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Kritik an Datenbrille: Die Simpsons parodieren Google Glass

Die Simpsons sind bekannt für ihre zahlreichen Anspielungen auf Prominente und Trends. In der aktuellen Episode setzt sich die Zeichentrickfamilie humorvoll mit Googles Datenbrille Glass auseinander.

Von Christoph Fröhlich

Mit Apple konnten sich die Simpsons nie so recht anfreunden: Als Lisa vor fünf Jahren durchs Springfielder Einkaufszentrum schlenderte, entdeckte sie plötzlich einen glasförmigen Kubus mit einem beidseitig angebissenen Apfel als Logo. Dort bekam sie von Fernsehclown Krusty einen MyPod der Firma Mapple geschenkt - und konnte fortan nicht mehr aufhören, sich Songs und Videos aus MyTunes herunterzuladen. Bart machte sich derweil während einer Präsentation von Firmengründer Steve Mobs über die Käufer der schicken Gadgets lustig, die 500 Dollar für ein Produkt ausgeben, das für gerade einmal acht Dollar hergestellt wurde. Auch Homer verfiel drei Jahre später dem neu vorgestellten MyPad-Tablet, das ihn viel Zeit und später ebenso viele Tränen kostete.

Scherzhafte Kritik an Google Glass

Nun teilen die Simpsons-Macher gegen Google aus: In der am Sonntag in den USA ausgestrahlten Episode "Specs and the City" machen sie sich über die Datenbrille Google Glass lustig. Alles beginnt damit, dass Mr. Burns, Homers Chef und fieser Atomkraftwerkbesitzer, seinen Angestellten zu Weihnachten eine smarte Brille namens "Oogle Googles" schenkt. Nicht aus Barmherzigkeit, sondern um seine Angestellten heimlich überwachen zu können und nach Dieben Ausschau zu halten, die Büromaterial mitgehen lassen.

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"Endlich bin ich kein Sklave mehr meiner dummen, menschlichen Augen", frohlockt Homers Arbeitskollege Lenny Leonard, als er seine Oogle Googles überstreift. Auch Homer ist zunächst begeistert von der Datenbrille: Er trägt sie im Auto, in den eigenen vier Wänden, sogar im Ehebett. Mit der Brille kann sich Homer Informationen über Menschen und Gegenstände in seinem Sichtfeld anzeigen lassen. Damit ist die Comic-Variante der echten Datenbrille überlegen, denn Google hat in seinem High-Tech-Gadget die Gesichtserkennung aus Datenschutzgründen deaktiviert.

Ernsthafte Fragen hinter plattem Humor

Die Oogle Googles verändern Homers Alltag: Als er die Brille im Vorgarten aufsetzt und sein Haus und das seines Nachbarn Flanders anschaut, bekommt er den Wert der beiden Immobilien angezeigt. Das Haus der Simpsons liegt bei 50.000 Dollar, das des spießigen Nachbarn bei 189.000 Dollar. Homers Reaktion kommt nicht unerwartet: D'Oh ("Nein!").

Auch sonst läuft nicht alles glatt: Als Homer im Bett liegt, starrt er auf seine Brillengläser und kichert: "Ich schaue mir Videos von Idioten an, die diese Brille tragen und nicht auf ihre Umwelt achten." Dann greift er statt seines Sandwiches einen Wecker und beißt herzhaft hinein. Im Fast-Food-Tempel Krusty Burger bekommt er mehr zu sehen, als ihm lieb sein kann und kurz darauf findet er sogar heraus, dass Marge regelmäßig einen Eheberater aufsucht.

Hinter dem teils recht platten Humor stehen größere Fragen: Welche Informationen teilt man mit seiner Umwelt, welche bleiben lieber privat? Was sind die Folgen der Sharing-Mentalität? Gibt es in einer hochtechnisierten Welt noch Privatsphäre? Und was passiert, wenn alle Menschen mit einem Fingertipp sämtliche Informationen vor ihren Augen angezeigt bekommen? Homer gibt während einer Autofahrt die Antwort darauf: Als er die Brille abnimmt, während er die Familie durch die Stadt kutschiert, erschreckt er sich mit einem lauten Schrei vor der Realität.