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Dschungelcamp, Tag 2: Ausweitung der kalorienfreien Zone

Im Camp immer schon an später denken! Diese Maxime verfolgt Walter Freiwald eisern und macht sich bereit für die Jauch-Nachfolge. Doch die Gegenwart heißt Kohldampf – dank Saras Prüfungsangst.

Von Mark Stöhr

Sara Kulka muss auch in der nächsten Prüfung wieder antreten

Sara Kulka muss auch in der nächsten Prüfung wieder antreten

Verdammter Bohnen-Bolschewismus. Im Urwaldstudio von Australien gibt's keine Extrawurst für niemanden. Nicht mal für das Idol der Jugend, Walter Freiwald. Der Low Performer aus Leidenschaft hatte einen standesgemäßen Start hingelegt. Doch am zweiten Tag Dschungelcamp wurden wir Zeugen einer wundersamen Reanimation. Man rieb sich die Augen, man polierte den Bildschirm, man ging ganz nah ran - es war wirklich wahr: Walter spielte Frisbee. Wie ein prähistorischer Vogel wippte er auf seinen dünnen Stelzenbeinchen hin und her und eierte die Plastikscheibe durch die Luft. Immer haarscharf über den Schädel von Rebecca Simoneit-Barum hinweg. In dem ist ja bekanntlich was drin. Gestern war sogar was drauf.

Tag zwei ist aus Erfahrung eine zähe Geschichte. Den Kandidaten wird zum ersten Mal richtig bewusst, auf was für einen Quatsch sie sich eingelassen haben. Wie schrecklich diese Blondinen und Bodybuilder und speckigen alten Männer und Frauen mit ihren Hängebrüsten und abgehangenen Erinnerungen um sie herum sind. Sie ziehen sich zurück und denken über sich nach. Das ist in den meisten Fällen eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Und so wurden gestern viele Liter salzige Tränen vergossen, dass man sich fast Sorgen um die Vegetation machte.

Wurde Walter über Nacht ein neuer Motor eingebaut?

Vorne dabei beim emotionalen Entsaften war die "Bachelor"-Zweite Angelina. Sie sehnte sich nach ihren beiden Hunden, die jetzt zwar nicht "Bon" und "Jovi" heißen, aber irgendwie ähnlich merkwürdig. Maren Gilzer haderte mit der Tochter, die sie nie gekriegt hat. Und selbst Frisbee-Walter, der Mann mit den zwei Leben, dem über Nacht allem Anschein nach ein neuer Motor eingebaut worden war, spülte seine beiden Tränensäcke ordentlich durch. Sein Thema: Job. Genauer gesagt: kein Job.

Über hundert Bewerbungen habe er in den zwei Jahren seiner Arbeitslosigkeit geschrieben. Nur Absagen. Dabei hat der durchtrainierte Best Ager durchaus eine realistische Selbsteinschätzung von dem, was er kann und was nicht. Er outete sich bei der Gelegenheit auch als alter Hase der Unterhaltungsbranche, der nie den Kontakt zum Hier und Heute verloren hat. "Wetten, dass..?" wäre zum Beispiel eine Sache, die er sich gut als Moderator vorstellen könnte, sagte er. Oder: "So etwas wie Günther Jauch würde ich gerne machen" Walter geht das goldrichtig an. Man muss nicht immer gleich ganz oben angreifen, wenn man wie er eher von unten kommt.

Nur beim Thema Journalismus lag er falsch. "Die Journalisten haben heutzutage keine gute Ausbildung mehr", wetterte der passionierte Heizdecken-Verkäufer. Es würde nur noch "gehämt", was nun wirklich eine ganz und gar abwegige Unterstellung war. Hätte Sportsfreund Freiwald zudem beim Frisbee genauer gezielt und mit der Scheibe die Schädeloberfläche von Rebekka rasiert, wäre die vielleicht um einen operativen Eingriff herumgekommen.

Sara hat "einfach abgelost"

Die mit viel körpereigenem Proviant angereiste Schauspielerin spürte plötzlich eine mysteriöse Verkrustung auf ihrem Kopf. Ihr erster Verdacht: Insekteneier. Blanco-Tochter Patricia suchte daraufhin das Weite ("Das ist ja supereklig!"), während Jörn Schlöndings, der nette Nette von nebenan, sofort in die Rolle von Krankenpfleger Micha schlüpfte und den Fremdkörper mit einer Pinzette entfernte. Es war - Achtung, supereklig - Baumharz. Und als wäre nicht schon genug Spektakel in dieser actionreichen zweiten Folge gewesen, legte Sara Kulka auch noch eine historische Dschungelprüfung hin.

Die 24-jährige "Amazonin" (Rolfe Scheider) machte in der "Hölle der Finsternis" original nichts. Und zwar nichts im Sinne von nichts. Sie ging rein, sagte "Ich kann das nicht" und ging wieder raus. Ein astreiner Abgang ohne einen einzigen Stern. Ihre Selbstdiagnose lautete: "psychischer Fick". Und: "Ich habe einfach abgelost." Unter ihren Kollegen kam die Nachricht von der Null-Ausbeute, zumindest nach außen hin, weniger schlimm an als befürchtet. Noch regiert der Bohnen-Bolschewismus im Camp unangefochten. Rolfe Scheider konnte der Ausweitung der kalorienfreien Zone sogar etwas Positives abgewinnen: "Die Hälfte von uns hier ist sowieso übergewichtig." Und Null-Sterne-Sara? Die verkündete: "Ich chille hier jetzt erstmal mein Leben ab." Das war auch gut so. Denn die Zuschauer wählten sie selbstverständlich in die nächste Dschungelprüfung.