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Auf der Hollywoodschaukel mit ... Eva Högl Plötzlich gab es wieder - Deutschland


Im Turbotempo steuerten BRD und DDR im Sommer 1990 auf die Einheit zu - was Eva Högl, heute SPD-Fraktionsvize, beunruhigte. Ein Gespräch über Kohl, Brandt, Lafontaine und das holländische Leiden.

Frau Högl, wann war der Sommer Ihres Lebens?
1990.

Warum?


Ich hatte mich vier Semester mit Jura in Osnabrück gelangweilt - und beschloss, mal etwas anderes zu machen. Da ich die Niederländer mag und deren Sprache lernen wollte, bin ich rüber nach Leiden zum Studieren, an die älteste Uni der Niederlande. Anfang August brach ich auf. In meinem dunkelblauen Ford Fiesta.

Und verpassten die Feier der deutschen Wiedervereinigung in Berlin.


Es war ein weltpolitisch extrem bewegtes Jahr. Saddam Hussein war gerade in Kuwait einmarschiert, es lag Krieg in der Luft, und wir waren alle ziemlich besorgt. Zugleich bereitete die Regierung Kohl die Wiedervereinigung vor. Es war spannend zu verfolgen, wie die Niederländer darauf reagierten. Nämlich durchaus skeptisch. Das kleine Land konnte sich nicht einen noch größeren Nachbarn vorstellen. Und wenn, dann nur fest eingebunden in die Europäische Union.

Und Sie?


Ich hätte mir vorstellen können, dass die damalige DDR das Tempo des Zusammenwachsens stärker selbst bestimmt.

Ihre Partei, die SPD, hat sich mit der Einheit schwer getan. Rückblickend ein Fehler?
Das stimmt nicht so ganz. Willy Brandt war sehr klar: "Es wächst zusammen, was zusammen gehört." Dann hatten wir Oskar Lafontaine, der damals sehr pointiert die Frage gestellt hat: Was kostet das? Das wollte aber niemand hören. Ich habe mich seinerzeit intensiv mit Günther Grass auseinandergesetzt, der für eine Konföderation der beiden deutschen Staaten plädierte.

Gehandelt hat Helmut Kohl.


Ja, aber mit falschen Versprechungen. Die "blühenden Landschaften", von denen er sprach, ließen auf sich warten.

Sie sind jetzt Innen- und Rechtspolitikerin und stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion. Hat dieser Sommer 1990 Ihnen klar gemacht, dass Sie Berufspolitikerin werden wollen?


Soweit war ich damals noch nicht. Aber das Thema, das mich bis heute begleitet, hat sich damals buchstäblich mit Leben gefüllt: Europa.

Sie tragen heute wohl nicht zufällig eine orange Bluse - wem haben Sie bei der Fußball-WM eigentlich die Daumen gedrückt?


Ich drücke schon immer Deutschland die Daumen. Aber wenn die nicht gegeneinander spielen, drückt einer meiner Daumen für Holland.


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