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Grimme-Preise nur für die Öffentlich-Rechtlichen: Keine TV-Qualität bei den Privaten?

Die öffentlich-rechtlichen Sender teilen die Beute unter sich, die Privaten gehen zum zweiten Mal in 20 Jahren leer aus. Die begehrten Grimme-Fernsehpreise sind in diesem Jahr eine einseitige Sache.

Durchmarsch für die öffentlich-rechtlichen Fernsehproduktionen: Bei der diesjährigen Vergabe der Grimme-Preise sind die privaten Fernsehsender leer ausgegangen, die Öffentlich-Rechtlichen räumten sämtliche Auszeichnungen ab. Dies komme erst zum zweiten Mal in 20 Jahren vor, sagte Grimme-Preis-Organisator Ulrich Spies am Mittwoch in Düsseldorf. "Die Öffentlich-Rechtlichen haben andere Möglichkeiten beim Budget", erklärte der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann. "Eine gewisse Aufgabenteilung ist hier sichtbar."

Seinen neunten Grimme-Preis darf Regisseur Dominik Graf für sein Mafia-Epos "Im Angesicht des Verbrechens" in Empfang nehmen. Die Jury kritisierte allerdings, dass der Zehnteiler (WDR/arte/Degeto/ BR/SWR/NDR/ORF) einen besseren Sendeplatz als am Freitagabend gegen 22.00 Uhr verdient gehabt hätte.

Auch andere große Namen wie Doris Dörrie und Götz George heimsten zum wiederholten Mal die begehrte Trophäe für TV-Qualität ein. "Es gibt eine Kontinuität in der Spitzenleistung", sagte Kammann.

Ausgezeichnet wurde auch die Verfilmung von Sven Regeners Roman "Neue Vahr Süd" mit Hauptdarsteller Frederick Lau als Wehrpflichtigem wider Willen. Weitere Sieger in der Kategorie "Fiktion": "In aller Stille" und derTatort "Nie wieder frei sein" - beides vom Bayerischen Rundfunk. Außerdem gewann Aelrun Goettes Sozialdrama "Keine Angst" (WDR) über eine Kölner Hartz-IV-Familie.

In der Kategorie "Information & Kultur" war nach dem Doppelerfolg der Privaten im Vorjahr für die Öffentlich-Rechtlichen die Welt wieder in Ordnung: Der NDR konnte mit "Aghet - Ein Völkermord" über das Schicksal der Armenier in der Türkei überzeugen. "Iran Elections 2009" (WDR/Arte) beschreibt mit Hilfe von Comic-Animationen die Niederschlagung der Demokratiebewegung im Iran.

Mit einem Grimme-Preis versehen wird auch die Produktion "Anwälte - eine deutsche Geschichte" (WDR/NDR/rbb/Arte) über die einstigen Weggefährten Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Ebenso erfolgreich "DDR ahoi" (MDR/NDR) über die fast vergessene Geschichte der DDR als Seefahrernation.

Für seinen Mut mit dem Grimme-Preis belohnt wurde in der Kategorie "Information" der rbb mit seinen Kurzepisoden "20 x Brandenburg", die, gesendet zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr, auch überdurchschnittliche Zuschauerquoten erzielten. Jury-Mitglied Ingrid Schöller appellierte an die Programm-Verantwortlichen: "Wir wünschen uns, dass das Fernsehen mutig bleibt und gute Dokumentationen nicht immer nur nach hinten packt. Man kann das Publikum auch entwöhnen."

In der Kategorie "Unterhaltung" siegte erstmals Kurt Krömer mit seiner "Internationalen Show". Er war bereits das sechste Mal nominiert. Außerdem gewann Doris Dörries erste TV-Produktion "Klimawechsel" (ZDF) - eine sechsteilige Serie über vier Frauen in den Wechseljahren.

Den Sonderpreis Kultur des Landes NRW bekam der Kinderkanal mit seiner "Schnitzeljagd im heiligen Land", den Publikumspreis der Marler Gruppe erhält "Zivilcourage" (WDR) mit Götz George.

Die Gala mit der Übergabe der 47. Grimme-Preise 2011 findet am 1. April im Stadttheater von Marl statt. Dann wird auch Thomas Gottschalk dabei sein, dem der Grimme-Preis für sein Lebenswerk zugesprochen worden war. Der Grimme-Preis wird seit 1964 jährlich an qualitativ herausragende Fernsehproduktionen verliehen. Das Grimme-Institut mit Sitz in Marl ist das Medieninstitut des Deutschen Volkshochschul-Verbandes.

Frank Christiansen, DPA / DPA