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"Sober Buddies": Aufpasskommando für Multimillionäre

Im Zuge der jüngsten Drogen- und Alkoholwelle, die durch Hollywoods Prominenz schwappt, macht sich ein neuer Trend breit: Dem gefährdeten Star wird ein braver Begleiter zur Seite gestellt.

Von Frank Siering, L.A.

Owen Wilson badet im Pazifik. An seiner Seite: Anthony Kiedis, Frontman der Red Hot Chilli Peppers, und seit dem angeblichen Selbstmordversuch von Wilson dessen "Sober Buddy". Lindsay Lohan spaziert durch die Berge von Utah. Neben ihr ein Zwei-Meter-Hühne, der nur dann von ihrer Seite weicht, wenn sie auf die Toilette verschwindet. David Hasselhoff hängt am Handy. Jeden Morgen um acht Uhr und jeden Abend um 22 Uhr telefoniert er mit seinem zugeteilten Aufpasser und berichtet von seinen täglichen Aktivitäten. Der "Sober Buddy" hört zu und macht sich Notizen.

Hollywoods Prominenz entdeckt dieser Tage einen interessanten Reha-Ersatz. Ein ständiger Begleiter, der sich rund um die Uhr um Ex-Alkis, Ex-Drogis oder Ex-Partylöwen kümmert. Angeheuert von den Stars selbst - genannt "Sober Buddy" (aus dem Englischen, sober bedeutet stocknüchtern, Buddy bedeutet Kumpel).

Sucht und Absturz in aller Öffentlichkeit

Douglas Caine ist der Gründer von "Sober Champion", einer Organisation mit Büros in Los Angeles, New York und London. Orte, an denen sich Hollywoods A-Prominenz gerne herumtummelt und leider oftmals nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch die "Drugs du jours" genießen. "Berühmte Menschen finden leichter Zugang zu Drogen und Alkohol, weil sie meist von vorne bis hinten bedient werden", sagt Caine. Nur zu leicht fällt es deshalb, den Verlockungen zu erliegen. Was folgt ist die Sucht und der Absturz vor den Augen der Öffentlichkeit. Für 450 Dollar bis 1500 Dollar am Tag kann sich ein Hollywood-Promi jetzt einen "Sober Buddy" zur Seite stellen lassen. Meist selbst ehemalige Abhängige, die als Gesprächspartner und Aufpasser für den Klienten da sind. "Der 'Sober Buddy' kennt die Probleme des Abhängigen, weil er selbst schon einmal dieselben Erfahrungen und Ängste durchlebt hat", sagt Caine. Und fügt hinzu, dass es sich hier nicht um einen "Kumpel" oder bezahlten Freund handelt. Der "Sober Buddy" ähnelt eher einem Wachsoldaten, der dem Klienten kaum von der Seite weicht.

Preiswerter Ersatz für Reha-Klinik

Einziger Nachteil des "Buddies": Er kann selbst wieder rückfällig werden und würde damit zur Belastung für seinen Klienten werden. Trotzdem etabliert sich der "Sober Buddy" immer häufiger als Alternative zum teuren Aufenthalt in der Reha-Klinik. Selbst Gerichte ordnen mittlerweile an, dass der drogenabhängige Star sich einen dieser trockenen Begleiter zur Seite stellen muss.

Manchmal entwickeln sich auf diese Art und Weise aber dann doch echte Freundschaften. Robert Downey Jr. zum Beispiel. Als er eines Morgens volltrunken in einer Gasse lag entschied der Filmstar, seiner Alkoholsucht ein Ende zu setzen, ist noch heute mit seinem "Sober Buddy" sehr gut befreundet. Downey soll ihn sogar auf seine Ferienreisen mitgenommen haben. Und auch Owen Wilson scheint die Idee des organisierten Kumpels gut zu finden. Kidis, selbst ein Promi und einstiger Drogenabhängiger weiß, dass der Komiker im Moment eine schwere Zeit durchmacht und jede Unterstützung brauchen kann, die er findet. Warum also nicht auch mal zum Baden mit dem "Sober Buddy"? Nun hilft Caine allerdings nicht nur Prominenten. "Viele unserer Klienten stammen aus der Geschäftswelt, sind hart arbeitende Menschen, die mit dem täglichen Druck manchmal nur klar kommen, indem sie Drogen nehmen", sagt Caine.