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Abgewatscht!: Musik dufte, Film grütze

Berlinale, Goldene Kamera, Echo - die Rote-Teppich-Saison ist in vollem Gange und so mancher Promi benimmt sich gehörig daneben. Der neue stern.de-Kolumnist Stefan Mielchen schaut den Reichen und Schönen auf Maul und Hintern und gibt seinen Senf dazu.

Promialarm in Berlin – zwei Wochen lang strahlte die Hauptstadt in einem Glanz, als hätte es die Mauer nie gegeben. Hollywood light an der Spree: Goldene Kamera, Berlinale, Echo-Verleihung! Stars satt, Blitzlichtgewitter, Partymarathon - man kam kaum noch nach. Wer hat eigentlich so viele Klamotten im Schrank, dass man das alles durchsteht? Und wer weiß, wie man auf dem roten Teppich trotzdem eine gute Figur macht?

Eigentlich nur einer - doch der war nicht mal dabei: Bruce Darnell ist schließlich selbst das Ereignis! Er wurde nicht nur in Berlin nicht gesehen - auch seine ARD-Quote war dermaßen unterirdisch, dass der Schönheitscoach zum Heulen künftig in den Keller geht. Wenn Darnell seine schwarze Stylingmesse liest, bleibt kein Auge trocken.

Dabei leistet der Mann ja kaum etwas - außer, in fließend gebrochenem Deutsch als beste Freundin fremden Frauen um den Hals zu fallen. Doch die scheinen eher ein Fall für die Verhaltenstherapie zu sein als für eine quietschbunte TV-Show. Madeleine etwa, Kurierfahrerin aus Frechen, die unter extremen Kontaktängsten leidet. Kein Wunder, wenn der eigene Mann im Fernsehen Sätze sagt wie diesen: "Madeleine ist eine kleine Raupe und ich hoffe, dass Bruce einen Schmetterling aus ihr macht!" Wer einen solchen Gatten hat, braucht keine Feinde, sondern einen Anwalt. Oder aber Bruce und seine beiden Assistentinnen, die durch ihren Einsatz mit vier Händen aus Madeleine eine für Frechener Verhältnisse dann doch sehr vorzeigbare Frau zaubern. Vielleicht hat sie ja jetzt auch ihre Kontaktängste überwunden und fällt den Kurierdienstkunden künftig á la Bruce mit einem fröhlichen "sexy, sexy, sexy" um den Hals.

"Mann oder Frau - wer weiß es genau?"

Apropos sexy: Maybritt Illner zeigte sich in dieser aufregenden Berliner Woche erstmals offiziell mit ihrem neuen Lover René Obermann. Gott sei Dank hat sie sich den Mann von der Telekom gegriffen und nicht den von der Briefpost, sonst hieße ihre Sendung demnächst "Berlin Tegel" - da steht der größte Knast der Republik. Die Liechtensteiner Polka des Oberpostbeamten Zumwinkel wurde diese Woche unsanft beendet - recht so. Walter Sparbier dürfte sich im Grabe umdrehen!

In selbiges wird sich auch Amy Winehouse bald bringen, wenn sie sich weiter um den Verstand drogt. Dabei wünschte man sich noch viele, viele weitere Grammys für die Dame mit der praktischen Bienenkorbfrisur. Typisch Amerika: Just wegen jener, das Bewusstsein erweiternden, Gewohnheiten verweigert man dem Topact der Verleihung die Einreise ins Land der begrenzten Unmöglichkeiten. Wenn dies der Maßstab ist, dürfte Britney Spears bald auf dem elektrischen Stuhl landen - und die Oscar-Verleihung fiele ebenfalls ins Wasser.

Dann doch lieber das piefige Berlin, in dem man immerhin beobachten konnte, wie Goldie Hawn nachts dermaßen lustig aus dem Grill Royal fiel, dass sie nur dank der starken Arme von Starfrisette Udo Walz noch halbwegs manierlich ins Taxi fand. Dragqueen Olivia Jones verriet derweil ein ganz, ganz großes Geheimnis: "Die wirklich interessanten Partys finden in den Hotelsuiten statt!" Nicht überliefert ist, ob die Zwei-Meter-Transe eine entsprechende nächtliche Einladung erhielt - wer will auch morgens neben einem riesigen Zweithaarhaufen aufwachen und sich sagen hören: "Mann oder Frau - wer weiß es genau?"

Berlinale-Flop im Ritz-Carlton

Bei Madonna ist zumindest diese Frage geklärt. Ihre Regiepremiere spaltete in Berlin das Publikum: "Die Musik war dufte, der Film war Grütze", urteilte ein Zuschauer, und Lindenstraßen-Homo Georg Uecker (auf welcher Party war der eigentlich nicht?) meinte verhalten-diplomatisch: "Zumindest besser als die Filme, bei denen sie vor der Kamera stand." Ob es an derartigen Garstigkeiten lag, dass Frau Ciccone anschließend ihre eigene Party im Bangaluu-Club sausen ließ?

Dort war ja zuletzt Paris Hilton unangenehm aufgefallen, als sie Promotion für ihr Dosenpipi machte - aber wo fällt Paris Hilton eigentlich nicht unangenehm auf? Das neueste Gerücht: Paris soll Modell für die Frauenfiguren gestanden haben, die zum 50. Geburtstag erstmals den bisher rein männlichen Schlümpfen im neuen Disneyfilm zur Seite gestellt werden. Leider, leider nur ein Gerücht…

Als größter Berlinale-Flop dürfte wohl der seit 50 Jahren erstmals ausgerichtete Filmball im Ritz Carlton gelten. Die Stimmung so depressiv wie Stargast Milva. Die 68-jährige "La Rossa" ("Hurra, wir leben noch") mühte sich redlich, konnte aber auch nicht verhindern, dass die Tanzfläche sehr viel Platz für expressiven Ausdruckstanz bot. Dass die Reporter auf Christian Kahrmannn (Benny aus der Lindenstraße, falls sich jemand erinnert…) zurückgreifen mussten, um überhaupt jemand halbwegs Bekannten zitieren zu können, spricht für sich. Trotz Ehrenkarten habe er für die Getränke zahlen müssen, beschwerte sich der Schauspieler: "Ich glaub', es pfeift!" Da stellte es Matthias Schweighöfer ("Der rote Baron") zwei Tage vorher irgendwie geschickter an, als er am Rande einer Party in eine Fernsehkamera lallte: "Ick freue mich schon auf die Berlinale 2009. Und da schaue ick mir dann auch mal einen Film an."

Auch zur Echo-Verleihung kündigte der Nachwuchsstar sein Kommen an - obwohl die "Bild-Zeitung" im Vorfeld schon Geheimnisverrat betrieben hatte. Nelly Furtado, so die ausgebufften Gossenreiter, werde ausgezeichnet - die Liste mit den Namen der Preisträger will "Bild" "rein zufällig" auf der Straße gefunden haben. Nee, is klar, Jungs.

War sonst noch was? Natürlich: Valentinstag, Zeit für Frühlingsgefühle. Dschungelaufreißer Eike Immel soll jetzt angeblich mit Christina "Mausi" Lugner (die Ex des Wiener Bau- und Opernballlöwen) Freistöße üben. Dumm wiederum für Michaela Schaffrath: Immels Busenfreundin aus dem RTL-Camp tappte damit in die Abseitsfalle. Die Bälle sind rund, nach dem Spiel ist vor dem Vorspiel. Abpfiff!

Stefan Mielchen