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Kritik zu "Polizeiruf 110": Vom Weltall über die Dorfkneipe zur EU-Verschwörung

Eine Reporterin stirbt, weil sie zu viel weiß. So beginnen gute Krimis wie schlechte Krimis. Der "Polizeiruf" aus München zählt zu ersteren - trotz oder wegen eines sehr ambitionierten Regisseurs.

Von Niels Kruse

Weiß, mit wem er sich da anlegt: Von Meuffels unterwegs in der bayerischen Provinz

Weiß, mit wem er sich da anlegt: Von Meuffels unterwegs in der bayerischen Provinz

Dieser "Polizeiruf" dürfte einer der wenigen, wenn nicht der einzige deutsche Krimi sein, der die Chuzpe besitzt, einen Ausflug in den Weltraum zu unternehmen. Minute 62: Kurz passiert die Kamera einen Satelliten, der im Orbit seine Bahn zieht, darunter kreist die Erde, dann Sturzflug runter, zack, zurück in die bayerische Pampa. Zurück in die Schülerkneipe Stöpsel, in den Wust aus Mord, Intrige, Paranoia und Verschwörung - diesem irrsinnigen Riesenrad, das der Münchener "Polizeiruf" dreht.

Der Mann für Chuzpe zur besten Sendezeit heißt Dominik Graf, hochdekorierter Regisseur ("Dreileben", "Die geliebten Schwestern", diverse "Tatorte" und "Polizeirufe") mit Hang zur wohlkalkulierten Zumutung. Rücksicht nehmen auf möglichst viele Leute, das sei nicht so sein Ding, sagte er dieser Tage in einem Interview. Und wo lässt sich diese Vorliebe besser umsetzen, als beim "Polizeiruf 110", der, glaubt man Freunden ambitionierter Krimikost, schon lange der bessere "Tatort" ist.

Freejazz um 20.15 Uhr

Die erste Zumutung von "Smoke on the Water", dem insgesamt vierten Graf-"Polizeiruf" aus München, gibt es gleich zu Beginn, als der mäßig erfolgreiche Saxofonist Mischa Eigner (Marek Harloff) im "Jazztunnel" eine geschlagene Minute lang in sein Instrument hineinimprovisiert. Freejazz um 20.15 Uhr wäre allein schon Grund genug, um sofort zu "Battleship" auf RTL umzuschalten, aber zum Glück trifft Eigner schnell genug auf die Journalistin Anne Ten Hoff, die später mit zertrümmertem Schädel aufgefunden wird. Der Musiker gesteht dann auch den Mord, obwohl er gar nicht der Täter ist und Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) kann endlich loslegen mit den eigentlichen Ermittlungen.

Die führen den Kommissar von der bayerischen Provinz über sein altes Internat bis ins All. Dort platziert eine Firma von der Kanalinsel Guernsey im Auftrag der EU Satelliten für ein europäisches GPS-System. Das im Film nicht wie im echten Leben Galileo, sondern Kopernikus heißt. Den Zuschlag für das Milliarden-Projekt hat das Unternehmen allerdings nur bekommen, weil es im großen Stil Brüsseler Parlamentarier bestochen hat. Im Zentrum der Affäre, die die tote Journalistin im Begriff war aufzudecken, steht der Abgeordnete Dr. Joachim von Cadenbach (Ken Duken). Ein Adelsspross wie der Hauptkommissar.

Schwächen mit Sex und Gewalt übertüncht

Korruption, viel Geld und höhere Mächte liefern meistens gute Geschichten und "Smoke on the Water" macht da keine Ausnahme. Zumal das Schöne an Verschwörungsszenarien ist, dass man aus ihnen die wildesten Konstrukte schnitzen, aber einen niemand mit Logik und anderem Bedenkenträgertum kommen kann. Und doch: Warum eine skrupellose, milliardenschwere und einflussreiche Bande es nicht fertig bringt, unliebsame Mitwisser unauffälliger und geschmeidiger beiseitezuschaffen, als sie es letztlich tut, leuchtet dann doch nicht richtig ein. Zumal die Verschwörer letztlich zeigen, dass sie es eben doch können, und beginnen, die Scherben von Cadenbachs Ausraster weg zu räumen.

Dominik Graf und sein Autor Günter Schütter übertünchen diese leichten Schwächen einfach mit Gewalt und Sex. 59 Sekunden lang ist von Cadenbach beim Akt zu sehen, weiß die "Bild am Sonntag", und das nicht mit einer, sondern mit zwei Frauen. Allerdings nicht zeitgleich, sondern zusammengeschnitten mit den für diesen "Polizeiruf" typischen Rück- und Überblendungen. In gewisser Weise ist es sein Beischlafbedürfnis, dass dem umtriebigen Abgeordneten letztlich das Genick bricht. An anderer Stelle liefert er eine plausible Erklärung dafür: "Wenn ich nicht einmal am Tag Sex habe, kriege ich Rückenschmerzen."

Und später kommt der Director's Cut

Wirklich schwach ist "Smoke on the Water" dann, wenn die Protagonisten moralinsauer und steif Politikervorurteile herunterbeten, über Geheimkonten voller Geld und Steuer-CDs plappern oder zwanghaft aktuelle Ereignisse ins Spiel kommen: Wie an der Stelle, als die Assistentin Cadenbachs Aleyna Kaan (Berivan Kaya) über ihre jesidisch-kurdische Herkunft philosophiert. Wirklich stark dagegen ist das Ende: Ein 15-minütiger Kammerspiel-Albtraum, in dem geheimnisvoll maskierte Polizisten das Haus des Adligen stürmen und die Familie nebst Kommissar Meuffel und Assistentin Kaan terrorisieren. Zu dem Zeitpunkt geht es schon längst nicht mehr um den Tod einer Journalistin, sondern um das große Ganze.

Die viertelstündige (Psycho-) Gewaltorgie wäre wohl noch unappetitlicher ausgefallen, wenn Dominik Graf hätte machen können, was er wollte. Durfte er aber nicht, da war die ARD vor. Gedreht wurden die Szenen dennoch, und zu sehen gibt es sie auch: im 120-minütigen Director's Cut, der auf DVD erscheinen wird.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(