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BVB-Berichterstattung Peinlich! Wie ARD und ZDF den Anschlag von Dortmund verpennten

"Tagesschau" am Dienstagabend
Die 20-Uhr-"Tagesschau" am Dienstagabend: Die Meldung "Deutsche rauchen weniger Zigaretten" war noch vor der Nachricht über den Anschlag in Dortmund zu sehen.
© ARD
Um 19.16 Uhr passierte es: Drei Sprengsätze explodierten am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund. Doch in der 20-Uhr-"Tagesschau" war dieses Ereignis nur eine Randnotiz. Auch danach verkannten ARD und ZDF die Relevanz lange Zeit - unverständlich.

Seit dem 9. November 1989 scheint man bei der ARD-"Tagesschau" nur wenig dazu gelernt zu haben. Damals verpennte das Erste den Mauerfall. Am gestrigen Dienstagabend verschliefen die Kollegen den dramatischen Anschlag auf die Spieler von Borussia Dortmund. Denn statt umfassend über den Vorfall zu informieren, war das Ereignis in der 20-Uhr-"Tagesschau" nur eine Randnotiz.

Es mag zu diesem Zeitpunkt richtig gewesen sein, zunächst über Syrienkrise, US-Außenminister Tillerson in Moskau und Nordkorea zu berichten. Doch dass der Anschlag von Dortmund in der Hauptnachrichtensendung erst nach langen 13 Minuten und 28 Sekunden - selbst nach "Deutsche rauchen weniger" - als letzte Meldung zu sehen war, ist vollkommen unverständlich. Nun könnte man argumentieren, dass die Nachrichtenlage um 20 Uhr, zu Beginn der "Tagesschau", noch zu unsicher war, um verlässlich zu informieren. Doch die Dimensionen dieses Ereignisses waren relativ früh erkennbar.

BVB twitterte bereits um 19.40 Uhr

Um 19.16 Uhr detonierten drei Sprengsätze, als der BVB-Mannschaftsbus mit allen Spielern an Bord das Vereinshotel verließ. Nur 24 Minuten später, um 19.40 Uhr, verbreitete der Verein via Twitter eine noch relativ harmlos klingende Meldung dazu: "Bei Abfahrt unseres Busses hat sich ein Vorfall ereignet. Eine Person wurde dabei verletzt. Weitere Infos folgen." Eine weitere Minute später spricht die "Bild"-Zeitung in einer Eilmeldung bereits von einer Explosion:  "Champions League: Explosion am Dortmund-Bus - Spielabsage droht." Die Polizei in Dortmund hatte bereits um 19.36 Uhr von "Explosionen" gesprochen.

Spätestens als erste Fotos vom Bus sich verbreiteten und die Information durchsickerte, dass mit Marc Batra ein Spieler verletzt wurde und eine Spielabsage drohte, hätten die Verantwortlichen bei der ARD-"Tagesschau" aufwachen müssen. Stattdessen gab es eine Mini-Meldung. 

ARD sendet "In aller Freundschaft"

Nach 20.15 Uhr passierte stundenlang: nichts. Das Erste sendete munter das vorgesehene Programm: um 20.15 Uhr "Charité", danach die Gute-Laune-Krankenhausserie "In aller Freundschaft". Und das in einem Sender, der sonst für Wetterlagen Brennpunkte einrichtet. Das ZDF sah nur wenig besser aus. Dort wurden die Zuschauer immerhin um 21.45 Uhr im "Heute Journal" über die Ereignisse von Dortmund informiert -  und damit eine halbe Stunde vor den "Tagesthemen".

Warum wurde die "Tagesschau" nicht wenigstens verlängert? Warum gab es keine Live-Schalte an oder vors Stadion - zur Not auch via Handy? Und warum lieferten ARD-Korrespondenten nicht die wertvollen Informationen, die dazu hätten führen müssen, dass die Relevanz des Anschlags rechtzeitig erkannt würde?

Stattdessen sah es so aus: Wer sich für die Ereignisse von Dortmund interessierte, der sah sich bei "Bild"-Zeitung und Sky, die live mit BVB-Boss Joachim Watzke im Westfalenstadion sprachen, besser informiert, als bei ARD und ZDF mit ihrem aufwendigen und durch GEZ-Gebühren finanzierten Reporternetz. Ein Armutszeugnis für die öffentlich-rechtlichen Sender.


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