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Dschungelcamp, Tag 9: Es ist zum Heulen

Der Riesenzoff zwischen Ricky und Helena hat Spuren hinterlassen. Am Tag danach wurden die Wunden geleckt, ein wenig durchgeatmet. Und geflennt, als gäbe es dafür Extra-Sterne.

Von Ingo Scheel

Dschungelcamp 2016

Es ist zum Heulen: Bei Jürgen Milski fließen die Tränen als Rolf Zacher das Camp verlässt. Aber nicht wegen des armen Rolfs. Er heult, weil er Rolf Tschüss sagen, sich aber von seinem Vater nicht verabschieden konnte.

Es ist einer dieser Momente, da wird das ganze Leben, das Kämpfen und Hoffen, das Streben, Wünschen, Bitten zu einer Portion Rührei im Dreck. Und nichts kann da trösten. So drauf gefreut, so danach gesehnt. Eine Unachtsamkeit und alles war vergebens. Eiweißspuren im Sand, die ich gestern noch fand - na, leck mich am Arsch. Da gibt es schon mal was zu futtern, lecker Rührei vom Strauß. Doch Jürgen ist vor Ei-Appetit ganz zittrig und lässt seine Portion direktemang in den Dreck fallen. Leck mich am Arsch. Aber wirklich. Soviel Doofheit muss bestraft werden. Das sah dann auch Jürgen ein und hungerte weiter.

Dschungelcamp, Tag 9: Thorsten Legat, Kroko-Killer und Männer-Versteher
Und auf geht es in einen weiteren Tag im Dschungel. Diesmal muss Thorsten Legat losziehen. Na dann: Helm? Sitzt! Brille? Sitzt auch! Höschen? Spannt ein wenig. Thorsten Legat bereitet sich auf die "Höhlenqualen" vor. 

Und auf geht es in einen weiteren Tag im Dschungel. Diesmal muss Thorsten Legat losziehen. Na dann: Helm? Sitzt! Brille? Sitzt auch! Höschen? Spannt ein wenig. Thorsten Legat bereitet sich auf die "Höhlenqualen" vor. 

 

Warum so eine Petitesse hier zum Curtain Raiser wird? Weil nichts los ist. Naja, fast nichts. Es ist, wie es meistens so ist mit der Fieberkurve der Dschungelpatienten: Wenn es erst einmal so richtig hitzig gekracht hat, dann müssen am Tag drauf erstmal alle durchatmen. Und Tränen vergießen, als käme Heulen morgen auf den Index. Dabei war gar nicht einmal der große Showdown zwischen Bomber Harris und Slaylena der entscheidende Funke, auch nicht die Eipocalypse des Jürgen M., sondern vielmehr der Abschied vom Vorsitzenden des Ältestenrats.

War der krankheitsbedingte Ausstieg Rolf Zachers an Tag 8 noch relativ lapidar verkündet worden, gab es nun die Bilder dazu. Und die waren doch einigermaßen schockierend. Wie der offenkundig leidende Zacher da, mit gelblichem Teint, zitterndem Mund und galoppierendem Puls, darbend auf der Liege lag - kein schöner Anblick. Aber RTL hat natürlich ein wachsames Auge auf so etwas und schickt den Mann zum Doktordarsteller. Dessen Diagnose ließ keinen Zweifel zu. Bob Control to Major Rolf: Das wird nix mehr.

So ging das denn seinen Gang. Im Zusammenschnitt der schönsten Zacher-Szenen hatte die Redaktion tatsächlich zwei gefunden, bei deren Anblick man denken konnte, der Mann hätte sich doch von allein bewegt. Was hatte man sich vom Grand Seigneur des Autorenkinos nicht alles versprochen. Am Ende blieb die Leere. Und es folgten die Tränen.

Beinah brach Jürgen zusammen

Jürgen etwa, von der Nummer mit den verlorenen Eiern immer noch nicht ganz genesen, brach nach dem letzten Salut beinah zusammen. Was sich dahinter verbarg? Familienmitglied mit fünf Buchstaben, erster ein V, endet mit -ter. Rufen Sie jetzt an, wir haben die Leitungen nur noch 60 Sekunden geöffnet. Richtig - um den Papa ging es. „Von konnte ich mich verabschieden. Von meinem Vater nicht. Ich hatte soviel Termine, ich hatte keine Zeit“, wimmerte Jürgen. Schinkenstraße statt Sterbebett. Das vergisst man nicht. „Ich hätte bei ihm sein müssen, als er starb“. Schnief. Kuschelkreis mit Thorsten und Jenny. Als wenn nicht alles schon schlimm genug ist.

Wasser auch in den Augen von Frau Elvers: „Ich werde seine Weisheiten vermissen“. Spätestens da hatte der Zuschauer dann auch Tränen im Gesicht, vor Lachen. Zach, die Bohne. Arrivederci, Rolf. Ach ja, der Hobby-Dadaist David machte ebenfalls den Abflug und monologisierte auf der Rückbank seines Taxis so zerschossen von Dschungel, Dschungel, Dschungel, reinen Bäumen und hochwertigen Brücken - jeder Taxifahrer zwischen Flensburg und Alt-Ötting hätte ihn an der nächsten Straßenecke rausgeschmissen. Stattdessen ging es zum Mampfen in die Pablo-Pablo-Bar. Ortega-Fazit zum Rauswurf als erster Bewohner: „Jetzt bin ich rückwärts Dschungelkönig“. Auch so ein Satz…zum Heulen schön.

"Ich muss es tun für meine Kinder"

Von rückwärts bekam man schließlich auch noch Thorsten Legat zu sehen. Im Gesicht mag der Mann immer mehr aussehen, als hätte ihm jemand Plutonium in den Bohnentopf gemischt, körperlich aber ist der Thorminator voll auf der Höhe. Nahm es in der Dschungelprüfung mit Schnappi und Schlamm und Platzangst auf und erspielte alle neun Sterne. Auch danach wurde wieder - Sie ahnen es - geheult. „Ich bin erleichtert, weil ich habe ein Abkommen mit meinen lieben Kindern. Die Wette ist, weil ich so ein Vater bin, der seinen Kindern alles abverlangt, haben sie mir natürlich auch die Wahl gestellt: Papa, wenn du in den Dschungel gehst, und machst deinen Traum wahr, musst du alle Sterne holen. So habe ich gesagt, ich muss es tun für meine Kinder!“ Nochmal schnief.

Nicht das letzte Mal, das geflennt wurde, das überließ man Herrn Harris. Nach dem größten Eklat seit der Pressekonferenz von Tic Tac Toe, flirtet die Popularitätskurve des rasenden Ricky sehr engagiert mit der Nulllinie. Würde am Sonntag gewählt werden, dieser Mann hätte keine Chance auf den Dschungelvorsitz. Bei der Schatzsuche „Gib‘ mir Tiernamen“ - einer Mischung aus Tier-Memory und Familienaufstellung - wurden den Bewohnern ihren Gegenstücke aus der Faunawelt zugeordnet. Menderes, das Lamm, Nathalie, das Faultier, Sophia, der Papagei…und Ricky: die Schlange. Schnappatmung im Dschungeltelefon, dazu Selbsterkenntnisse von existentiellen Ausmaßen: „Ich bin für die nicht mehr wichtig. Ich will keine Schlange sein.“

Wie egal Snakeman Ricky tatsächlich aber Thorsten, dem Gorilla, Jürgen, der Katze, Brigitte, dem (?) Hengst und den anderen ist, zeigte sich dann bei der Bananenverteilung. Während Ricky nämlich am Tränentelefon zusammenbrach, wurde nicht nur seine Lieblingsfrucht im Camp verteilt, sondern auch komplett aufgefuttert. Aber ach, hier, der Ricky. Ach Mensch, ganz vergessen. Die mag er doch so gern, die krummen Dinger. Shit happens in der Bananenrepublik. Ab dafür. Erst klaut ihm Vera int Veen die Leuchtreklame. Und jetzt kommt auch noch Onkel Tuca mit leeren Händen. Rickys Zähneknirschen dürfte bis ins Hotel Versace zu hören gewesen sein. Jenny Elvers dagegen werden derlei Ernährunganekdoten fortan weniger interessieren. Für das tapfere Knochenmädchen brechen jetzt wieder bessere Zeiten an. Sie wurde in die Freiheit entlassen. Stößchen!

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