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Claus Theo Gärtner: Deutschlands dienstältester Ermittler

Unter Josef Matula kennen ihr mehr Menschen als unter seinem richtigen Namen. Seit 25 Jahren gehört Claus Theo Gärtner als Privatdetektiv in "Ein Fall für zwei" zum festen Inventar des deutschen Fernsehens. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Für Claus Theo Gärtner gab es ein Leben vor "Ein Fall für zwei". Ehe er die Matula-Rolle mit seiner Unterschrift auf einem Bierdeckel übernahm, hatte er sich im Krimi-Personal des Fernsehens fest etabliert und eine solide Theaterkarriere hinter sich gelassen. Seine immer rauer gewordene Reibeisenstimme, der man die Sprechausbildung deutlich anhört, klingt mehr nach Ruhrpott als nach Berlin: "Geboren in Berlin, die ersten Haare wuchsen mir in Innsbruck, die ersten Zähne bekam ich im Ruhrpott", erklärt der Schauspieler. Danach lebte er in den USA und in Südostasien.

Nach rastlosen Jahren entschied sich der Leichtathlet und Jungboxer zur Schauspielausbildung in Hannover. An den Bühnen in Göttingen, Braunschweig und Oldenburg sowie in Stuttgart mimte Gärtner den Mercurio in Shakespeares "Romeo und Julia", den Sosias in Kleists "Amphitryon" wie auch den Proctor in Henry Millers "Hexenjagd". Daneben spielte er die Rolle des Patrick in "Einer flog über das Kuckucksnest" sowie den Kowalski in Tennessee Williams' "Endstation Sehnsucht".

Erfahrung auf den großen Theaterbühnen

Danach rief die Avantgarde: Von 1971 bis 1977 spielte Gärtner an der Berlinischen Schaubühne am Halleschen Ufer unter Peter Stein. Aufmerksamkeit hatte der junge Endzwanziger mit der modisch langen blonden "Matte" mit seiner ersten Filmrolle in "Zoff" (1970) auf sich gelenkt: Er erhielt dafür den Bundesfilmpreis. Im Fernsehen hatte er mit dem Film "Im Zweifel für den Angeklagten: Der Fall Dietrich Derz" den großen Durchbruch. Seither hat Gärtner das Genre TV-Krimi nicht mehr verlassen, auch wenn er auf den großen Hamburger Bühnen und 1983/1984 an den Staatlichen Schauspielbühnen in Berlin spielte.

Als im Sommer 1981 die erste Klappe für "Ein Fall für zwei" fiel, hatte die Redaktion höchstens 30 Folgen angepeilt. Mittlerweile sind weit über 200 Folgen gesendet worden. Als Erfolgsrezept gilt die Konstellation des von Autor Karl Heinz Willschrei erfundenen Gespanns aus seriösem Frankfurter Rechtsanwalt und seinem "Mann fürs Grobe, der Schlag hat bei den Weibern" (ZDF-Fernsehspielchef Hans Janke), der den Kneipengeruch bis in die Wohnzimmer der Zuschauer zu verströmen scheint.

Wechselnde Arbeitgeber

Der Privatdetektiv in Lederjacke und ausgebeulten Jeans musste seinen Arbeitgeber drei Mal wechseln: Auf Dr. Renz (Günter Strack) folgte im Sommer 1988 Dr. Franck (Rainer Hunold), auf diesen Dr. Johannes Voss (Mathias Herrmann), und seit April 2000 ermittelt Matula für Dr. Markus Lessing (Paul Frielinghaus).

Selten taucht Claus Theo Gärtner ohne den Rollennamen Matula in den Medien auf. Die Privatperson gibt sich in der Öffentlichkeit kaum zu erkennen. Der Schauspieler behauptet: "Mein Alter-Ego ist mir sehr ähnlich. Da Matula alles, was er hat, von mir hat, komme ich ganz gut mit ihm klar."

Die Zeit außerhalb der Krimiwelt hat Gärtner früher seiner Leidenschaft für Autorennen und Sport gewidmet. Die Raserei lässt er seit ein paar Jahren sein. "Ich bin ganz gut durchtrainiert", sagt er. "Die Rolle Matula erfordert das auch."

Inge Treichel/AP