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Saure Gurke: MDR-"Tatort" als besonders frauenfeindlich ausgezeichnet

Die Auszeichnung soll Frauenfeindlichkeit im TV anprangern: Der neue Erfurter "Tatort" hat für seine erste Folge eine Saure Gurke kassiert. Einen Trostpreis bekam die Werbung für die Frauenfußball-EM.

Um diese Auszeichnung reißt sich niemand: Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist auf dem Herbsttreffen der Medienfrauen am Sonntag in Berlin mit der diesjährige Sauren Gurke ausgezeichnet worden. Den Negativpreis, mit dem die Medienfrauen von ARD, ZDF und ORF auf frauenfeindliche Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufmerksam machen, erhält der MDR für die "Tatort"-Folge "Kalter Engel".

"Wir treffen auf Frauenrollen, die wir in 40 Jahren Tatort kennen und lieben gelernt haben: die Heilige, die Hure, die herrische Vorgesetzte und ein Mordopfer, das selbst schuld ist", begründete die Jury ihre Entscheidung auf der Veranstaltung im Deutschlandradio-Funkhaus. "Auch ein 'junger' Tatort kann ziemlich gestrig sein!"

Im ersten Fall des neuen und jüngsten "Tatort" Ermittler-Teams suchen die Kommissare Funck und Schaffert den Mörder einer Studentin. "Und was haben wir gesehen?", fragen die Medienfrauen in ihrer Begründung. "Eine junge Praktikantin mit Universitätsabschluss, eine Kriminaldirektorin mit Domina-Allüren, zwei laufstarke Kommissare und drei Studentinnen. Eine liegt tot am Fluss - weil sehr jung, deshalb sehr nackt. Eine arbeitet im Escortservice - dem 'Tatort'-typischen Job für attraktive Studentinnen. Eine ist die Mörderin. Dass sie am Ende nicht tot in den Büschen hängt, ist den Kommissaren zu verdanken, denn die kluge Praktikantin löst zwar den Fall, braucht aber in den entscheidenden Momenten männliche Hilfe."

"Uns erstaunt das eher", sagte ein MDR-Sprecher zu der Auszeichnung. "Möglicherweise hat sich der Jury das Drehbuch nicht erschlossen." Schließlich habe die Praktikantin entscheidend zur Lösung des Falls beigetragen. "Was daran frauenfeindlich ist, können wir nicht nachvollziehen."

"Gurkenwarnung" für Fußball-WM 2014

Einen "Trostpreis" vergab die Jury an das ZDF für seinen Werbetrailer zur Frauenfußball-Europameisterschaft. In dem Spot mit dem Titel "Ballsauber in Schweden" schießt eine Frau zielsicher einen dreckigen Fußball in die Waschmaschine. Die Jury lobte den Trailer für dessen gelungene Verknüpfung von Sport und Hausarbeit.

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sprachen die Jurorinnen vorsorglich eine "Gurkenwarnung" aus: "ARD und ZDF haben bei der diesjährigen EM ihren Sportexperten ermöglicht, sich kommentierend in Sachen Frauenfußball weiterzubilden - wir sind gespannt auf die Kommentatorinnen bei der Männerfußball-WM in Brasilien."

Die Saure Gurke ist ein Wanderpreis, der seit 1980 jährlich an einen von einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt produzierten Fernsehbeitrag vergeben wird. Die Preisverleihung bildete den Abschluss des 36. Herbsttreffens der Medienfrauen, das in diesem Jahr gemeinsam vom Deutschlandradio und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg organisiert wurde.

mad/DPA / DPA