HOME

"Germany's next Topmodel": Wo ist die Drama, Baby?

Kaum ist der neue Uri Geller gefunden, macht sich auch Heidi Klum bei ProSieben auf die Suche nach dem neuen Topmodel. Die erste Folge der dritten Staffel hatte eigentlich alles, was das Quotenherz begehrt: Tränen, nackte Pos und peinliche Laufsteg-Ausrutscher. Aber was nützt das alles, wenn einer fehlt: Bruce Darnell.

Von Katharina Miklis

Der Wahrheit ist: Ohne Bruce Darnell ist "Germany's next Topmodel" fuckin' boring. Ohne die erbrochen Deutsch und der amazing Drama von der an die Wasser nah gebaute Bruce, fehlt die Show einfach die Heart. Der neue Jury - wie eine Robot. Oh Bruce... Where are you?

Da Bruce Darnell jetzt bei der ÄiArDi, also bei der ARD, ist und sich um hässliche Menschen kümmert, muss sich bei der neuen Staffel von "Germany's next Topmodel" jemand anderes um die schönen Menschen kümmern. Und das ist Rolf Scheider. Keine Frage, ein erfahrener Mann im Modelbusiness. Casting-Director, seit Jahren erfolgreich in Paris tätig und und und. Das hört sich alles gut an. Aber wollen wir das wirklich sehen? Nein. Wir wollen niemanden, der eine lange Kundenliste hat und sich mit Spots und Shoots und Maßen und dem ganzen Fashion-Firlefanz auskennt. Wir wollen jemanden, der total durchdreht, wenn eines der Mädchen gut über den Laufsteg läuft. Einen, der dann anfängt zu flennen und wimmert: "Du bis so sehr wunderwunderschon!". Einen, der den Models sagt, wo es langgeht - "the jacket was good, your face was shit and your walk was horrible". Und einen der auf seine natürliche, liebenswerte Art die besten Tipps in Sachen Mode verrät - "Da Handetasche muss labendig sein!"

Wer wird das nächste Klobürsten-Gesicht?

Natürlich wird "Germany's next Topmodel" trotzdem wieder von allen geguckt. Auch ohne Bruce. Warum? Weil es einfach ein Genuss ist zuzusehen, wie sich die schönen Modelmädchen für die Jury zum Horst machen. Davon bekam man schon bei der ersten Folge der dritten Staffel einen Eindruck. 120 Möchtegernmodels mussten sich im Schnelldurchlauf vor Casting-Director Rolf Scheider, Model-Agent Peyman Amin und natürlich Show-Chefin Heidi Klum präsentieren. "Tu doch mal so, als müsstest du in einem Werbespot eine Klobürste verkaufen", bittet Scheider eines der Mädchen. Was bei einem Spieleabend unter Freunden schon peinlich sein kann, wird vor einem Millionenpublikum zur Katastrophe. Aber was tut man nicht alles um Topmodel zu werden und das Gesicht von Versace, Van Noten oder Victorias's Secret zu werden. Oder halt von C&A. So wie Barbara Meier, Finalistin der zweiten "Topmodel"-Staffel. Auch ein Ziel.

Die Quoten-Dürre wird nach Hause geschickt

Die neue ProSieben-Fleischbeschau fängt also ungefähr so an, wie man es erwartet hatte. Kaum sind die ersten zwei Sendeminuten um, ist das Gezicke schon groß. "Boah, ist die hässlich". "Die trägt ja kein Höschen!" Der Denver Clan kann einpacken. Natürlich schickt Heidi auch eines der Mädels nach Hause, weil es zu dünn ist. Die ewigen Vorhaltungen, die Casting-Show verführe Jugendliche zur Magersucht, will sich ProSieben wohl nicht mehr anhören und schafft sich gleich ein medienwirksames Paradebeispiel dafür, wie sehr auf die Gesundheit der Kandidatinnen geachtet wird.

Langsam bekommt man auch schon eine Ahnung, wer in den nächsten Wochen für reichlich Unterhaltung in der Model-WG sorgen könnte. Da wäre zum Beispiel die platinblonde Proll-Braut Gina-Lisa. Sie steht auf dickes Make-up, falsche Wimpern, Playboybunnies und vor allem: sich selbst. Oder Sarah, die als Kind "dick und hässlich" war, jetzt aber gerne aussehen würde wie Paris Hilton. Hier und da könnte man fast vermuten ProSieben hätte zur Belustigung der Zuschauer ein paar hoffnungslose Fälle in die nächste Runde rutschen lassen. Einfach nur schön ist langweilig.

Blitzende Busen und nackte Hintern auf dem Laufsteg

Die jungen Dinger, die es noch einmal in der Dorfdisco beim Modelcontest versuchen dürfen, sind schnell aussortiert. Für die verbleibenden 50 geht es schon direkt am nächsten Tag in die große weite Welt. Nach Barcelona. Dort sollen sie für Designer Philipp Plein auf den Catwalk. Zusammen mit Topmodel Marcus Schenkenberg. Ein Desaster. Absätze knicken weg und nicht nur die Nerven liegen blank: Miss Frankfurt macht ihre ersten Erfahrungen mit blitzenden Busen und nackten Hintern auf dem Laufsteg: "Oh mein Gott, jetzt hat halb Barcelona meinen nackten Po gesehen!" Pssst, nicht weitersagen: Nicht nur halb Barcelona. Dass die Kameras von nun an überall dabei sind, daran müssen sich die Mädchen noch gewöhnen.

30 Model-Anwärterinnen sind weiter. Jetzt geht das Hauen und Stechen los. Die Siegerin erhält bei der Modelagentur IMG einen Vertrag und kommt auf das Titelbild der Zeitschrift "Cosmopolitan". Bis dahin müssen die Mädels allerdings noch einige peinliche Aktionen über sich ergehen lassen, die im wahren Leben kein Model der Welt ertragen muss. Absätze werden brechen, Intrigen gesponnen und Tränen werden fließen. Und kein Bruce weit und breit, der sie trocknet. Das könnte auch ProSieben ein paar Tränen kosten. Einen Bruce Darnell ersetzt man nicht durch eine Schnarchnase. Da muss schon mehr geboten werden. Einem Uri Geller nimmt man ja auch nicht einfach seine Löffel weg. Wir wollen Drama, Baby!

"Germany's next Topmodel - by Heidi Klum", donnerstags um 20.15 Uhr auf ProSieben