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Momente der TV-Geschichte Tante Käthe sieht rot - Rudi Völlers legendäres "Weizenbier"-Interview

Waldemar Hartmann und Rudi Völler
Ein genervter Rudi Völler gerät 2003 im Interview mit Waldemar Hartmann (l.) außer Rand und Band.
© ARD/NDR/ / Picture Alliance
Die Szene von 2003 ist legendär: Im Interview mit Sportreporter Waldemar Hartmann schimpft der damalige Teamchef Rudi Völler los. Es kommt zum legendären Weizenbier-Spruch.

Wütender haben die TV-Zuschauer ihn nur einmal gesehen: Als er 1990 bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Italien im Achtelfinale gegen die Niederlande von Frank Rijkaard angespuckt wurde. Immerhin konnte die deutsche Nationalmannschaft sich und ihm mit einem Sieg Genugtuung verschaffen - wurden später sogar Weltmeister. Doch 13 Jahre später, im Studio der ARD, fährt Rudi Völler richtig aus der Haut.

Es ist der 7. September 2003 als das DFB-Team von Völler in der EM-Qualifikation gegen Außenseiter Island nur ein enttäuschendes 0:0 erzielt. Der damalige DFB-Teamchef soll im Interview mit Sportreporter Waldemar Hartmann anschließend Rede und Antwort stehen. Völler, kein Anzug-Trainer, betritt im Trainingsoberteil das Studio. Er ist ob der schlechten Leistung seiner Mannschaft ohnehin angefressen. Doch was dann passiert, wird zum legendären TV-Moment.

"Spätestens jetzt ist klar: Die Samstagabend-Unterhaltung steckt in der Krise", spöttelt Gerhard Delling in der Anmoderation über die desolate Leistung des DFB-Teams. Da platzt Völler der Kragen: "Ich kann diesen Käse nicht mehr hören. … So ein Scheiß. Das ist für mich das Allerletzte. Wechselt den Beruf, ist besser", schimpft er los und kriegt sich gar nicht mehr ein. "Ich sitz' seit drei Jahren hier und muss mir diesen Scheiß immer anhören. Dieser Scheiß, der da immer gelabert wird. Immer alles in den Dreck ziehen, alles immer runterziehen. Ich lass mir das nicht mehr lange gefallen!"

Rudi Völler attackiert Waldemar Hartmann

Schließlich holt Völler zum verbalen Schlag gegen Waldemar Hartmann aus, der den völlig in Rage geratenen Trainer weiter mit Nachfragen quält. "Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast gerade drei Weizenbier getrunken", sagt Völler. Hartmann lacht und antwortet schlagfertig: "In Island gibt es kein Weizenbier – und ich trinke auch keines." Ein vernünftiges Interview kommt danach nicht mehr zustande - es bleibt bei Geplänkel.

Die 15 Millionen TV-Zuschauer sehen ein legendäres Fußball-Interview. Es entfacht eine Debatte darüber, ob die Deutschen mit der Leistung ihres Fußballteams zu kritisch sind. "Ritter Rudi auf Kreuzzug" titelt der stern. "Wie ein Geysir" sei es aus Völler herausgesprudelt, schreibt die "Financial Times Deutschland." Wenige Tage später gewinnt das Team gegen Schottland mit 2:0 und alles ist wieder gut. Selbst Hartmann und Völler haben sich wieder lieb.

Hartmann bekommt Bier-Werbevertrag

Für den Sportmoderator endet die Eskapade mit einem Geldsegen. Er bekommt hinterher einen Werbevertrag mit einer Brauerei angeboten. Für Völler endet die Karriere beim DFB ein Jahr später. Deutschland fliegt bei der EM in der Vorrunde raus – und der Fußball steckt erneut in der Krise.

mai

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