die Szenen unterstützen kann. 

Neben der Musik muss die Kraft der Bilder in "Big Little Lies" Erwähnung finden. Monterey wirkt irgendwann so vertraut, dass man den Eindruck bekommt, selbst schon unzählige Mal mit dem SUV über die Küstenstraßen gefahren zu sein. 

Vox strahlt die Serie aus

Eine Serie, die sich so spannend auf zwischenmenschliche Beziehungen und das Leben von fünf Frauen mit allen Höhen und Tiefen konzentriert, sieht man selten im Fernsehen.

Die Kombination aus großartiger schauspielerischer Leistungen, visueller Strahlkraft und einem Soundtrack, der eine eigene Parallelgeschichte erzählt, ist selten.

"Big Little Lies" ist ein Serien-Schmuckstück, das einen so schnell nicht wieder loslässt. Spätestens, wenn man die ersten Takte von "Cold Little Heart" hört, ist man sofort wieder in Monterey, Kalifornien. Dort, wo mysteriöse Dinge passieren und die Frauen mehr sind als nur ein Klischee. 

"Big Little Lies" läuft erstmals im Free-TV ab Mittwoch, 30.5.2018, um 20.15 Uhr auf Vox.

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