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Dschungelcamp 2012, Tag 15: Die Faden und Fitten sind im Finale

Die Überraschung blieb aus: Brigitte Nielsen, Kim Debkowski und Rocco Stark machen die Dschungelkrone unter sich aus. Mit Micaela Schäfer verließ gestern der letzte Freak die Show. Somit gewinnt in jedem Fall der Falsche.

Von Mark Stöhr

Das wäre das Traumfinale im Dschungelcamp gewesen: Ailton, der Sprachlose, der nur eine dicke Unterlippe wagte und einen wunderbar bräsigen Standfußball spielte. Neben ihm, schwer hospitalisierend, Vincent Raven, der Ratlose, der irgendwann auch Kröten gehäutet und geraucht hätte. Und natürlich Micaela Schäfer, die Kleiderlose, die sich an ihre Nacktheit klammerte wie andere an ihren Glücksteddy. Drei Freaks, jeder auf seine Art höchst wunderlich und irgendwie sehr alleine. Ihre Überforderung, die sich bei Micaela in einer Überkontrolliertheit äußerte, machte sie zu anrührenden Menschenspielern. Doch durchgesetzt haben sich die Medienspieler. Das Finale ist jetzt nur noch Formsache. Gewinnen wird sowieso der Falsche.

Es war ein hässliches Schlussbild gestern Nacht: Unten triumphierten die Finalisten Brigitte Nielsen, Kim Debkowski und Rocco Stark und klatschten sich johlend ab ("We are the winners!"). Oben räumte Micaela ihre Sachen zusammen, diszipliniert und gefasst wie eine Klosterschülerin, nur halt ohne Klamotten. "Ich hab's kommen sehen", sagte sie. Ihre drei Kontrahenten auch. Schamlos machten sie die gesamte Folge hindurch füreinander Werbung und schossen subtile Pfeile gegen die Außenseiterin. Brigitte Nielsen wurde am deutlichsten: "Micaela hat nicht so viel Persönlichkeit." Ein fieses Foul von "Omageddon" (Bach), das einen sofortigen Platzverweis verdient gehabt hätte. Doch die Anrufer sahen das anders. Fernsehdemokratie ist manchmal eine ganz und gar unerfreuliche Angelegenheit.

Roccos Zungenlambada

Gerade das Vorstadtmädchen Kim Gloss, für die man im Bus oder in der Bahn keinen Blick verschwenden würde, legte sich für das Publikum zuhause mächtig ins Zeug. Sie meldete sich freiwillig zur Dschungelprüfung und steckte ihren Kopf in eine Plexiglaskugel, die nacheinander mit allerlei Entsetzlichkeiten gefüllt wurde: Spinnen, Flusskrebsen, Buschratten und Kakerlaken. Maximal widerlich. Die 19-Jährige machte keinen Mucks und holte alle Sterne. Nur als ihr eine Kakerlake ins Ohr kroch, verlor sie kurz die Contenance. Hatte ihr das Insekt gesteckt, dass sie einem Riesenschwachkopf aufgesessen ist, der sich Schauspieler nennt und in Wirklichkeit Faxenmacher ist?

Rocco Stark empfing sein Toygirl, das er "tough girl" nannte, im Camp mit seinem Zungenlambada. Dieses verdrehte Befeudeln der Lippen bei halboffenem Mund hat er sich bei seinem Vater abgeguckt. Wahrscheinlich hat er es richtiggehend vor dem Spiegel einstudiert. Einen Ochsenknecht küssen zu müssen, und das gilt für die gesamte Sippe, ob halb verwandt oder ganz, ist die schlimmste denkbare Dschungelprüfung. Sie wäre nicht sendefähig. Vielleicht belässt es Kim daher auch bei diesem Kita-Techtelmechtel mit Rocco, das so aufregend ist wie eine Kippenschachtel ohne Kippen. Oder Dirk Bach ohne Texter.

Brigitte Nielsen mit magerer Bilanz

Der Kinnfüßer ist großer Fan von Brigitte Nielsen, daraus macht er keinen Hehl. Für ihn ist die Dänin eine Göttin, die vom Olymp ins Tal hinabgestiegen ist und trotzdem keine Allüren kennt. Wie natürlich die Nielsen ist, wie nett! Was er vergisst: Die 48-Jährige ist nicht zu Besuch in den Niederungen, sie ist dort zuhause. Sie ist längst kein Star mehr, sondern nur noch prominent. Die Sexgeschichten, die sie so geschäftstüchtig ins Schaufenster stellt, sind fast so alt wie Kim Debkowski. Und es sind nur Sexgeschichten. Brigitte Nielsen geht höchst professionell ihrem aktuellen Beruf nach, der TV-Trash heißt. Doch bei genauerer Betrachtung hat sie in den 15 Tagen bislang nur einen einzigen Spruch produziert, der bleiben könnte: "Was geht los da rein?" Dass sie trotz dieser mageren Bilanz höchstwahrscheinlich den Titel holen wird, ist nicht ihre Stärke, sondern die Schwäche der anderen.

Die Fitten und Faden sind nun also im Finale. Diejenigen, die jede Demütigung ohne Klagen über sich ergehen lassen und keine Blöße zeigen. Vincent Raven zeigte dauernd Blöße, Micaela Schäfer sowieso. Als der mager gewordene Magier nach seinem Rauswurf erfuhr, dass er wegen der Überschwemmungen nicht gleich zum Hotel gebracht werden konnte, sagte er nur: "Das ist große Scheiße." Wahrscheinlich hat er inzwischen schon eine halbe Stange am Stück weggequarzt. Und Micaela hat draußen wahrscheinlich ihr Nippel-Lametta in die Ecke gepfeffert, drei Schichten Stoff übereinander angezogen und bitterlich geweint. Sieht ja jetzt keiner mehr zu.