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ESC 2020: Sieg für die Pullis, Deutschland in den Top Ten? Das wären die Favoriten für Rotterdam gewesen

Litauen, Island und Bulgarien haben den Eurovision Song Contest noch nie gewonnen. In diesem Jahr wären sie dem Sieg so nah wie nie gewesen - wenn der ESC nicht wegen Corona ausfallen würde. Auch Deutschland durfte wieder hoffen. Das wären die Favoriten für Rotterdam gewesen.

ESC-Favoriten aus Island

Lustig und gut: Die Band Daði og Gagnamagnið aus Island war einer der ESC-Favoriten 2020. Statt in Rotterdam werden sie am Samstagabend live in der Elbphilharmonie in Hamburg auftreten.

DPA

Elbphilharmonie statt Ahoy-Arena: Der Eurovision Song Contest in Rotterdam fällt wegen der Coronakrise aus. Stattdessen sendet die ARD am Samstagabend ein Ersatzprogramm aus Hamburg. Der Sender stellt die zehn Favoriten des Wettbewerbs vor, unter denen zumindest die deutschen Zuschauer abstimmen und einen Sieger küren dürfen.

Wer den ESC 2020 tatsächlich gewonnen hätte – wir werden es nie erfahren. Die Europäische Rundfunkunion als Veranstalter des Wettbewerbs hat entschieden, dass die Songs aus diesem Jahr in 2021 nicht nochmal antreten dürfen. Die Macher fanden die Vorstellung, in zwölf Monaten Songs aus dem Vorjahr zu präsentieren, abwegig. Für die Songwriter ist der ESC 2020 somit ein verlorenes Jahr. Ihre Arbeit war umsonst.

Litauen oder Island könnten sogar um ihren ersten Sieg in der ESC-Geschichte gebracht worden sein. Ihre Lieder galten als haushohe Favoriten. Ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern. Auch Deutschland rechnete sich nach dem Reinfall im vergangenen Jahr mit den Sisters ("Sorry Germany, zero Points") mit Ben Dolic und seinem Lied "Violent Thing" gute Chancen auf eine vordere Platzierung aus.

Das wären die Favoriten für den ESC in Rotterdam gewesen:

Island: Daði & Gagnamagnið - "Think About Things"

Lange Haare, türkisfarbene Pullis und seltsame Hüftwackler: Die Gruppe Daði & Gagnamagnið sieht aus, als käme sie direkt aus den 70er Jahren. Ihr Song "Think About Things" nimmt Retro-Anleihen, ist jedoch ein moderner Popsong. Der elektronische Beat bleibt sofort im Ohr hängen. Daði Freyr Pétursson ist nicht nur ein hervorragender Sänger, sondern auch ein augenzwinkernder Charmebolzen. Die Idee zu dem Lied lieferte seine kleine Tochter. Es geht in dem Song darum, dass er es gar nicht erwarten kann, mit ihr zu sprechen. Herzerwärmend, modern, tanzbar – präsentiert von einer einzigartigen Truppe: Das hätte der erste Sieg für Island werden können.

Litauen: The Roop – "On Fire"

Noch eine Nummer, die sofort in Erinnerung bleibt: "The Roop" aus Litauen vollbringen auf der Bühne eine Meisterleistung. Zum modernen Electrobeat ihres Songs "On Fire" vollführen sie einen Handtanz. Richtig gehört. Die Hand wandert mal auf, mal hinter, mal neben den Kopf. Ihre Choreografie ist minimalistisch, kommt ohne Technik-Schischi aus, und trotzdem beeindruckend gut. Wer hätte gedacht, dass eine Lupe zum Special-Effect-Werkzeug werden kann. Das Lied ist geprägt von einem rhythmischen Bass, der es fast zum Marsch werden lässt. Trotzdem ist es keine billige Discostampfnummer, sondern originell und erfrischend anders. Der ESC in Vilnius 2021 wäre auf jeden Fall möglich gewesen. Auch für Litauen wäre es der erste Sieg geworden.

Bulgarien: Victoria – "Tears Gettin Sober"

Wenn in diesem Jahr ein Lied die Bezeichnung Powerballade verdient hat, dann dieses: Victoria aus Bulgarien sorgt mit ihrem Song "Tears Gettin Sober" für Gänsehaut. Die 22-jährige Sängerin erinnert an Billie Eilish. Sie wirkt zerbrechlich, ist aber trotzdem kraftvoll. Das Lied entstand zusammen mit dem Songwriter Boris Milanov, der auch den deutschen Beitrag geschrieben hat, und könnte die Filmmusik zu einem neuen Disney-Klassiker sein. Unterlegt mit Streichmusik und dem Summen eines Backgroundchors verzaubert das Lied. Berührend schön. Bei den Buchmachern wurde Victoria auf Platz eins gewettet. Auch für Bulgarien wäre es der erste Sieg gewesen.

Schweiz: Gjon's Tears – "Répondez-moi"

Seinen Künstlernamen Gjon's Tears (Gjons Tränen) trägt Gjon Muharremaj nicht ohne Grund. Mit neun Jahren sang der 22-Jährige seinem Opa ein Lied von Elvis Presley vor. Der war so gerührt, dass ihm die Tränen kamen. Der stimmgewaltige Sänger mit albanischen Wurzeln hätte beim ESC 2020 die Ballade "Répondez-moi" gesungen. Auch sie appelliert mit Streichern und Chor ans Herz der Zuschauer. Doch Gjons Stimme ist eindeutig das Beste daran. Kraftvoll und doch warm. Viele Fans sahen in ihm einen Geheimfavoriten. Dem Lockenkopf bleibt ein Trost: Er darf auch 2021 die Schweiz vertreten, wenn auch nicht mit diesem Song.

Deutschland: Ben Dolic – "Violent Thing"

Erstmals seit Jahren hatte der NDR auf einen Vorentscheid verzichtet und den ESC-Beitrag 2020 in einem internen Auswahlverfahren entschieden. Das Ergebnis beeindruckte Fans und Journalisten: Ben Dolic, ein 22- Jähriger "The Voice"-Veteran, der in Slowenien geboren wurde und in der Schweiz aufwuchs, wäre der richtige gewesen, um in Rotterdam endlich wieder unter die Top Ten zu kommen. Sein Song "Violent Thing" ist eine moderne Disconummer, der nicht Kitsch und Trutschigkeit vergangener deutscher ESC-Beiträge anhaftet. Sein Lied macht Spaß, seine hohe Stimme hat Wiedererkennungswert. Sie klingt ein wenig nach Modern Talking und Thomas Anders in seinen besten Zeiten. Eine Bereicherung für den ESC 2020. Ob Dolic zum Trost auch 2021 antreten darf? Vielleicht wissen wir bereits am Samstagabend mehr.

Ersatzshows in ARD und auf ProSieben

Auch wenn das Finale des ESC am Samstagabend ausfällt: Shows gibt es trotzdem. Die ARD sendet ab 20.15 Uhr die Show "Eurovision Song Contest 2020 - das deutsche Finale live aus der Elbphilharmonie". Im Anschluss um 21.55 Uhr folgt die offizielle Ersatzshow "Europe Shine A Light" aus dem niederländischen Hilversum. ProSieben sendet ab 20.15 Uhr die Konkurrenzshow "Free European Song Contest" von Stefan Raab.