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"heute-Show" Nach dieser Wahl sollten wir nicht auch noch so schlechte Witze ertragen müssen

"heute-show": Moderator Oliver Welke im Studio.
"heute-show": Moderator Oliver Welke im Studio
© ZDF/Julia Feldhagen
Da ist der Wahlkampf endlich vorbei, aber der "heute-Show" fällt nichts anderes ein, als genau da anzusetzen. Da kann man fast froh sein, dass bei der Wahl in Berlin ein Skandal den nächsten jagte.
von Andrea Zschocher

Die erste "heute-Show" - Sendung nach der Bundestagswahl beschäftigte sich mit… ok, das war jetzt zu einfach. Natürlich ging es ausschließlich um Armin Laschet, Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Christian Lindner und all die anderen Gesichter, derer die meisten von uns in den letzten Wochen leicht überdrüssig geworden sein dürften. Dabei sind es natürlich auch genau die, die uns auch in der nächsten Zeit nicht nur in der "heute Show" begleiten werden. Während Moderator Oliver Welke Armin Laschet für seine Idee, das schlechte Wahlergebnis als Regierungsauftrag umzudeuten "Realitätsverlust" unterstellte, lobte er Olaf Scholz als besten "Merkelimitator". Schon klar, wir alle haben verstanden, dass die beiden großen Volksparteien da kein überzeugendes Wahlergebnis abgeliefert haben, da sollte eigentlich niemand auch noch so unlustige Witze darüber ertragen müssen.

Und täglich grüßt Angela Merkel

Die Union sollte, fanden Welke und sein Team, mal "durchschnaufen und chillen", in der Opposition die eigene Mitte und wieder mehr zueinander finden. Klingt eigentlich auch nach einem guten Plan für alle Wählenden, denn viel bleibt ja ohnehin nicht zu tun, bis nicht alle, die für sich irgendeine Rolle in der Regierung sehen, miteinander gesprochen haben. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Das kann dauern. Freuen wir uns also schon auf eine weitere Neujahrsansprache von Angela Merkel, denn Eine muss den Job ja machen, bis die neue Regierung steht.

Albrecht Schubert, besser bekannt als "heute-Show" Sidekick Albrecht von Humboldt wagte die Vorhersage, welche Regierung es am Ende eines sehr langen Gesprächsprozesses wohl geben wird. Es ist…. Die GroKo 4. Die "wollte die letzten drei Male auch keiner, kommt aber wieder". Allerdings wird Olaf Scholz laut dieser Prognose nach drei Monaten vom Amt des Bundeskanzlers enthoben, weil die Cum Ex- Ermittlungen ihn einholen und der neue Kanzler wird "Alpha Kevin", Kevin Kühnert.

Die Ampel wird laut "heute-Show" scheitern, genauso wie Jamaika. Gerade das Bündnis aus Grünen, FDP und CDU ist bei den Wählenden laut Umfragen besonders unbeliebt, weswegen die heute Show sich für "nomaika" stark macht. Immerhin, "nomaika, no cry". Dass keiner heult ist vielleicht ein etwas niederer Beweggrund eine Regierungskonstellation nicht einzugehen, aber immerhin, die Zeichen stehen auf Ampel.

Die Kleinen sind am Drücker

Eine "Revolution" sei das, dass die "Kleinen am Drücker" sind, fand Oliver Welke. Und sprach, ganz unlustig aus, was viele denken: Natürlich wäre man gern dabei wenn Grün und Gelb miteinander sprechen. Wie viele vorher fest geglaubte Grenzen werden wohl eingerissen, weil der Wille zum Regieren doch so groß ist, dass am Ende manches als guter Kompromiss verkauft wird, was vor der Wahl noch ausgeschlossen wurde? Robert Habeck scheint sich auf jeden Fall schon neue Floskel für diesen Fall zurecht gelegt zu haben, er spricht in letzter Zeit gern von Dübeln und Schrauben, die passend eingedreht werden müssen und Beziehungsproblemen, bei denen man kulant sein sollte. In die Kerbe zielt auf jeden Fall die Meldung, dass Robert Habeck statt Annalena Baerbock Vizekanzler werden soll. In gewohnt chauvinistischer Art verwies Welke darauf, dass das Amt sowieso unwichtig sei, immerhin war auch Phillip Rösler mal Vizekanzler. Was macht der eigentlich heute?

Die Jugend: Liberal statt grün?

Billiger als dieser Gag war dann nur das Verhohnepipeln über die vielen Erstwählenden, die ihr Kreuz bei der FDP gemacht haben. Es gäbe, so Welke, eben nicht nur die "Fridays for Future" Bewegung, die sei nur einfach ständig präsent. Aber die Jugend stünde wohl mehr auf die "dornigen Chancen", die die FDP dem Land bietet. Könnte man mal drüber sprechen, so in aller Ernsthaftigkeit. Aber komm, schien die "heute- Show" Redaktion gedacht zu haben, so ein Witz über die Jugend im rosa Polohemd mit aufgestelltem Kragen, Porschewerbung und Taxifahrten zur Schule ist einfach zu billig, um ihn nicht zu machen. Und irgendwie muss diese Sendung ja auch gefüllt werden, denn wenn wir ehrlich sind: Besonders viel passiert in diesen Tagen politisch betrachtet in Deutschland einfach nicht.

Zum Glück für die "heute-Show" ist auf Berlin Verlass

Da kann die "heute-Show" fast froh sein, dass bei der Wahl in Berlin ein Skandal den nächsten jagte. Das "Venezuela an der Spree", wie Martina Hill als grandiose Tina Hausten die Hauptstadt nannte, sei einfach peinlich. "Völker der Welt, lacht über diese Stadt", rief sie alle auf und wäre die Pleiten, Pech und Pannen-Serie in Berlin nicht so desaströs für die deutsche Demokratie, man könnte fast lachen. So aber bleibt nur die Hoffnung, dass Dietmar Wischmeyer mit seiner Analyse über "Menschen im Abseits" Recht behält. Er glaubte nämlich, dass die deutschen Wähler "sehr viel schlauer sind als man denkt". Denn dann könnten Hubert Aiwanger, Hans-Georg Maaßen und Philipp Amthor, also die Menschen, die eindeutig auch zu oft Teil der "heute-Show" sind, mit aufspringen auf den (Martin)"Schulz-Zug nach irgendwo", in dem, laut Wischmeyer, bereits Armin Laschet sitzt.


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