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Episoden-Kritik: "Game of Thrones": Die Vergangenheit holt jeden ein

Die Serie "Game of Thrones" neigt sich dem Ende entgegen. In der fünften Episode kommt es zum Duell der Königinnen und einem langerwarteten Wiedersehen. Und es wird verdammt heiß. Vorsicht, Spoiler.

Finale Staffel: "Game of Thrones": Die fünfte Folge treibt die Spannung hoch

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen.

"Game of Thrones" war lange dafür bekannt, beständig eine hohe Qualität abzuliefern. Das änderte sich mit der finalen Staffel. Vor allem die in der vergangenen Woche ausgestrahlte vierte Episode ("Die letzten Starks") kam bei den Fans nicht besonders gut an. Den erfolgsverwöhnten Machern D.B. Weiss und David Benioff wurde plötzlich vorgeworfen, die erfolgreichste Serie der Welt auf den letzten Metern zu versauen.

Würde es mit der fünften Episode besser werden? Zumindest ein Name machte bereits im Vorfeld Lust auf mehr: Miguel Sapochnik führt zum zweiten Mal in der letzten Staffel Regie. Zuvor drehte er "Die lange Nacht", die zugegebenermaßen ziemlich dunkel, aber trotzdem optisch opulent geraten war. Zwar kann auch dieser Mann keine Wunder vollbringen, aber aus mittelmäßigen Drehbüchern zumindest bei der Inszenierung das Beste herausholen.

Jon Schnee, Tyrion und Davos sind gemeinsam mit den Unbefleckten vor Königsmund angekommen. Es wird sich zeigen, wie gut sich die dezimierten und erschöpften Truppen aus dem Norden gegen die Goldene Kompanie schlagen wird, sollte es zum Gefecht kommen.

Jon Schnee, Tyrion und Davos stehen mit den Unbefleckten vor Königsmund. Der Anfang vom Ende der Hauptstadt

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Das ist passiert:

Es lief zuletzt nicht gut für Daenerys: Erst verlor sie ihren zweiten Drachen, dann wurde ihre Beraterin Missandei hingerichtet. Jetzt ist die Drachenkönigin mit den Nerven am Ende. Sie isst nichts mehr, und dass es ihr wirklich schlecht gehen muss, zeigen ihre zerzausten Haare. Und dann wurde sie auch noch verraten! Ihr ist schnell klar, wer dahintersteckt, also fackelt sie nicht lange und fackelt Varys ab. Dravarys.

Jon ist währenddessen mit seinen Truppen in Rekordgeschwindigkeit – ach, das müssen wir nicht schon wieder ausdiskutieren – angekommen und bereit, für seine Königin in die Schlacht zu ziehen. Tyrion arbeitet an seinem (wohl letzten) Verrat zum Wohle von Westeros: Er befreit den mittlerweile in Gefangenschaft steckenden Jaime Lennister und bittet ihn, die Glocken von Königsmund zu läuten. Sobald dieses Geräusch ertönt, wird die Stadt aufgegeben, erklärt er Daenerys. Dann müsse kein Blut vergossen werden.

Doch die hat entweder so gut zugehört wie Euron während Tyrions Ausführungen über Cerseis ungeborenes Baby – nämlich gar nicht – oder ihr sind die Menschen von Königsmund herzlich egal. Auf jeden Fall sattelt sie ihren Drachen, stürzt aus den Wolken (gut, dass das Wetter mitspielt) und zerlegt erst Eurons gesamte Flotte, dann die Stadtmauer, schließlich die Goldene Kompanie. Warum die Ballisten plötzlich nicht mehr treffen und wahnsinnig träge sind? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall sind Cerseis Truppen geschlagen, bevor sie überhaupt losgelegt haben. Die überlebenden Soldaten ergeben sich, und für Jon ist die Sache damit beendet.

Doch Daenerys ist on fire. Und nun zeigt HBO, wohin all die Millionen in dieser Episode geflossen sind: Der Drache dreht Runde um Runde über die mittelalterlich anmutenden Stadt und speit, was der Drachenodem hergibt. Die ganze Stadt brennt nieder, Zigtausende Bewohner sterben. Jon scheint das zu missfallen, er würde sich lieber an die Genfer Konventionen halten. Doch er muss mit ansehen, wie seine Dany durchdreht.

Währenddessen trifft Euron auf Jaime, es kommt zum Duell der Cersei-Liebhaber. Jaime wird schwer verwundet, macht sich auf den Weg zu Cersei. Euron bleibt sterbend zurück und fabuliert: "Ich habe dich erwischt… Ich bin der Bezwinger von Jaime Lennister!"

Währenddessen sind der Bluthund und Arya auf dem Weg zu Cersei. Und nun kommt etwas mit dem man nicht rechnet: "Wenn du mir jetzt folgst, dann stirbst du hier", sagt der Hund zu Arya. Und die scheint sich seiner Worte anzunehmen: "Sandor, ich danke dir" - und bleibt tatsächlich zurück. Ihr wird klar, dass es Wichtigeres als ihre Tötungsliste gibt.

In der nächsten Szene zerfleischen sich die beiden Clegane-Brüder, vermutlich bezahlen beide mit ihrem Leben. Cersei trifft auf der Flucht Jaime, beide machen sich auf den Weg zum geheimen Ausgang in den Katakomben. Doch der ist der verschüttet. "Ich will, dass unser Baby lebt! Lass mich nicht sterben! Ich will noch nicht sterben! Nicht so", sagt sie. und Jaime beruhigt sie: "Nichts anderes spielt eine Rolle! Nur du und ich!" Beide umarmen sich, dann stürzt die Decke auf sie nieder. Bis zuletzt wartet man, dass er den Dolch zückt – vergebens. Cersei stirbt friedlich in Jaimes Armen.

In der Schlussszene ist Arya zu sehen, die in den Trümmern der Stadt steht. Plötzlich steht ein weißes Pferd vor ihr. Sie sattelt auf und reitet aus der brennenden Stadt.

Darauf haben Fans gewartet:

Endlich war es soweit: Die beiden verhassten Brüder Sandor und Gregor (beziehungsweise das, was von ihm übrig ist) Clegane standen sich Auge in Auge gegenüber. Und beide wollen nur eins: Den anderen zur Strecke bringen. Der Hund lässt dafür sogar Cersei passieren. Und das Bruder-Duell ist spektakulär: Der Zombie-Berg und der Bluthund kämpfen bis zum bitteren Ende, während um sie herum der Rote Bergfried einstürzt und der Drache Feuer speit. Klar, purer Fan-Service, aber top inszeniert.

Bester Satz der Folge:

"Wir brauchen nur einen guten Schuss", sagt Cersei mit bangen Blick auf den Drachen, der die ganze Stadt in Brand setzt. Dumm nur, dass bereits alle Ballisten zerstört sind. Erinnert uns ein wenig an "Der Untergang", als Hitler von Armeen fabuliert, die schon längst geschlagen sind.

Das eskalierte schnell:

"Was habe ich gesagt, was passieren wird? Dich lieben die Menschen, mich fürchten sie nur", sagt Daenerys zu ihrem Jon. Und der erwidert plump: "Ich liebe dich." Dann küssen sich beide. Es droht ins Kitschige abzudriften. Dann bricht Daenerys die Stimmung: "Dann soll die Angst regieren!"

Das war eine Lüge:

"Ich bin nicht hier, um die Königin der Asche zu sein", sagte Daenerys erst vor einigen Folgen. Wirklich nicht?

Das war ebenfalls eine Lüge:

"Du wirst überleben, wenn du mir folgst", sagt Arya, um eine Frau in Königsmund zu überreden, sich aus der Deckung zu wagen. Kurz darauf ist sie tot. Ruhe in Frieden, namenlose Bewohnerin.

Dieser Moment hat uns berührt:

Das Gespräch zwischen Tyrion und Jaime im Zelt. Hier gesteht Tyrion seinem älteren Bruder, dass er ohne dessen Unterstützung seine harte Jugend nicht überstanden hätte. Ein bewegender Moment, zumal man hier denkt, Jaime hätte noch einen Plan.

Was sollte das denn?

Stolz trat Harry Strickland, der Anführer der Goldenen Kompanie, den dothrakischen Kriegern entgegen. Doch bevor er auch nur ein Wort sagen oder das Schwert zücken konnte, war er schon tot. Damit ist die Goldene Kompanie nicht nur die überbezahlteste Armee von Westeros, Marc Rissmann hatte wohl auch die kürzeste Spielzeit eines Deutschen in "Game of Thrones".

Glücksmoment der Woche:

Als Euron Graufreud mit dem Schwert in der Brust am Strand liegen bleibt. Endlich haben diese spätpubertären Sprüche ein Ende. Dabei war die Romanvorlage so vielversprechend.

Enttäuschung der Woche:

Erinnern Sie sich noch an die Szene, als Jaime den jungen Bran aus dem Fenster stößt? Ja? Gut. Denn genauso gingen die Drehbuchautoren in der jüngsten Folge mit Jaimes Figur um. Über siebeneinhalb Jahre entwickelte sich kaum ein Charakter so sehr. Aus dem güldenen Jüngling wurde ein gebrochener Mann mit ergrautem Haar, der ständig versucht, seine inneren Dämonen loszuwerden. Der etwas Gutes tun wollte, um wenigstens etwas des Leids abzumildern, das er angerichtet hatte. Doch kurz vor Schluss brach er erst Brienne das Herz, dann verschenkte er die Möglichkeit, Cersei zu töten und so Tausende Unschuldige zu retten. Er starb eng umschlungen mit ihr in den Katakomben. Das mag realistisch sein, ist aber trotzdem würdelos.

Werden wir vermissen:

Arya und den Hund, wie sie gemeinsam durch Westeros ziehen. Doch alle guten Dinge haben nunmal ein Ende.

Mit wem wir nun Mitleid haben:

Mit all den Mädchen, deren Eltern ihr Kind Daenerys oder Khaleesi nannten. Und das sind gar nicht so wenige.