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"PussyNation" auf RTL "Keine Lust auf Witze über das Impfen": Carolin Kebekus über ihr neues Programm

Carolin Kebekus
"PussyNation" heißt das Bühnenprogramm von Carolin Kebekus, RTL zeigt es am Freitag um 22.30 Uhr. 
© Willi Weber / RTL
Der Wegfall des Publikumskontaktes in der Pandemie hat Carolin Kebekus schwer zugesetzt. Mittlerweile ist sie wieder auf Tour. Ihr Programm "PussyNation" ist nun auf RTL zu sehen. Die Comedienne verspricht im stern-Interview viel albernen Blödsinn.

Frau Kebekus, Sie haben 2013 wegen zweier kirchenkritischer Beiträge die Wucht des Establishments zu spüren bekommen – von Kirche bis WDR-Intendanz. Knapp zehn Jahre später werden Sie als "Systemnutte" beschimpft. Haben Sie sich geändert oder haben die Zeiten sich geändert?
Ich glaube, beides. Ich selbst habe mich geändert, was ja gut und richtig ist. Die Nummern, die ich damals gemacht habe, würde ich heute nicht mehr so machen. Ich glaube, dass aber auch die Zeiten sich geändert haben: Es gibt einfach viel mehr Menschen, die sich im Internet äußern, sogar mit Klarnamen. Durch Corona hat sich zudem eine Faktenfeindlichkeit entwickelt. Dadurch werden Diskussionen schwieriger.

Wie macht sich das bei Ihnen bemerkbar?
Mittlerweile gibt es Leute, die mir vorwerfen, ich würde in meiner Sendung sagen, was mir die Regierung aufgibt. Als würde mich jeden Tag Olaf Scholz anrufen und mir sagen, was ich für Witze machen soll.

Gab es diese Faktenfeindlichkeit schon immer und sie ist jetzt durch die sozialen Medien nur sichtbar geworden, oder haben wir es mit einer neuen Entwicklung zu tun?
Ich glaube, das war früher nicht so. Ein weltweiter Virus ist eine Extremsituation, die kann man sich nicht so einfach erklären. Da ist es einfacher zu sagen: Das ist eine Verschwörung, weil Bill Gates alle Leute verchippen will. Menschen tendieren dazu, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Deswegen ist es eine einfache Lösung zu sagen: Da muss ein größerer Plan dahinter stecken.

Sie reagieren in Ihrer ARD-Sendung "Die Carolin Kebekus Show" auf diese Herausforderung mit einer Mischung aus Aufklärung und Humor. Befürchten Sie nicht, dass Sie damit nur die Menschen erreichen, die sowieso Ihre Sichtweise teilen?
Nein. Ich glaube, dass diese Sendung beim öffentlich-rechtlichen Sender sehr gut aufgehoben ist. Gerade da kommen wir an Personengruppen heran, die uns sonst nicht sehen und die nicht unsere Zielgruppe sind.

Viele Menschen fühlen sich angesichts der schwierigen Weltlage – Ukraine-Krieg, Klima-Krise, Corona – überfordert. Überlegen Sie manchmal, ob anstatt Ihrer aufklärerischen Themen eher Eskapismus angesagt wäre, sinnfreie Komik?
Das Gute an dem Programm, das jetzt bei RTL läuft, ist: Es ist vor Corona entstanden. Da haben wir noch nicht mal richtig gegendert. Deswegen spreche ich da nicht über die Pandemie und nicht über den Krieg. Das ist auf eine gewisse Art und Weise zeitlos. Darüber bin ich froh: Ich hab keine Lust mehr, Witze zu hören über Corona oder über das Impfen. Ein großer Teil ist sehr alberner Blödsinn.

Bauen Sie Ihre Live-Programme anders auf als "Die Carolin Kebekus Show"?
Ja, das ist ein großer Unterschied. "Die Carolin Kebekus Show" entsteht mit sehr talentierten Autorinnen und Autoren zusammen. Es gibt feste Rubriken, Einspieler und Gäste. Meine Soloshow ist dagegen reine Stand-Up-Comedy - das hat mit meiner Sendung nur in Teilen zu tun.

"Feminismus unter der Gürtellinie" – Caroline Kebekus mit Show "Pussy Nation"

Haben Sie den Publikums-Kontakt in der Corona-Pandemie vermisst?
Der Wegfall des Publikumskontaktes war ganz schrecklich. Wir haben die Sendung im Lockdown angefangen, komplett ohne Publikum. Es war wie im luftleeren Raum. Das hat einen total unkreativ gemacht.

Was machen Sie, um abzuschalten und Kraft zu schöpfen?
Ich muss mir richtig Zeiten blocken, in denen ich nicht erreichbar bin. Für mich ist es der totale Luxus, Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Die kann ich durch meine Arbeit nur selten sehen. Das sind die Momente wo ich auftanke und neue Ideen bekomme.

Viele Menschen ertragen derzeit die ganzen schlechten Nachrichten nicht mehr und schalten ab. Wie gehen Sie damit um?
Wir haben sehr lange in sehr guten Zeiten gelebt. Langsam wird uns bewusst, dass viele Privilegien, die wir haben, nicht selbstverständlich sind. Man muss das filtern. Der Mensch ist nicht dafür gemacht, so viele Nachrichten aus der ganzen Welt aufzunehmen, einzuordnen und eine Meinung zu haben. Ich versuche, für mich ein Gegengewicht zu schaffen: Wenn ich eine halbe Stunde richtig schlechte Nachrichten gehört habe, höre ich mir eine halbe Stunde gute Sachen an.

Sie haben Anke Engelke und Gaby Köster als wichtige Vorbilder bezeichnet. Anders als die beiden sind Sie in die Richtung politischer Humor gegangen. Warum?
Ich habe irgendwann eine Verantwortung gespürt, weil mir live so viele Leute zugehört haben. Auch viele Mädchen, die mich mit großen Augen angestarrt haben. Da habe ich gedacht, du musst jetzt was sagen, was nur zu 80 Prozent albern ist. Das hat sich so entwickelt.

Haben Sie aktuelle Vorbilder, etwa US-Comedians?
Ich kenne sehr lustige Programme von Sarah Silverman, die finde ich wahnsinnig toll. Aber es ist nicht so, dass ich sage: Ich will so sein wie die. Ich versuche mir nicht so viel anzugucken, weil ich lieber meine eigene Komik haben, meinen eigenen Weg gehen will.

Wie wichtig ist die regionale Verwurzelung für Ihre eigene Art von Humor?
Ich bin durch den Kölner Humor stark geprägt. Das ist eine eigene Kultur: Der Karneval birgt sehr viel Komik. Man wächst damit auf, dass man im Kindergarten auch mal eine Büttenrede halten muss. Es hat mir den Zugang zum Humor ermöglicht, dass ich das als kleines Kind schon mitbekommen habe.

Ihre Karriere hat bei den "Freitag Nacht News" auf RTL begonnen. Ist es für Sie etwas Besonderes, dass RTL jetzt Ihr Programm "PussyNation" ausstrahlt?
Ich war Praktikantin, als ich bei RTL angefangen habe. Damals haben die auch mein erstes Programm ausgestrahlt, "PussyTerror". Und auch "AlphaPussy". Um die Pussy-Trilogie zu vervollständigen ist es natürlich nur konsequent, dass das dritte Programm dort auch stattfindet. Ich finde, das ist bei RTL gut aufgehoben.

RTL zeigt das Bühnenprogramm "PussyNation" von Carolin Kebekus am Freitag, 19. August, um 22:30 Uhr.


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