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TV-Kritik "Günther Jauch": Strohfeuer und Schicksalsschläge

Moderator Günther Jauch glänzt beim Sommerloch-Thema "Schlaglöcher" mit schlechter Vorbereitung und bietet deshalb CSU-Verkehrsminister Peter Ramsauer eine große Werbebühne.

Von Jan Zier

Wussten Sie schon, dass in der Straße, in der auch Günther Jauch wohnt, drei Schlaglöcher sind? Wie, das hat sie gar nicht interessiert? Nun gut, der Moderator sagt ja selbst: "Es sind größere Schicksalsschläge denkbar." Aber andererseits sei das doch irgendwie auch ein "gigantisches Wirtschaftsproblem". So redet man sich bei der ARD das Sommerloch schön, und so ein dröges Thema wie "Die Schlagloch-Republik – geht Deutschland kaputt?" an einem Sonntagabend.

Am Anfang kommt erstmal ein Radioreporter zu Wort, Werner Hansch, aber der sagt, er könne gar nicht klagen, obwohl er jedes Jahr 40.000 Kilometer, mindestens, durchs Ruhrgebiet fährt. Sieht man mal davon ab, dass er sich wahnsinnig ärgert, dass auf der A 40 und der A 42 gebaut wird – parallel! Und auch als Jauch Bilder aus den USA einspielen lässt – im Foto erscheint eine eingestürzte Brücke in Minnesota – gewinnt das Thema nicht so recht an Brisanz. Denn der eigens eingeladene Experte, Martin Mertens, ein Professor für Brückenbau sagt: "Das kann bei uns nicht passieren!" Er klingt dabei recht überzeugend.

"Spiegel"-Kritik lässt Ramsauer kalt

Immerhin war am Sonntag auch "Der Spiegel" herbeigeeilt, um der alljährlich im Sommer wiederkehrenden Rede von "Buckelpisten" und "Bröselbrücken" einen Hauch von Skandal abzugewinnen. "Ramsauer lässt Geld für Verkehrswege liegen" schreibt er in der #link;www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/verkehr-csu-minister-ramsauer-schoepft-infrastrukturprogramme-nicht-aus-a-908576.html;aktuellen Ausgabe#, und zitiert aus "internen Berichten" seines Ministeriums, wonach bisher nicht einmal die Hälfte der zusätzlichen Infrastrukturprogramme ausschöpft sei. Der Ressortchef aus der CSU sei jetzt "in Bedrängnis", schreibt das Magazin.

Das sei eine "ziemlich dusselige Meldung", findet der Minister. Er klingt dabei nicht so, als sei er jetzt arg angeschlagen wegen eines "peinlichen" und "selbst verschuldeten" Investitionsstaus. Das Geld, so Peter Ramsauer, und redet von weit über einer Milliarde Euro, das könne ja gar noch nicht abgeflossen sein! Es muss ja auch noch ein paar Jahre reichen. Das wär ja wie als wenn man seinem Kind am Dienstag vorwerfe, dass vom Taschengeld für die Woche noch was über sei. "Nehmen Sie das nicht so ernst", sprach der Minister und verbuchte den Sieg für sich. Hier hätte ein Fact-Checker helfen können.

Rückendeckung vom Brückenexperten

Übrigens auch da, wo von dem armen Unternehmer berichtet wurde, der seine mehrere Hundert Tonnen schweren Bauteile nicht mehr in einer Nacht über die Straße ans Ziel befördern kann, sondern sechs oder gar sieben Tage braucht, weil sie jetzt mit dem Schiff befördert werden statt mit dem Auto. Im Film droht der Firmenchef deshalb sogleich mit Abwanderung ins Ausland. Doch Mertens sagt: Brücken in Deutschland waren nie für solche Massen ausgelegt und werden es auch nie sein. Und Ramsauer sagt: Natürlich gehören solche Güter aufs Wasser. Und nicht auf die Straße. Debatte beendet, Strohfeuer erloschen.

Und so wurde die Talkshow am Ende vor allem eine große Bühne für den Herrn Minister, der sie gerne für Werbung in eigener Sache nutzte. "Ich bin ihnen dafür sehr dankbar, Herr Jauch". Denn natürlich findet auch Ramsauer, dass es hierzulande einen "riesigen Investitionsstau" auf Straßen und Brücken und Schienenwegen gibt. Deswegen muss er doch zum Beispiel dafür gelobt werden, dass er mehr Mittel in die Instandhaltung steckt. Und wer sollte das tun, wenn nicht Ramsauer selbst?

Da bleibt auch Bärbel Höhn von den Grünen und dem ADAC-Präsidenten Peter Meyer nur, irgendwie noch mehr Geld zu fordern. Was Ramsauer ja auch will. Es könnte ja alles immer irgendwie noch besser sein. Auch den Vorwurf, dass zu viele Straßenbaumillionen in die Heimatländer des Ministers und seiner beiden Staatssekretäre fließt, kann Ramsauer mit leichter Hand abweisen. Und wieder einmal wirkt Jauch schlecht vorbereitet. Das einzig greifbare Ergebnis dieses Abends ist schließlich die Nachricht, dass Ramsauer vielleicht doch für eine PKW-Maut ist.

Nur wann endlich etwas gegen die Schlaglöcher bei den Jauchs vor der Haustür unternommen wird, das wissen wir jetzt immer noch nicht.

Schlechte Vorbereitung, keine Ergebnisse

Da bleibt auch Bärbel Höhn von den Grünen und dem ADAC-Präsidenten Peter Meyer nur, irgendwie noch mehr Geld zu fordern. Was Ramsauer ja auch will. Es könnte ja alles immer irgendwie noch besser sein. Auch den Vorwurf, dass zu viele Straßenbaumillionen in die Heimatländer des Ministers und seiner beiden Staatssekretäre fließt, kann Ramsauer mit leichter Hand abweisen. Und wieder einmal wirkt Jauch schlecht vorbereitet. Das einzig greifbare Ergebnis dieses Abends ist schließlich die Nachricht, dass Ramsauer vielleicht doch für eine PKW-Maut ist.

Nur wann endlich etwas gegen die Schlaglöcher bei den Jauchs vor der Haustür unternommen wird, das wissen wir jetzt immer noch nicht.