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"Joko und Klaas Live" Besser waren Joko und Klaas nie – Duo zeigt erschütternde Bilder aus Moria

Joko und Klaas
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf stimmen die Zuschauer mit ernsthafter Miene darauf ein, welche Bilder gleich folgen werden.
© ProSieben
Auf ein bisschen Quatsch hatten sich die Zuschauer eingestellt. Doch stattdessen zeigten Joko und Klaas in ihren 15 Minuten gewonnener Sendezeit am Mittwochabend Bilder aus Moria. Ein aufrüttelndes Stück Fernsehen.

"Hoffen wir das Beste", blendet ProSieben ein, bevor am Mittwochabend erneut Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf das Programm auf dem Sender übernehmen. Nachdem sie am Abend zuvor ihre Show "Joko und Klaas gegen ProSieben" gewonnen hatten, erhalten die Showveteranen 15 Minuten Sendezeit geschenkt. Doch statt für Satire und Comedy nutzen sie diese für eine eindrucksvolle und beklemmende Dokumentation über die Zustände auf der griechischen Insel Lesbos.

"Unsere gestrige Show wurde bereits vor einem Monat aufgezeichnet", erklärt Heufer-Umlauf den Zuschauern. Danach sei die Idee entstanden, die gewonnene Sendezeit dafür zu nutzen, auf die vergessenen Schicksale im Geflüchtetenlager Moria auf Lesbos aufmerksam zu machen. Doch seit dem Brand dort sei fehlende mediale Aufmerksamkeit nicht mehr das Problem. Die schrecklichen und unwürdigen Zustände hätten sich trotzdem noch weiter verschlechtert. "Wir wissen, dass die Lage sehr kompliziert ist. Wir wissen auch, dass es keine einfache Lösung gibt", sagt Winterscheidt. "Aber egal, wen man wählt oder wie man über die Flüchtlingskrise denkt: Wir wollen, dass zukünftig jeder weiß, welche Zustände mitten in Europa existieren. Nur zwei Flugstunden entfernt, wo Deutsche Urlaub machen."

Joko und Klaas warnen vor verstörenden Szenen

Dann zeigen Joko und Klaas einen dokumentarischen Film über Moria, der "am Rande des Erträglichen" sei. Er solle auf keinen Fall mit Kindern geschaut werden, warnen sie. Im Mittelpunkt steht der 21-jährige Milad aus Afghanistan, der per Videoaufzeichnung sein Geflüchtetenschicksal erzählt. "Es war der größte Fehler meines Lebens, auf diese Insel gekommen zu sein", sagt Milad rückblickend. Er habe von "Gleichberechtigung und Freiheit" in Europa geträumt, doch was er in Moria erlebe, habe ihn gebrochen.

Es folgen verstörende Bilder. Gezeigt wird die Situation auf einem Flüchtlingsboot. Männer, Frauen und Kinder sitzen dicht gedrängt darin. Sie seien glücklich gewesen, griechisches Land zu erreichen, erklärt Milad. Doch dann sei die griechische Küstenwache gekommen, habe den Motor zerstört und das Boot zurück aufs Wasser gezogen, erzählt der junge Mann.

Szenenwechsel. Das Camp in Moria. Beim dritten Versuch sei er in Griechenland angekommen, erklärt Milad. "Wir waren enttäuscht", sagt er. Es habe kein fließendes Wasser gegeben und die hygienischen Zustände seien unhaltbar gewesen. 18.000 bis 19.000 Menschen seien auf engstem Raum in primitiven Holzhütten untergebracht. Dann, am 9. September, sei das Feuer ausgebrochen.

"Ich war wach, als das Feuer ausbrach", sagt Milad. Die Zuschauer sehen, wie Einsatzkräfte Tränengasraketen auf die vorm Feuer flüchtenden Menschen abschießen, darunter Kinder. Wer die Videoaufnahmen gemacht hat, ob sie von Milad stammen, ist unklar. Doch sie zeigen schreckliche und unmenschliche Szenen. Auch in den Tagen danach kommt es offenbar immer wieder zu Gewalt gegen die Geflüchteten. Wir sehen mehrere durch Tränengas verletzte und schreiende Kinder, schlafende Menschen im Freien, Chaos.

Milad appelliert an die Zuschauer: "Wenn mir Europa zuhören würde, würde ich nur sagen, dass alle Geflüchteten auf dieser Insel eine Lösung brauchen. Wir brauchen eine Lösung für diese Bedingungen hier und das Leid und den Schmerz der Menschen", sagt der junge Mann direkt in die Kamera. "Kümmert euch um dieses Chaos."

Dann wird der Bildschirm schwarz. Joko und Klaas werden nicht nochmal eingeblendet. Stattdessen folgt zu dramatischer Streichmusik die Frage: "Ist das Europa?" und der Hinweis auf die Geflüchtetenorganisation leavenoonebehind2020.

Lob und Kritik auf Twitter

Es sind schockierende Bilder, die die Zuschauer zu sehen bekommen haben. Aufrüttelnd und berührend. Auf Twitter danken viele den beiden Spaßmachern Joko und Klaas. Andere kritisieren, dass die dokumentarischen Bilder bewusst auf die Tränendrüse drückten, auch durch die Unterlegung mit dramatischer Musik.

War diese Beitrag objektiv? Sicher nicht. Doch das sollte er auch nicht sein. Er hat die Lage aus der Sicht der Geflüchteten gezeigt. Ohne viele eigene Worte haben Joko und Klaas auf das Leid tausender Menschen in Europa aufmerksam gemacht und ihnen eine Stimme gegeben. "Hoffen wir das Beste", hatte Prosieben vor der Sendung eingeblendet. Joko und Klaas haben am Mittwochabend Haltung gezeigt. Besser waren sie nie.


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