HOME

Ostern im TV: Zum x-ten Mal "Titanic": Warum das Fernsehen auf Grund läuft

Das Fernsehprogramm über Ostern ist eine Aneinanderreihung von Wiederholungen. Damit machen sich die TV-Sender überflüssig - und stärken ihre Konkurrenten Netflix und Amazon.

"Titanic" läuft über Ostern im Fernsehen

Die Titanic geht an Ostersamstag auf Sat.1 unter.

Falls es irgendjemand noch nicht mitbekommen hat: Die Titanic ist untergegangen. Gut, das ist jetzt ziemlich genau 105 Jahren her. Doch weil der Hollywood-Schmachtfetzen mit Leonardo DiCaprio erst 20 Jahre auf dem Buckel hat, überrascht Sat.1 seine Zuschauer am Ostersamstag mal wieder mit diesem Film.

Eigentlich müssten die Oster-Feiertage ein Paradies für Fernsehsender sein: Man besucht seine Familie, speist zusammen - und ist abends froh, den Tag bei einem guten Film ausklingen zu lassen. Doch leider scheitern die Privatsender seit Jahren daran, ein attraktives Programm für die Feiertage auf die Beine zu stellen.

Abgenudelte Hits statt frischer Ware

Während auf Sat.1 zum wiederholten Mal der Luxusdampfer untergeht, strahlt ProSieben den zwölften "Star Trek"-Film aus - auch dies keine TV-Premiere. Auf Vox dürfen die Zuschauer derweil bei "Madagascar 3" wilde Tiere bei ihrem Weg in den Zoo begleiten - falls sie den Trickfilm bisher im Fernsehen verpasst haben.

Die übrigen Festtage das gleiche Bild: Abgenudelte Hits wie "Fack Ju Göhte", "Illuminati", "Hot Shots!" oder "Der Teufel trägt Prada". Das ist fantasie- und einfallslos. Fast freut man sich, wenn RTL am Samstag mit "DSDS" immerhin eine Live-Show sendet.

Die Privatsender, könnte man jetzt einwenden, müssen immerhin mit dem auskommen, was sie durch Werbung einnehmen. Da ist vielleicht nicht mehr drin. Doch was ist mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten? Die streichen jährlich acht Milliarden Euro an Gebühren ein. Sollte das nicht reichen, um an jedem der Feiertage zur Prime Time etwas Neues aufzufahren.

ARD bringt immerhin "Die Dasslers"

Hier sieht es auf den ersten Blick etwas besser aus: Die ARD präsentiert am Freitag und Samstag um 20.15 Uhr eine ambitionierte Eigenproduktion, den Zweiteiler "Die Dasslers". Doch ausgerechnet am Ostersonntag wird eine "Tatort"-Folge wiederholt. Was noch schlimmer ist: Die Erstausstrahlung des Falls liegt keine 18 Monate zurück. Wer sich über Ostern nicht alle Gehirnzellen mit Rotwein weggeballert hat, wird den Film noch komplett präsent haben. 

Hätte das Budget wirklich keine Neuproduktion für den Ostersonntag hergegeben? Konnten die Programm-Macher nicht mal einen sehenswerten ausländischen Film aufspüren, den man als TV-Erstausstrahlung präsentieren könnte?

Beim ZDF ist es auch nicht viel besser. Dort läuft über die Feiertage Bewährtes: Freitag und Samstag die üblichen Krimis, am Sonntag wird eine neue "Traumschiff"-Folge vom Stapel gelassen. Doch Ostermontag hat es dann nur noch zu einer "Inga Lindström"-Folge von 2015 gereicht. Wie trist.

Arte und 3Sat liefern immerhin Kultur

Die übrigen öffentlich-rechtlichen Kanäle konzentrieren sich darauf, Konserven abzuspielen. So liefern 3Sat eine umfangreiche Billy-Wilder-Retrospektive, Arte zeigt Ostersonntag Barbra Streisand. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Viele dieser Filme gehören zum Kanon, mit der Überlieferung dieser alten Klassiker erfüllen die Sender einen Bildungsauftrag. Doch es wäre viel schöner, wenn man auf den übrigen Kanälen derweil neue Produktionen sehen könnte. Wenn der Zuschauer die Wahl hätte zwischen alt und neu. 

Stattdessen muss er eine Entscheidung treffen zwischen gut abgehangen und nur ein bisschen angestaubt. Das ist zu wenig für das viele Geld, was wir Monat für Monat zahlen.

Die Fernsehsender verhalten sich gerade so, als gäbe es keine Alternative. Als wäre es selbstverständlich, dass die Menschen abends automatisch zur Fernbedienung greifen und irgendetwas einschalten. 

Netflix und Amazon als Alternative

Doch diese Zeiten sind vorbei. Es gibt Alternativen: Netflix oder Amazon haben zahllose alte Klassiker und relativ aktuelle Kinohits im Angebot. Also all das, was über Ostern auch im TV läuft. Und noch viel mehr: Fast wöchentlich starten hier eigenproduzierte Staffeln und Serien. 

Für viele Zuschauer heißt die Alternative: Zum ersten Mal auf Amazon den oscarnominierten "Toni Erdmann" sehen - oder zum zehnten Mal mit Leo DiCaprio im Meer versinken?

Die Programm-Macher der Sendeanstalten erinnern dagegen ein wenig an den Kapitän der Titanic: Immer weiter und bloß nicht den Kurs ändern.

Kinotrailer: "Fack Ju Göhte"