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Royals: Lang lebe die Königin: Wie Elisabeth II. den Briten Halt gibt

Elisabeth II. hat es nicht leicht: Mit dem Brexit vor der Tür und jungen Royals, die eigentlich lieber ein bürgerliches Leben führen würden, hängt es immer noch weitgehend an der 91-jährigen Monarchin, das Land und die "Firma" Windsor zusammenzuhalten.

Königin Elisabeth II. trifft auf der Pferderennbahn in Ascot ein

Wie immer pünktlich um 14:00 Uhr und im offenen Landauer traf auch dieses Jahr die Queen jeden Mittag in Ascot ein, um sich die immer an fünf Tagen Ende Juni stattfindenden berühmten Pferderennen der "Royal Ascot Week" anzusehen.

Wenn das so weitergeht, hat das Jahr 2017 gute Chancen, als zweites "annus horribilis" der Queen in die Geschichte einzugehen. Nicht nur, dass ihre britischen Untertanen zerstritten und verunsichert sind wegen des geplanten Austritts des Landes aus der EU, sie befinden sich gerade in den letzten Wochen in Aufruhr und Trauer nach furchtbaren Terrorattacken und der Hochhausbrandkatastrophe in London-Kensington.

Und auch auf persönlicher Ebene hat es Elisabeth II. gerade nicht leicht: Ihr geliebter Ehemann Prinz Philip scheint gesundheitlich in keinem guten Zustand zu sein, letzte Woche musste der 96-Jährige wegen einer Infektion zwei Nächte im Krankenhaus verbringen. Und dann starb auch noch die eng vertraute Cousine Patricia Mountbatten, Tochter des letzten Vizekönigs von Indien, mit 93 Jahren. Auf der Beerdigung konnte selbst die sonst so beherrschte Monarchin kaum ihre Tränen zurückhalten.

Trotzdem tat sie wie immer ihre Pflicht, hielt bei der diesmal etwas improvisiert wirkenden Parlamentseröffnung ohne Krone und Hermelinmantel die Thronrede, fand noch die Zeit, Verletzte und Hinterbliebene der Grenfell-Tower-Tragödie zu besuchen, und nahm auch sonst diszipliniert ihre Repräsentationspflichten wieder auf.

Seit 1945 besucht die Queen regelmäßig Ascot

Die einzige Freude bestand für sie letzte Woche im Besuch der Pferderennen auf der traditionsreichen Rennbahn in Ascot: Seit 1945, als sie noch Kronprinzessin war, hat Elisabeth das berühmteste aller Pferderennsportereignisse nie verpasst, das bereits 1711 von der damaligen Königin Anne ins Leben gerufen wurde. Sie liebt es, die Rennen live zu erleben, jeden Morgen liest sie neben einer Tageszeitung die "Racing Post", um immer auf dem Laufenden zu bleiben. Und natürlich ist sie selbst seit den 50er Jahren Pferzüchterin; über lange Jahre war der inzwischen verstorbene Herr des Downtown-Abbey-Schlosses Highclere Castle, Lord Carnarvon, der Manager ihres Gestüts.

Ihre Pferde haben schon so manchen Pokal gewonnen, auch wenn die beiden in diesem Jahr für sie ins Rennen geschickten Vollblüter "Call to mind" und "Mainstream" keinen Sieg einbrachten.

Doch die Königin ließ sich keinerlei Kummer oder Enttäuschung anmerken, hatte sie doch wie immer Gäste in ihre – neuerdings mit Panzerglas gesicherte – königliche Loge auf der Tribüne von Royal Ascot eingeladen. Am ersten Tag der Rennen waren es unter anderem William und Kate Cambridge, Prinz Charles mit Gattin Camilla sowie das Ehepaar Wessex, an den darauffolgenden Tagen dann entferntere Verwandte und Freunde, die sie mit Champagner und feinen Speisen bewirtete.

Man kann davon ausgehen, dass sie das Catering für ihre Gäste aus eigener Schatulle bezahlt, denn auch Royal Ascot ist inzwischen ein Wirtschaftsbetrieb, der auf die Kosten achten muss. Den Rennplatz modern und sicher zu erhalten und neben der Royal Ascot-Woche immer im Juni übers Jahr noch viele weitere Pferderennen zu veranstalten ist teuer, nur über die ab 15 Pfund aufwärts kostenden Eintrittskarten ist das nicht zu finanzieren. Sowohl die auf dem Gelände angebotenen Speisen und Getränke als auch die Preisgelder für die Sieger-Pferde werden von hochrangigen Sponsoren bezuschusst, darunter auch Königliche Hoflieferanten: Das französische Champagnerhaus Bollinger, dem schon Queen Vicotria 1884 das begehrte Recht zugestand, ihr Wappen zu führen, ist der offizielle Champagnerlieferant, die Siegerpokale fertigt der Hofjuwelier und Silberschmied Garrard und die Uhrenmarke Longines stellt die Uhren zur Verfügung, die die Zeit bei den Rennen messen. Die Autos des Shuttleservice kommen aus Stuttgart-Zuffenhausen und tragen das Logo von Porsche auf der Kühlerhaube, und selbst einen Hut-Sponsor gibt es, schließlich ist Ascot vor allem auch berühmt dafür, dass die Damen die ausgefallensten Hutkreationen tragen.

Prinz Harry fehlte

Gesprächsthema bei den Gästen der Royal Enclosure – dem VIP-Gästen vorbehaltenen Bereich der Rennbahn – war dieses Jahr natürlich auch, ob nächstes Jahr Prinz Harry mit seiner amerikanischen Freundin Meghan Markle dabei sein würde. Dieses Jahr ließ er sich gar nicht sehen, stattdessen machte er seiner Großmutter Sorgen, indem er in einem sehr offenen Interview mit der amerikanischen Zeitschrift "Newsweek" in Frage stellte, ob im Grunde noch irgendjemand bei den Windsors heutzutage wirklich König werden möchte. Er selbst jedenfalls würde ein ganz normales bürgerliches Leben vorziehen, hätte sogar vor ein paar Jahren einmal erwogen, seinen königlichen Status aufzugeben und sich ins Privatleben zurückzuziehen. Nur der Respekt vor der Lebensleistung der Queen hätte ihn am Ende davon abgehalten.

Zum Glück hat sein besonnenerer großer Bruder William bis heute immer ein Auge auf ihn: Nach dem Tode ihrer Mutter Diana, Prinzessin von Wales, der sich dieses Jahr im August zum 20. Mal jährt, tröstete er Harry, aktuell setzen sich William, seine Frau Kate und Harry gemeinsam für ein Projekt ein, dass Menschen ermutigen soll darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen, wenn sie unter starken seelischen Belastungen leiden. Aus eigener Erfahrung wissen die beiden, wie schwer es ist, mit Erwartungsdruck von außen umzugehen oder die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Ihr "Mental Health"-Projekt ist Teil eines ganzen Bündels von Aktivitäten, die beide dieses Jahr entfalten, um an ihre verstorbene Mutter zu erinnern: Im Park des Kensington Palastes wurde im April außerdem ein Diana-Gedächtnisgarten errichtet, und kommendes Wochenende gibt es am Grab der früheren Prinzessin von Wales eine Gedenkfeier. Um ihren Todestag herum im August sind weitere Veranstaltungen geplant.

Die Windsors haben viel dazugelernt

Dieser Zeit sieht die Queen sicher mit sehr gemischten Gefühlen entgegen der unangenehmen Erinnerungen wegen, denn im Spätsommer 1997 erlebte die britische Monarchie ihre größte Krise seit der Abdankung Edwards VIII. 1936. Die königliche Familie hatte sich in den ersten Tagen nach dem Unfalltod Dianas unfähig gezeigt zu verstehen, warum die Briten so ungeheuer emotional reagierten, und selber nicht öffentlich getrauert.

Seitdem haben die Windsors viel dazugelernt, insbesondere das Herzogspaar Cambridge und Harry haben schon viel dafür getan, die Monarchie für die Zukunft fit zu machen. Doch was passiert, wenn Prinz Charles eines Tages den Thron besteigt, ist kaum vorherzusehen.

Als in Ascot die Queen mit der Kutsche auf der Rennbahn eintraf, brachen die Gäste, die denn Weg säumten, immer wieder spontan in "God save the Queen - Long Live the Queen!"-Rufe aus. Man kann nur hoffen, dass sie wirklich noch lange leben möge, damit ihre Untertanen nicht in dieser schwierigen Zeit ihr wichtigstes Symbol der Einheit und Stabilität verlieren.

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