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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Bohlen will einen "richtigen" Mann

Während Lindsay Lohan die Abwärtsspirale tanzt, will Scooter das "Musikantenstadl" aufmischen. Und Dieter Bohlen entdeckt sein ganz eigenes Supertalent.

Von Stefan Mielchen

Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder: Handschellen! Unsere beiden Lieblings-Racker sind in dieser Woche mal wieder mit ihren lustigen Verhaltensauffälligkeiten in die Schlagzeilen geraten: It-Girl-Darstellerin Lindsay Lohan wurde in Handschellen abgeführt. Und Skandalsänger-Darsteller Pete Doherty stottert jetzt 30.000 Euro Strafe in Raten ab, weil er nicht nur ein besonderes Verhältnis zu Alkohol und illegalen Spaßmachern hat, sondern auch zum Eigentum anderer Leute. Doherty ist so etwas wie die wandelnde Shell-Jugendstudie: Der junge Mann hat ständig vollgetankt! Und weil das selten bleifrei vonstatten geht, lässt er mitunter auch den Tiger raus, am liebsten in Berlin.

In Kreuzberg hatte er sich vor zwei Jahren an die ortsüblichen Gebräuche gehalten: Erst wurde sehr tief ins Glas geschaut, dann ein Pkw entglast. Das fand die Polizei gar nicht lustig, ein Richter verdonnerte den Babyshambles-Frontmann zu der hohen Geldstrafe. Doch Pete ist dauerklamm. Die vielen Deckel in den vielen Kneipen, die täglichen Gute-Laune-Macher: Da bleibt nicht viel übrig. Jetzt endlich einigte sich sein Anwalt mit den Behörden. In den nächsten fünf Jahren drückt der 31-Jährige monatlich brav seine 500 Euro ab - dann ist er wieder der Liebling Kreuzbergs.

Lindsays neuer Armschmuck

Eine Summe, über die Lindsay Lohan nur müde lächeln kann. In ihrem Fall zog der Anwalt mal eben 100.000 Dollar Kaution aus der Tasche, nachdem sie zuvor in Handschellen abgeführt wurde. Zu den üblichen Kaltgetränk-Exzessen und bewusstseinserweiternden Eskapaden kam bei der 25-Jährigen zuletzt die eher unkonventionelle Aneignung einer Halskette hinzu. Macht unterm Strich 480 Stunden Sozialdienst. Doch Lindsay mochte nicht im Frauenhaus arbeiten und im Leichenschauhaus gleich gar nicht! Ersteres kann man ja noch verstehen. Letzteres allerdings nicht: Der Anblick der Toten kann bei einer wie ihr auch nicht schlimmer sein als der tägliche Blick in den Spiegel.

Hierzulande ist es um die It-Boys ebenfalls nicht zum Besten bestellt. Erst letzte Woche verriet ZDF-Urgestein Dieter Thomas Heck, dass er im vergangenen Jahrtausend fast einmal seine Frau erwürgt habe. Der Interpret unvergessener Lieder wie "Hippe di hop, mein Mädchen" ließ aber noch so rechtzeitig ab, dass er nicht mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Nicht auszudenken, was uns bei einer Inhaftierung des Schnellsprechers alles erspart geblieben wäre. Etwa die gefürchteten "Hitparaden"-Auftritte von Tony Marshall, der noch immer als Stimmungskanone durch die Festzelte zieht, um der Generation Truthahnhals den letzten Kick zu geben. Das hat er mit 73 doch gar nicht mehr nötig - so dachte man bisher. Doch "Bild" fragte in dieser Woche "Ist Tony Marshall pleite?" Um die Antwort gleich mitzuliefern: Miete statt Eigenheim, die Oldtimersammlung verkauft, auch die Villa in Florida ist futsch, und der Offenbarungseid soll angeblich kurz bevorstehen. Heute haut der Tony nicht mehr auf die Pauke! Ost-Immobilien sollen ihm das Genick gebrochen haben, sagt er. Aber: "Ich bin nicht pleite." Und: "Für mich ist nur wichtig, dass ich für mein Publikum singen kann." Wie es aussieht, müssen wir das jetzt noch länger ertragen.

Hyper! Hyper! im Musikantenstadl

Doch immer noch besser eine "Schöne Maid" als das, was uns schon bald im Ersten Deutschen Fernsehen droht. H.P. Baxxter, Frontmann der gefürchteten Krachmacher-Kombo "Scooter", ist auch schon 45 - und gehört damit mittlerweile zur Zielgruppe des Musikantenstadls. Genau dort will der wasserstoffblonde Technoveteran jetzt auftreten. Dem "Kölner Express" drohte er an: "Über eine Einladung von Andy Borg würde ich mich freuen - und ich würde sie annehmen." Das lässt sich der Wonneproppen der Volksmusik natürlich nicht zweimal sagen. Der Andy will jetzt sein ewiges "Adios Amor" als Duett im Scooter-Sound interpretieren: "Wenn H.P. bereit ist, stadlmäßig in Krachledernen bei uns aufzutreten", wie er betont. Kein Problem: Silvester wollen es die beiden Musikavantgardisten bereits krachen lassen. "Hyper, Hyper" im Stadl: Da dürfte so manche Omi im Fernsehsessel hyper-ventilieren!

War sonst noch was? Na klar! Supersympath Dieter Bohlen zeigte sich in dieser Woche mal wieder von seiner besonders liebenswerten Seite. Wie die "Abendzeitung" berichtete, bestellte er sich einen "richtigen Mann" auf sein Münchner Hotelzimmer. Allerdings nicht für gewisse Stunden, da sei Gott vor! Bohlen wollte sich sein wallendes Haupthaar richten lassen und wurde bei Promifigaro Wolfgang Lippert vorstellig. Um bei dem besonderen Zimmerservice (280 Euro die Stunde) keine falschen Schlüsse aufkommen zu lassen, bestellte Bohlen bei Lippert einen "richtigen Mann" - womit der Friseur einen Augenblick überfordert schien. "Ich hab zuerst gar nicht richtig kapiert, was er da wollte", erklärte Lippert dem Blatt. Dann sei Bohlen deutlich geworden und habe nach einem heterosexuellen Mann verlangt. Die Erledigung dieser Aufgabe erforderte nun wiederum den ganzen Kerl: In Lipperts Salon kamen für diesen heiklen Job nämlich nur ganze vier von 40 Angestellten in Frage! Damit nicht nur das Klischee, sondern auch Bohlen bedient werden konnte, musste schließlich Hairstylist Christian dran glauben. Er durfte den Poptitan beschneiden, aber weder föhnen noch stylen. Das nämlich macht der Dieter selbst. Der Mann mag bis in die blondierten Haarspitzen homophob sein. Aber er ist eben auch ein echtes Supertalent.