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Neue Castingshow "X Factor": Jetzt sucht Vox den Superstar

"DSDS", "Das Supertalent", "Popstars" - im Fernsehen wird gecastet, was das Zeug hält. Jetzt kommt auch noch Vox mit "X Factor" um die Ecke. Braucht das Land wirklich noch eine neue Talentshow? Acht Antworten.

Von Carsten Heidböhmer

Nachdem inzwischen fast jeder deutsche Fernsehender seine Castingshow besitzt, geht nun auch Vox mit einer eigenen Talentshow an den Start: "X Factor" macht sich auf die Suche nach Gesangstalenten, die Starpotenzial besitzen und eine erfolgreiche Karriere aufbauen können. Im Prinzip geschieht hier also auch nichts anderes als bei "Deutschland sucht den Superstar", "Popstars" oder "Das Supertalent" - sieht man davon ab, dass furzende Hunde hier ausgeschlossen sind. Acht Antworten zu dem neuen Format, das am Freitagabend, 20. August, auf RTL gestartet ist.

Wer hat's erfunden?


Das Castingformat "X Factor" stammt aus Großbritannien. Dort suchte man einen Star mit "Faktor X", also dem "gewissen Etwas". Daher der Name der Sendung. Erfunden hat sie der Musik- und TV-Produzent Simon Cowell. Der war zuvor Jury-Mitglied bei "Pop Idol", der Mutter aller Castingshows, die in Deutschland unter dem Namen "Deutschland sucht den Superstar" ("DSDS") läuft. Seit ihrer Erstaufführung in England wurde "X Factor" in 18 Länder - jetzt ist sie also auch in Deutschland zu sehen.

Wer sitzt in der Jury?

Alle drei Jurymitglieder verfügen über einschlägige Erfahrungen im Musikbusiness: Popsängerin Sarah Connor, Jazztrompeter Till Brönner und der Produzent und Labelgründer George Glueck, der bereits mit Rio Reiser, den Humpe-Schwestern, Tic Tac Toe oder Falco zusammenarbeitete. Moderiert wird die Sendung von Jochen Schropp.

Warum noch eine weitere Castingshow?


Eine gute Frage, die sich die Jurymitglieder auch gestellt haben. Natürlich sind sie zu dem Schluss gekommen, dass diese Show ganz anders ist als die anderen, dass es hier ernsthaft darum geht, Künstler zu entdecken und zu fördern. Nun ja, wir werden sehen. Der größte Teil der Sendung dürfte ablaufen wie bei den bereits bekannten Castingformaten: Man sieht unbegabte Bewerber, die sich blamieren. Hoffnungsvolle Talente, die das Publikum rühren. Und es werden wohl wieder jede Menge neoliberaler Parolen geklopft à la: "Du musst an dich glauben, sonst schaffst du es nicht", oder: "Wenn du nicht bereit bist, 120 Prozent zu geben, wirst du im Showbiz keinen Erfolg haben". Dass ein wirklich anderer Stil Einzug hält, scheint ausgeschlossen. Till Brönners größte Bedenken galten jedenfalls nicht einer anständigen Behandlung der Kandidaten. Im stern-Interview sagte er: "Mir war klar: Ich mache das nur, wenn vor mir nicht verlangt wird, eine Person zu spielen, die ich nicht bin."

Worum geht es?


Gesucht werden Gesangstalente mit Starpotenzial. Es gibt drei Kategorien: SolosängerInnen von 16 bis 24 Jahren, SolosängerInnen ab 25 Jahren und Duos oder Gesangsgruppen ab 16 Jahren. Die drei Jury-Mitglieder werden die jungen Talente nicht nur bewerten, sondern - und das ist der Unterschied zu Castingshows wie "DSDS" - je eine Kategorie auch als Mentor betreuen. In der Schlussphase treffen die Besten aus jeder Gruppe aufeinander. Die Mentoren schicken ihre drei Favoriten in die Finalshows. Dort entscheiden die Zuschauer per Telefonvoting, wer weiter dabei sein darf. Jede Woche fliegt ein Kandidat raus, bis am Schluss ein Sieger feststeht. Der bekommt den üblichen Plattenvertrag bei einem großen Musiklabel.

Was spricht gegen die Show?

Sarah Connor. Wer nicht einmal die Nationalhymne fehlerfrei singen kann, ist als Mentorin junger Talente wenig geeignet. Außerdem: Wer kann die Delmenhorsterin nach ihren peinlichen Homestorys mit ihrem Ex-Mann Marc Terenzi noch ernst nehmen? Da besäße Lothar Matthäus als Trainer der Fußballnationalmannschaft mehr Autorität.

Was spricht für die Show?


Die Teilnahme von Till Brönner könnte ein Hinweis darauf sein, dass es Vox mit der Talentsuche ernst meint und es bei der Sendung nicht nur darum geht, Teilnehmer vor Millionenpublikum herunterzumachen. Immerhin ist Brönner als Professor an der Musikhochschule Carl Maria von Weber in Dresden berufsmäßig damit vertraut, Talente zu fördern. Ihm geht es nach eigenen Worten darum, dass das Publikum mitbekommt, "wie wichtig die permanente Arbeit im stillen Kämmerlein für den Erfolg auf der Bühne ist". Wenn das gelingt, könnte die Show tatsächlich eine Bereicherung sein.

Was können wir erwarten?


Das hängt natürlich von der Qualität der Bewerber ab. Immerhin haben sich 19.000 Menschen für die erste deutsche Ausgabe der Show beworben. Die Erfahrungen in Großbritannien machen Mut. Dort ist Leona Lewis bei "X Factor" entdeckt worden. 2006 gewann sie die Show und ist seither international erfolgreich. 2008 führte sie gleichzeitig die Single- und Album-Charts in den USA an - als erste britische Sängerin seit 30 Jahren. Das gleiche Kunststück gelang ihr auch in Deutschland.

Wann wird "X Factor" gesendet?


Damit die Show auch richtig viele Leute sehen, bekommt sie zum Start Anschubhilfe vom großen Bruder: Am Freitag und Samstag (20. und 21. August) wurde "X Factor" zur Primetime 20.15 Uhr auf RTL einem breiten Publikum eingeführt. Ab dem 24. August läuft die Sendung dann auf Vox, immer dienstags um 20.15 Uhr.