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"Dinner Party - Der Late-Night-Talk": Belehrungen und schmierige Komplimente: So erging es einer Comedienne bei Pocher

Eigentlich sollte das Geschlecht in der Comedy-Szene keine Rolle spielen. Doch die Comedienne Lena Liebkind hat bei Oliver Pochers "Dinner Party" anderes erlebt: Sie bekam plumpe Komplimente für ihr Äußeres - und ein Mann erklärte ihr, wie sie ihren Job zu machen hat.

Comedienne Lena Liebkind war zu Gast bei Oliver Pochers "Dinner Party"

Comedienne Lena Liebkind war zu Gast bei Oliver Pochers "Dinner Party"

"Sie ist so schön": Das waren die ersten Worte, die Lena Liebkind zu hören bekam, als sie bei Oliver Pochers Late-Night-Talk "Dinner Party" Platz genommen hatte. Der Gastgeber der Sat.1-Show hatte am späten Dienstagabend Komiker aus mehreren Generationen eingeladen. Eine gute Viertelstunde plauderte Pocher mit dem Stimmenimitator Jörg Knör und dem Kabarettisten Kay Ray, als er Liebkind in die Runde holte. Die dürfte schon da geahnt haben, dass noch Unangenehmeres folgen sollte.

Denn während Oliver Pocher versuchte, so etwas wie ein Gespräch mit der 32-Jährigen aufkommen zu lassen, wollte der einst bekannte Parodist Jörg Knör, seiner deutlich jüngeren Kollegin krampfhaft zeigen, wie das Humor-Geschäft funktioniert. Lena Liebkind erzählte gerade von ihrer Sendung "Shuffle", die sie auf dem ARD-Spartensender One moderiert. Darin macht sie sich lustig über die Promi-Berichterstattung und zeigt virale Hits. "Das wofür Social Media eigentlich gemacht wurde."

Eines ihrer Lieblingsopfer sei Kim Kardashian, erklärte Liebkind gerade. Doch das passte Jörg Knör gar nicht. Ein Mann, der damit berühmt geworden ist, deutsche Promis der 80er Jahre nachzumachen. "Als wenn wir nicht so viel zu bieten hätten", maulte er und klagte, dass die hiesige Yellow Press sich so viel mit amerikanischen Promis beschäftige. "Das ist dieses Internet", erklärte Liebkind geduldig, "das bringt die Leute zusammen." Der 58-Jährige findet dagegen Désirée Nick viel interessanter als Paris Hilton. Vielleicht auch nur, weil er sie imitieren kann - wie er sogleich ungefragt zum Besten gab.

"Wenn ich das mal so sagen darf"

Pocher unternahm einen neuen Versuch, das Gespräch auf seinen weiblichen Gast zu drehen. Wie sie gemerkt habe, dass sie lustig sei, wollte er wissen. Liebkind wollte antworten und holte aus, dass noch immer häufig hervorgehoben werde, dass sie eine Frau sei. "Vor allem, wenn man noch gut aussieht, wenn ich das mal so sagen darf", grätschte Knör erneut rein. "Das hilft." Damit hat der Mann den Erfolg seiner jungen Kollegin mal eben einzig mit ihrem Aussehen erklärt. Eine Unverschämtheit. Die Comedienne bewahrte die Contenance, konnte sich eine Spitze aber nicht verkneifen: "Du kannst auch gerne die Frage beantworten, Jörg, wenn du willst." Dann stellte sie klar: Sie werde von den Jungs akzeptiert als eine von ihnen, "und meistens hören mir die Leute auch zu. Außer Jörg."

Der hatte es aber immer noch nicht verstanden und spielte sich weiter in den Vordergrund. Liebkind erwähnte, dass sie im Radio Natascha Ochsenknecht parodiert habe. Doch wie genau das geht, das musste Oberlehrer Knör ihr noch einmal genau erklären: "Da musst du eigentlich alle Emotionen raus lassen. Und schnell sprechen. Und lispeln." Und schon hatte Knör das Gespräch wieder auf sich gelenkt, imitierte Udo Lindenberg und Karl Lagerfeld. Oliver Pocher gab es irgendwann auf, das Gespräch noch einmal auf die einzige Frau in der Runde zu drehen. 

Im Rahmen der #MeeToo-Debatte wird viel über Sexismus in den Medien gesprochen. Sendungen wie die "Dinner Party" von Dienstagabend zeigen, wie weit der Weg noch ist, bis man dort Ansatzweise von Gleichberechtigung sprechen kann.

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