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Klohäuschenrennen: Schnell auf Klo: Ich wollte nur ein bisschen auf die Schüssel hocken, doch dann musste ich ziehen

Wenn’s blöd läuft, muss man auf die Toilette rennen. Wenn’s gut läuft, sprintet man mit einer. Wo das geht? Beim Klohäuschenrennen im australischen Outback. Unsere Reporterin war dabei. Und erlebte einige unschöne Überraschungen.

Von Nele Justus

So kommst du zum Klohäuschen-Rennen in Australien: Bis Brisbane fliegen und von dort weiter bis Longreach. Dann musst du dich nur noch in ein Auto setzen und fährst zwei Stunden fast immer geradeaus.

So kommst du zum Klohäuschen-Rennen in Australien: Bis Brisbane fliegen und von dort weiter bis Longreach. Dann musst du dich nur noch in ein Auto setzen und fährst zwei Stunden fast immer geradeaus.

Nur noch ein letzter Stopp, um die Klobürste aufzulesen. Mein Herz wummert, die Beine brennen. "Go, go, go, go!", ruft mein Teamkollege Darren von rechts. Wir rennen wieder los, ziehen unser Klohaus die letzten 100 Meter im Vollsprint bis über die Ziellinie und kollabieren im Gras. Ich bin kurz vorm Kotzen, was nicht an den Jägermeistern liegt, die wir zum Aufwärmen getrunken haben. Wirklich. Ein Klohäuschen zu ziehen, das weiß ich jetzt, ist weder etwas für schwache Nerven, noch für schwache Beine. Und klar im Vorteil ist, wer weiß, worauf er sich einlässt. Ich also nicht.

Ich dachte nämlich, das wird der einfachste Job der Welt. Ein bisschen auf der Schüssel hocken, mich von meinem Team über den Parcours kutschieren lassen und auf dem Weg kurz aussteigen, um Klopapier, Klobürste und Zeitung einzusammeln. Easypeasy. So hatte ich mir das vorgestellt. Aber dann kam mir das Kleingedruckte in die Quere. Diese lästigen Zeilen, die man nie liest, weil man naiverweise davon ausgeht, dass eh nur Blabla drinsteht, und sich dann mit einem lebenslangen Klingeltonabo rumschlagen muss. In diesem Fall stand da: "Der Jockey des Dunny Derby muss mindestens 75 Kilo wiegen." Selbst wenn ich eine Woche durchgefressen und die Arschbacken bis nach dem Rennen zusammengekniffen hätte, wäre das ein knappes Höschen geworden. Ich bin zu leicht. Deswegen muss ich jetzt also das Klohaus ziehen, statt einfach nur drinnen zu sitzen. Selbst Schuld.

"Wie war’s?", fragt mich Marketingmanager John und hält mir eine Fernsehkamera direkt ins Gesicht. "Holy shit, war das anstrengend!", antworte ich unter Keuchen. Da lacht er laut, denn hier dreht sich alles um die Wurst. 20 Teams sind heute angetreten. Sie heben den Fäkalhumor auf ein neues Level. Sie heißen Poo Crew, Poohemian Crapsody und Dolly Fartons. Wir sind übrigens die Sauerkrapps, ein Wortmix aus Sauerkrauts, wie die Aussies uns Deutsche gerne nennen, und to crap, also scheißen.

Schnittig geformt, gemütliche Klobrille

Optisch gesehen ist unser Klohäuschen der Ferrari unter den Renn-Dunnys. Schnittig geformt, gemütliche Klobrille, Griffe zum Festhalten für den Jockey. Nur was die Materialien angeht, liegen wir eher bei solider Mittelklasse als bei Formel 1. Unser Plumpsklo ist aus massivem Holz, was es zwar unkaputtbar macht, aber gleichzeitig so schwer, dass es mir vorkommt, als würde ich meinen VW-Bulli über das Footballfeld ziehen, auf dem das Rennen stattfindet. Mit neidischen Blicken beäuge ich die federleichten Spanplatten- und Wellblechvarianten der Konkurrenz.

Untenrum luftig, so ertragen die rund 3000 Party-People selbst die 37 Grad im Outback

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Aber beim Dunny Derby zählt nicht nur Tempo, auch Optik, Kostüme und Auftritt werden gewertet. Um das Klischee der Deutschen zu bedienen, haben wir ein Alpenpanorama auf das Holz­gestell gepinselt. Denn wir Germans wohnen in der Vorstellung vieler Aussies natürlich in Bayern, essen jeden Tag Schweinshaxen und trinken schon zum Frühstück Bier, literweise. Unsere Team-Outfits: Lederhosen und Dirndl, was denn sonst.

Nur bei einer Bitte meiner australischen Teamkollegen komme ich etwas mehr ins Schwitzen, als es bei den 37 Grad eh schon der Fall ist: "Wir brauchen eine Choreografie zum Einlaufen", sagt mir Darren, 30. Er hat bereits zweimal beim Dunny Derby mitgemacht und ist damit der Pro aus unserem Team. Wenn er keine Klos zieht, arbeitet er übrigens als Pferdetrainer. Als ein höflicher noch dazu. Zu seinem Border Collie Gus sagt er nach jedem Kommando "danke". Jetzt meint er: "Ihr habt doch in Deutschland diesen funny dance, bei dem ihr hüpft und auf die Knie klatscht." "Den Schuhplattler?", frage ich ihn und suche ein Video raus. "Ja, genau! Bring uns den doch kurz mal bei!" Ähhhh, ja. "Du, ich komme aus Hamburg, da tanzen wir den nicht", setze ich an, besinne mich aber schnell darauf, dass nur Spielverderber nach Ausreden suchen. Also verwende ich die nächste Stunde für den "Anfängerkurs im bayrischen Schuhplattler-Tanzen" bei Youtube. Sehr empfehlenswert. Fotografin Pia hält mein Handy so, dass ich die Schritt-für-Schritt-Anleitung sehen kann, und dreht gleichzeitig mit ihrem Handy Videos von meinen tänze­rischen Fehltritten. Freundlicherweise schickt sie die direkt an die JWD-Redaktion. Danke noch einmal dafür. Das wäre wirklich nicht nötig gewesen. (Anm. der Redaktion: Doch, doch! Wir danken.)

Heute mal in anderer Uniform: die Army-Boys als Bob der Baumeister

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Am Rande des Footballfelds, auf dem sich normalerweise die Diamantina Devils batteln, reihen wir uns zur Einlaufparade auf. Vor uns steht das Team des Bürgermeisters, die Texas Long Drops. Sie haben sich als Cowboys verkleidet, mit nackten Plastikarschbacken, die in der Sonne glänzen und die sie abwechselnd von links nach rechts shaken. Auch eine Art des Stimmenfangs. Die Seniorinnen in der ersten Reihe scheinen jedenfalls sehr angetan von ihrem Stadtoberhaupt.

Kuhscheiße- und Körbewerfen

Hinter uns wartet Think Big, ein in der Namenswahl nicht ganz so kreatives Team der Army, das extra die knapp 600 Kilometer aus Townsville angereist ist, um sein Regiment zu vertreten. Beim gestrigen Pub Crawl, wo sie als Bob-der- Baumeister-Trüppchen von Bar zu Bar gezogen sind, um sich mit anderen nicht nur im Biertrinken, sondern auch im Murmelspielen, Kuhscheiße- und Körbewerfen zu messen, haben sie sich recht ansehnlich geschlagen. Ehre, wem Ehre gebührt. Nun stehen sie da, stretchen sich und schlagen sich mit viel Wumms auf die Schulter. Da merkt man sofort, warum diese Jungs beim Militär gelandet sind: Sie wollen siegen.

Was macht der Fuß da? Winton ist die Dino-­Capital Australiens

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Das Klohäuschenrennen ist das große Finale des Outback Festivals, das alle zwei Jahre in Winton im australischen Bundesstaat Queensland gefeiert wird. 860 Menschen leben in diesem verschlafenen Nest mitten im Nirgendwo, das aussieht wie eine Westernstadt und sich in den letzten fünf Jahrzehnten kaum verändert hat, wie man auf den verblichenen Postkarten im Gemischtwarenladen Searls an der Hauptstraße erkennen kann.

Winton ist einer dieser Orte, die man nur noch selten findet. In dem die Leute nicht nur ihre Haustüren, sondern auch ihre Autos offen stehen lassen, mit dem Schlüssel im Zündschloss. In dem man für eine Strecke von 500 Metern eine Stunde braucht, weil man alle paar Meter stehen bleibt, um mit jemandem zu reden. In dem morgens die Kängurus auf dem Sportplatz der Schule grasen und die coolen Jungs und Mädchen Cowboyhut und Jeans tragen, weil das einfach zum guten Stil zählt.

Früher wohnten fast dreimal so viele Menschen hier. Aber jahrelange Dürre, eine Umgehungsstraße und der Zusammenbruch der Schafzucht führten dazu, dass viele wegzogen. Weil es keine Jobs mehr gab und andernorts mehr zu holen war. Selbst die Trucker hielten nicht mehr, um an einem der Waterholes, wie die Einheimischen ihre Pubs nennen, ein Bierchen zu kippen.

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker: Die Austin Pooers sind das Apotheker-Team aus Winton

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"Ohne das Outback Festival würde es die Stadt wohl nicht mehr geben", sagt die Hauptorganisatorin Robyn, eine drahtige 72-Jährige mit leicht gebeugtem Rücken, die nie still sitzt. Vor 47 Jahren fingen sie und eine Handvoll Freiwilliger an, Ideen zu sammeln, um die Stadt vorm wirtschaftlichen Niedergang zu bewahren. Das Festival war ihre Lösung. Es bietet denen, die weggegangen sind, einen Grund wiederzukommen und hebt Winton auf das Radar von jenen, die noch nie etwas davon gehört haben. Und das sind viele.

Australiens bester Peitschenknall-Entertainer

Dabei ist Winton genau genommen eine Kleinstadt der Superlative. Der weltgrößte Liegestuhl? Yup, den findet ihr hier, und zwar in einem der zwei letzten Outdoor-Kinos Australiens. Die größte Ansammlung australischer Dinosaurierfossilien? Ist nur 24 Kilometer entfernt. Und "Waltzing Matilda", Australiens bekanntestes Volkslied und die inoffizielle Nationalhymne, wurde in Winton im North Gregory Hotel zum ersten Mal vorgetragen. Deswegen existiert dort auch das einzige Museum der Welt, das sich einem einzigen Song widmet.

Sieht aus wie im Western? Genau deswegen kommen immer mehr Filmcrews, um rund um Winton zu drehen

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Doch trotzdem: All das reicht eben nicht aus, um Touristenströme in diese karge Einöde zu locken. "Die Leute wollen mehr, die wollen Events", sagt Robyn. "Und wer unseres einmal erlebt hat, der kommt wieder." Denn das Outback Festival bedeutet fünf Tage Halligalli. "Kein bisschen kultiviert", erzählt die Seniorin, "dafür mit jeder Menge ehrlichem Spaß."

Ehrlicher Spaß bedeutet etwa Schafswolleballenwettrollen (Team JWD holt den zweiten Platz), Eierweitwurf (eine sehr schmierige Angelegenheit, wenn einem das rohe Ei in der Hand zerplatzt) oder Peitschenknallen lernen mit dem besten Peitschenknall-Entertainer Australiens. Ja, den gibt es wirklich. Nach einer Stunde Training habe ich Blasen an den Händen und verstehe nun, warum hier alle Hut tragen. Weil man nämlich sonst in der prallen Sonne einen Hitzschlag bekommt oder sich (wie ich) die Peitschenschnur so hart auf die Ohren zimmert, dass man denkt, sie fallen einem im nächsten Moment ab.

Was die da treibt? Na Kuhfladenweitwurf natürlich

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"Please give a warm welcome to team Sauerkrapp!", ruft der Ansager ins Mikro. "After the Munich beer fest straight to the Winton crapfest. All that drink and wurst has to end up somewhere!" Unter diesen warmen Worten laufen wir ein. Renee, unser Crapper, also Scheißer, wie die Position des Jockeys auch gern genannt wird, muss noch schnell zum Wiegen, so will es das Regelwerk, damit sich keiner einen unsportlichen Vorteil verschaffen kann. Hier geht’s schließlich nicht nur um Spaß und Ruhm, sondern auch um Geld. 1200 australische Dollar (immerhin rund 740 Euro) sind als Siegesprämie ausgerufen, plus eine hölzerne Kloschüssel als Trophäe, beides gesponsert von Quilton, einem Toiletten­papierhersteller, der für samtweiche Produkte steht, wie mir einige glaubhaft versichern. Nachgeprüft habe ich das jedoch nicht. Mit einem überdimensionierten Oma-Unterhöschen aus weißer Baumwolle kommt Renee wieder. Die Granny Pantys muss sie sich zum Start um die Knöchel schlingen und damit die ersten 25 Meter rennen. Schon mal probiert? Nichts leichter als das.

"Ready, steady, go!"

"Seid ihr bereit?", dröhnt der Ansager aus den Lautsprechern. "Ready, steady, go!" Die Jockeys laufen los, und sobald Renee sitzt, geben wir Vollgas. Wir rasen an allen vorbei, liegen vorn. "Ach du Scheiße", denke ich. "Wir können das wirklich packen!" In meiner Vorstellung recke ich schon die Trophäe in die Höhe und schicke glorreiche Siegesfotos in die Heimat. Wie töricht. Das linke Rad kippt ein, blockiert, Funken sprühen. Unsere Konkurrenz zieht an uns vorbei. Wir mühen uns ab, Meter um Meter, immer weiter. Wir stöhnen und fluchen.

"Tretet dagegen!", ruft Darren unseren Hintermännern zu. Das tun sie. Einmal, zweimal, dann läuft’s wieder. Als Letzte sprinten wir durchs Ziel.

Aber was soll’s, shit happens. Und dabei sein ist alles. Sagt man doch so, oder? Darauf noch einen Jägermeister. Cheers.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.