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Waldemar Hartmann: Duz-Maschine, Weizentrinker und Schnauzbartträger

Mit seiner falschen Antwort bei "Wer wird Millionär?" hat sich Waldemar Hartmann als Fußball-Experte blamiert. Dabei war er schon vorher für vieles bekannt - nur nicht für Sportkompetenz.


Kursiert im Fernsehen unter der Rubrik "Fußballexperte": Waldemar Hartmann

Kursiert im Fernsehen unter der Rubrik "Fußballexperte": Waldemar Hartmann

Waldemar Hartmann war eigentlich schon immer da. Der Schnauzbartträger plaudert seit den 80er Jahren regelmäßig über das Thema Fußball. Auf die Idee, ihn einen Fußballexperten zu nennen, wäre jedoch außerhalb des Bayerischen Rundfunks kaum jemand gekommen. Den meisten Menschen ist er für drei Dinge bekannt: Seine penetrante Art, wirklich jeden seiner Gesprächspartner zu duzen, für die ihn das "SZ-Magazin" vor vielen Jahren den genialen Spitznamen "die Duz-Maschine" verpasste. Dann sein Schnauzbart, der eigentlich zu seinem Gesicht gehört wie die Weißwurst nach Bayern. Irgendwann war er ab - was sehr irritierte, und fortan war es noch schwerer, sich auf sein Fußballgerede zu konzentrieren, wenn er im Fernsehen auftrat. Möglicherweise war es auch das, was Rudi Völler an jenem legendären Septemberabend 2003 in Reykjavik so irritierte, als er mit Hartmann vor laufender Kamera aneinandergeriet.

Rudi Völler machte ihn zum Weizen-Waldi

Dieser Auftritt verhalf Hartmann endgültig zur Berühmtheit - welch feine Ironie, dass ausgerechnet der sonst so servile Interviewer, der sich bei Meisterfeiern des FC Bayern gerne mit den Spielern auf dem Rathausbalkon feiern ließ, Völlers Wutrede abbekam. Sie gipfelte in den berühmten Worten: "Du sitzt hier locker auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken." Verärgert hatten den Bundestrainer jedoch nicht Waldis Fragen, sondern die Analyse von Gerhard Delling und Günter Netzer, die das Spiel der Nationalmannschaft gegen Island als "neuen Tiefpunkt" bezeichneten.

Bauernschlau, wie Waldemar Hartmann ist, schlachtete er den Weißbier-Spruch sogleich zu seinen Gunsten aus, kurz darauf machte er Werbung für eine Brauerei. "Unabhängig von dem Vertrag war es ein großartiges Erlebnis. Ich habe das genossen. Dafür gibt es kein Drehbuch. Das war fantastisch", sagte Hartmann rückblickend über den Abend von Reykjavik in seinem Buch "Dritte Halbzeit. Eine Bilanz".

"Der Tor des Jahres"

Es ist wohl diese Kaltschnäuzigkeit und Bereitschaft, jede noch so blöde Situation zu den eigenen Gunsten auszuschlachten, die zur Entstehung eines merkwürdigen Gerüchtes führte. Als Telefonjoker konnte er bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär?-Promispecial" eine Fußballfrage nicht beantworten, die selbst sportunkundige als leicht bezeichnen würden. Sie lautete: "Welche Fußballnation konnte bei den bisherigen 19 Weltmeisterschaften nie den Titel im eigenen Land gewinnen?" Hartmann tippte auf Deutschland - obwohl jedes Kind weiß, dass die Nationalelf 1974 im eigenen Land den Titel holte. Bei Twitter warfen einige User die Frage auf, ob Waldi seine haarsträubende Wissenslücke nur vorgetäuscht hat, um PR für sein aktuelles Buch zu produzieren. Dafür spricht, dass Hartmann 1974, als die deutsche Nationalmannschaft im eigenen Land Weltmeister wurde, 26 Jahre alt war und damit in der Blüte seines Lebens stand. Unmöglich, so etwas wieder zu vergessen.

Andererseits macht sich keiner für ein paar verkaufte Bücher zum Volldeppen. Und sollte es Kalkül gewesen sein, so ist es nicht aufgegangen: Der Amazon-Verkaufsrang von "Dritte Halbzeit" bewegt sich seit Stunden abwärts. Was nicht weiter verwundert: Will man sich wirklich ein Fußballbuch kaufen von jemandem, der seine Inkompetenz vor einem Millionenpublikum unter Beweis gestellt hat?

Hartmann selbst hat seine Situation heute realistisch eingeschätzt: "Jetzt habe ich es also zum 'Tor des Jahres' auf die Seite 1 der "Bild" geschafft", sagte er der Nachrichtenagentur DPA. Zumindest mit diesem Satz dürfte er dann doch noch ins Schwarze getroffen haben.