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WDR "entkrampft" beim Thema Gender Umstrittene Plasberg-Sendung ist wieder abrufbar


Die WDR will dem Vorwurf der Zensur entgegenwirken. Deshalb steht die umstrittene "Hart aber fair"-Sendung zum Thema Geschlechtergleichheit wieder in der Mediathek. Ruhe herrscht jetzt trotzdem nicht.

Es war eine Sendung ohne Sinn und mit ganz wenig Verstand, die seit März 2015 die Gemüter erhitzt, und die nun hoffentlich endlich im Versendungs-Nirvana verschwinden darf. Niemand hätte wohl damit gerechnet, dass das Egogepöbel zum Thema "Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn?" in Plasbergs "Hart aber fair"-Show Anfang März solch ausdauernde Kreise ziehen würde. Zu frustrierend war der Schlagabtausch ohne Wissensgewinn, den sich FDP-Mann Wolfgang Kubicki, Grünen-Politiker Anton Hofreiter, Feministin und Bloggerin Anne Wizorek, Antifeministin Birgit Kelle und Schauspielerin/ Model Sophia Thomalla da lieferten. Doch weit gefehlt.

Das Pöbeln wurde lang gezogen, als sei es die Strafe für alle, die zugesehen haben. Kritiker kritisierten, Sophia Thomalla schimpfte zurück, dann kamen besagte Frauenräte, was dazu führte, dass der Programmrat empfahl, die Sendung zu löschen. Und der WDR hat es getan. Knapp ein halbes Jahr nach Ausstrahlung. Kritiker brüllten Zensur, Sophia Thomalla schimpfte noch einmal. Und nun ist der Streit ums Apfelmännchen wieder da.

Es ist ein Krampf entstanden

"Die Sendung aus der Mediathek zu nehmen, war eine Entscheidung der Programmverantwortlichen, der eine lange, selbstkritische Diskussion der Sendung vorausging", zitiert der Branchendienst DWDL Fernsehdirektor Jörg Schönenborn. "Dass daraus der Vorwurf der Zensur und Selbstzensur abgeleitet würde oder der Eindruck, wir seien vor Lobbygruppen eingeknickt, hatte ich mir nicht vorstellen können." Weil es aber eben so kam, fügte er hinzu: "Die heftigen Reaktionen zeigen im Rückblick, dass die Entscheidung nicht richtig war. Die Unabhängigkeit unserer Arbeit ist für uns das höchste Gut. Auch wenn der Vorwurf der Zensur oder Selbstzensur absolut unangemessen ist: Schon wenn der Anschein entsteht, diese Unabhängigkeit sei beeinträchtigt, belastet das unsere Arbeit. Deshalb habe ich entschieden, dass die Sendung wieder in die Mediathek und auf die Homepage der Sendung gestellt wird."

WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich sagte, durch die Löschung sei ein "Krampf entstanden, den wir jetzt schnörkellos beseitigen wollen."

Allerdings: Damit das Pöbelrad sich weiter dreht, soll es allen Ernstes eine Neuauflage der Sendung zum gleichen Thema geben. Auch mit Gästen von damals.

sal

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