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Die Quoten des Jahres: Fußball regiert, der "Tatort" schwächelt - sechs Lehren aus dem TV-Jahr 2018

Die meistgesehenen Sendungen des Jahres waren Fußball-Übertragungen. Nur der "Tatort" konnte in der Liga einigermaßen mithalten. Sorgen müssen sich dagegen ARD und ZDF machen, die beim jungen Publikum kaum noch relevant sind. Sechs Lehren aus dem zurückliegenden Fernsehjahr.

Die Einschaltquoten 2018

Die WM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft sorgten für Rekordquoten. Da konnten nur die "Tatort"-Ermittler Thiel und Boerne mithalten.

1. König Fußball regiert unangefochten

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland war das Top-Ereignis dieses Jahres. Kein Wunder, dass die meistgesehenen Sendungen allesamt Übertragungen von Fußballspielen waren. Den Bestwert erzielte das zweite Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden: 27,48 Millionen Menschen sahen die an einem Samstagabend ausgetragene Partie, die durch ein spätes Tor von Toni Kroos zugunsten der "Mannschaft" entschieden wurde. Das entspricht einem rekordverdächtigen Marktanteil von 76,6  Prozent. 

Knapp dahinter kamen die beiden anderen deutschen Spiele: Die Auftaktniederlage gegen Mexiko verfolgten 25,97 Millionen Zuschauer, der Blamage gegen Südkorea wohnten immerhin 25,43 Millionen Menschen bei - obwohl die Partie arbeitnehmerunfreundlich am Nachmittag stattfand. Mit dem Finale der Weltmeisterschaft gab es sogar noch ein weiteres Spiel, das über 20 Millionen Zuschauer kam: Frankreichs Sieg über Kroatien verfolgten 21,32 Millionen.

2. Auch RTL profitiert vom Fußball-Hype - ein wenig

Andere Sendungen und Formate hatten es gegen die geballte Fußball-Macht schwer, zumal auch Halb- und Viertelfinals auch Werte jenseits der 14 Millionen kamen. Sogar RTL konnte ein wenig vom Fußball-Hype profitieren, die beiden Freundschaftsspiele gegen Peru und Russland waren mit 7,8 bzw. 7,39 Millionen Zuschauer die beim Gesamtpublikum erfolgreichsten Sendungen des zurückliegenden Jahres.

3. Der "Tatort" schwächelt

Einzig der "Tatort" schaffte es, gegen die Fußball-Übermacht einigermaßen zu bestehen. Erfolgreichster Sonntagskrimi war - mal wieder - ein Fall von Thiel und Boerne aus Münster. 12,16 Millionen Zuschauer sahen die Folge "Schlangengrube". Der Top-Wert bleibt jedoch deutlich unter der Rekordquote von 14,56 Millionen Zuschauern, die Jan Josef Liefers und Axel Prahl am 2. April 2017 mit dem Fall "Fangschuss" erreichten.

Insgesamt erlebte die Krimi-Reihe ein schwaches Jahr. Im Schnitt saßen am Sonntagabend lediglich 8,65 Millionen Menschen vor dem Bildschirm - so wenige wie seit 2011 nicht mehr. Wie groß der Absturz ist zeigt sich am Vergleich mit 2015: Vor drei Jahren hatte der Krimi noch durchschnittlich 9,5 Millionen Zuschauer - und damit eine knappe Million mehr.

4. ZDF ist der Jahressieger beim Gesamtpublikum

Klarer Quotensieger unter den TV-Stationen ist 2018 das ZDF. Der öffentlich-rechtliche Sender erreichte übers Jahr gesehen einen Marktanteil von 13,9 Prozent - und liegt damit deutlich vor der ARD, die auf eine durchschnittliche Quote von 11,5 Prozent kommt. Natürlich haben die grandiosen Werte der Fußball-WM geholfen. Das ZDF hatte aber auch in vielen anderen Bereichen ein überzeugendes Angebot vorzuweisen: Starke Abendshows wie zu Weihnachten "Die Helene Fischer Show", beliebte Samstagskrimis ("Helen Dorn", "Ein starkes Team" und der ewige "Wilsberg") und mit "Bares für Rares" einen Dauerbrenner im Nachmittagsprogramm. Die Prime-Time-Version brachte es sogar auf durchschnittlich 5,1 Millionen Zuschauer.

5. RTL bleibt beim jungen Publikum vorne

In der jungen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen bleibt hingegen RTL die klare Nummer eins. 11,4 Prozent Marktanteil reichten zwar für den souveränen Sieg in dem Segment vor ProSieben (9,5 Prozent), im Vergleich zum Vorjahr verlor der Kölner Privatsender jedoch 0,8 Prozent und fiel auf den schwächsten Wert seit Ende der 80er Jahre - ein dramatischer Einbruch. Zu den Programmhighlights zählt hier das Dschungelcamp. Die in der jungen Zielgruppe erfolgreichste Sendung des Jahres war mit 3,68 Millionen Zuschauern (6,72 Millionen im Gesamtpublikum) das Finale von "Ich bin ein Star". Das konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Format kriselt und weit von früheren Bestwerten entfernt ist.

6. ARD und ZDF sind bei jungen Zuschauern nicht mehr relevant

Die bittere Pille für die öffentlich-rechtlichen Sender: Obwohl ARD und ZDF mit der Übertragung der Fußball-WM auch bei jungen Zuschauern überproportional punkten konnte und dadurch im Sommer einen Quotenboost erhielten, spielen die beiden Kanäle in der Gesamtbetrachtung keine Rolle. Die ARD kommt bei den 14- bis 49-Jährigen nur noch an vierter Stelle - hinter RTL und ProSieben, sogar Sat.1 liegt mit deutlichem Abstand davor. Das ZDF rangiert sogar nur auf Platz 6 - knapp geschlagen von Vox. Es ist die logische Konsequenz einer seit Jahren anhaltenden Entwicklung, die auch in diesem Jahr nicht gestoppt werden konnte. Für 2019 müssen sich die Programmplaner etwas einfallen lassen. Denn ein Fußballturnier steht diesmal nicht an. 

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