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Erste Folge der Netflix-Doku Meghan und Harry erzählen ihr Märchen – doch ein paar Seitenhiebe gegen König Charles III. können sie sich nicht verkneifen

Netflix-Doku über Harry und Meghan
In "Harry & Meghan" (Netflix) zeigt das Paar private Fotos
© Netflix
In der ersten Folge ihrer lang ersehnten Netflix-Doku erinnern sich Prinz Harry und Herzogin Meghan an die Zeit ihres Kennenlernens. Doch während der große Knall (noch) ausbleibt, gibt es die ersten Seitenhiebe. 

Eine Amerikanerin lernt einen britischen Prinzen kennen, die beiden verlieben sich schnell, doch die königliche Familie sowie die Öffentlichkeit stellen sich als Hindernisgeber heraus. Nach der Traumhochzeit entscheidet sich das Paar für die Freiheit. Was klingt wie ein mittelmäßiger Netflix-Weihnachtsfilm, ist die Geschichte von Prinz Harry und Herzogin Meghan.

Für Netflix dürfte es dem Jackpot gleichen, die wahre Geschichte zeigen zu dürfen statt mit einer Eigenproduktion samt abgehalfteter Hollywood-Stars auf Klickfang zu gehen. Kaum eine Doku dürfte in diesem Jahr mit so viel Spannung erwartet worden sein wie die über Prinz Harry und Herzogin Meghan, früher Meghan Markle. 

Netflix-Doku über Prinz Harry und Herzogin Meghan

Doch wer erwartet hat, Harry und Meghan würden gleich ab der ersten Minute die Handgranaten in Richtung Royal Family werfen, der dürfte enttäuscht sein. Denn die beiden Aussteiger fangen chronologisch an und erzählen erstmal ihre Liebesgeschichte. Wie sie sich im Juli 2016 das erste Mal in London trafen und direkt voneinander angetan waren, obwohl das erste Kennenlernen nur eine Stunde dauerte. Nach nur zwei kurzen Treffen lud Harry Meghan auf seine Reise nach Botswana ein. Dort übernachteten die zwei in einem Zelt, ab von jeder Zivilisation und ohne Handyempfang. "Ich beschütze dich, versprochen", soll "H", wie Meghan ihn nennt, ihr gesagt haben. Wie gesagt: Es klingt alles nach einem schmalzigen Hollywood-Film.

Neben gemeinsamen Interview-Momenten sieht man in der Doku Meghan, die mit Tochter Lilibet vor die Brust geschnallt die Hühner im Garten füttert. Oder Meghan, die die "Babys" endlich ins Bett gebracht hat und anschließend Rosen pflückt. Die Doku zeigt außerdem, wie die Herzogin vor einem Bild von Prinzessin Diana steht und die kleine Babyhand von Lilibet das Bild anfasst. "Hi Grandma", sagt Meghan im Singsang. 

Das Märchen bekommt Risse

Vier Jahre, eine Verlobung, die Hochzeit und die Geburt von Sohn Archie später wurde aus der Liebesgeschichte ein globales Phänomen, das seine ganz eigenen Kratzer bekam. Zugefügt von außen, vor allem der britischen Presse, wie Prinz Harry selbst erklärt. Im März 2020 vollzogen die beiden ihren offiziellen Rücktritt von den royalen Aufgaben und verabschiedeten sich endgültig von Großbritannien. 

Mit Selfie-Videos dokumentierten sie damals selbst ihre Eindrücke, nachdem ein Freund ihnen geraten hatte, das zu tun. Ein weiterer Jackpot für den Streamingdienst Netflix, der die bislang ungesehenen Aufnahmen zeigt. Doch die Clips könnten Wasser auf die Mühlen derer sein, die hinter Meghans und Harrys Austritt aus dem royalen Zirkus Kalkül witterten. Es wirkt ein wenig, als sei ihnen bereits im März 2020 klar gewesen, dass sie die Bilder irgendwann für ihre eigene Erzählung nutzen würden. 

Stichelei gegen König Charles III. 

Nach der einstündigen ersten Folge ihrer Doku weiß man als Zuschauer: Da kommt noch mehr. Denn obwohl "H" und "M" ihre Liebesgeschichte mit den sanftesten nur möglichen Tönen erzählen, können sie sich einige Seitenhiebe nicht verkneifen. "Für so viele in der Familie, und vor allem für die Männer, kann es eine große Versuchung, oder ein Drang sein, jemanden zu heiraten, der einer Idealform entspricht, anstatt jemanden, für den man bestimmt ist", erklärt Harry.

Man muss kein ausgewiesener Royal-Experte sein, um zu wissen, dass der Herzog von Sussex hier über seinen eigenen Vater spricht, König Charles III.. Statt seiner eigentlichen Liebe, Camilla Parker-Bowles, heiratete Charles Prinzessin Diana, weil sie besser in die Rolle der Prinzessin von Wales passte. Doch ebenfalls möglich ist, dass Harry mit seiner Aussage auch auf Bruder William anspielt. Dessen Ehefrau, Catherine, die aktuelle Prinzessin von Wales, hat sich perfekt in ihre Rolle als Ehefrau des Thronfolgers eingefunden. 

Nicht der einzige Seitenhieb des Aussteiger-Paares. Prinz Harry erinnert sich auch an die traumatisch Zeit nach dem Tod seiner Mutter, Prinzessin Diana. Er sei verfolgt worden von Fotografen, genau wie seine Mutter zu Lebzeiten, doch habe er kaum Unterstützung oder Hilfe von seinem Umfeld bekommen, um mit seiner Trauer umzugehen. Über seine mentalen Probleme hat der Ex-Royal bereits mit Oprah Winfrey gesprochen und schon in der Vergangenheit verraten, dass er damit allein dastand. 

Erste Episode offenbart wenig Neues

Ein Punkt, der besonders Harrys Bruder William nicht gefallen dürfte: Netflix, Meghan und Harry haben sich dazu entschieden, Szenen aus Prinzessin Dianas umstrittenem "Panorama"-Interview zu zeigen. Dem Stück historischer TV-Geschichte, das nur deshalb zustande kam, weil Journalist Martin Bashir die Prinzessin hinters Licht führte. Erst vor wenigen Monaten verkündete Prinz William, er wolle das Interview niemals wieder ausgestrahlt sehen. Seinem Bruder geht es offenbar anders. 

Wer sich in der Vergangenheit auch nur ein wenig mit der Geschichte von Harry und Meghan sowie der Royal Family befasst hat, dürfte in der ersten Folge der Netflix-Doku nicht viel Neues erfahren haben. Doch sie bestimmt den Ton vom Rest der Doku. Auf der einen Seite stehen Harry und Meghan, auf der anderen Seite die Royal Family. Und dazwischen der große Übeltäter, der die beiden Parteien immer voneinander trennen wird: die britische Presse. 

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