Bundespresseball Merkel lässt ihre Minister tanzen


Ist die Kanzlerin ein Tanzmuffel oder nimmt sie Rücksicht auf ihren Ehemann? Einig war man sich nicht auf dem Bundespresseball, warum Angela Merkel wieder nicht erschienen war. Dennoch war die Regierung ordentlich vertreten.

Angela Merkel kam wieder nicht. Lieber ließ die Kanzlerin ihre Minister tanzen. Dabei hätte es beim diesjährigen Bundespresseball in Berlin genügend Gründe zum Feiern gegeben. Die große Koalition steht trotz aller Streitereien seit einem Jahr, und am Nachmittag war der Haushalt mit der niedrigsten Nettokreditaufnahme seit der Wiedervereinigung verabschiedet worden. Doch Merkel zeigte dem Ball, der unter dem Motto "Zauberwelten" stand, wie 2005 die kalte Schulter.

Wie ihre Vorgänger Gerhard Schröder, Helmut Kohl und Helmut Schmidt, die das gesellschaftliche Großereignis in ihren jeweiligen Amtszeiten immerhin ab und zu als Pflichttermin wahrnahmen, zeigte sich Merkel als Tanzmuffel. Die Kanzlerin habe wieder den Eindruck vermittelt, dass Bälle nicht so ihre Sache seien, erklärten die Veranstalter ihre Abwesenheit. Hinter vorgehaltener Hand wurde jedoch kolportiert, Merkel habe auf ihren Mann Joachim Sauer Rücksicht genommen. Der Gang über den roten Teppich wäre für ihn sicherlich kein Vergnügen gewesen, da er als extrem öffentlichkeitsscheu gilt.

Die Gäste des 55. Bundespresseballs nahmen es der Regierungschefin nicht krumm. "Sie hat den NATO-Gipfel in Riga und den CDU-Parteitag in Dresden vor sich. Da kann ich ihre Absage verstehen", sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung, ein Debütant auf diesem Ball. Zudem seien ja neun Minister dabei. "Damit wären wir beschlussfähig." "Jeder von uns darf sich frei entfalten", kommentierte Bildungsministerin Annette Schavan. "Sie hat so viel Arbeit", meinte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee. "Das ist selbstverständlich zu respektieren. Ich wünsche ihr einen schönen Abend", zeigte auch SPD-Chef Kurt Beck Verständnis.

Insgesamt waren rund 2.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien ins Hotel Intercontinental gekommen. Zwar fehlten neben Merkel auch Vizekanzler Franz Müntefering und CSU-Chef Edmund Stoiber. Dafür war die Regierungsmannschaft ansonsten aber gut auf dem Tanzparkett vertreten. Neben den oben genannten kamen auch Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück, Ulla Schmidt, Brigitte Zypries und Thomas de Maizière.

Steinbrück kann nur "Marine-Einheitsschritt"

Gute Tänzer sind die Kabinettsmitglieder aber nicht unbedingt. "Ich kann eigentlich nur Marine-Einheitsschritt", gab Steinbrück zu. Und Schmidt räumte ein: "Ich brauche immer einen guten Tänzer, der mich führt." Das allerdings sei das einzige, bei dem man sie führen dürfe.

Auf dem Presseball lässt es sich bis zum Morgengrauen aber auch anders amüsieren - mit Plaudern, Lästern und an den Büfetts. Dabei waren unter anderem Spitzenpolitiker wie Guido Westerwelle, Claudia Roth, Günther Oettinger und Christian Wulff, Moderatoren wie Marietta Slomka oder Alice Schwarzer, Schauspieler wie Mario Adorf und Veronica Ferres sowie die schwangere Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick. Und natürlich Bundespräsident Horst Köhler, der den Ball traditionell mit einem Walzer mit der Frau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, Ursula Gößling, eröffnete.

Boulevard-Stars á la Dieter Bohlen, der vor drei Jahren im Mittelpunkt stand, waren in diesem Jahr nicht geladen. Vielmehr sei hier die "Verantwortungsprominenz Deutschlands" versammelt, erklärten die Veranstalter. Natürlich war auch dieses Mal die Mode wichtig: Bei den Damen dominierte die Farbe schwarz. Die Frau des Präsidenten, Eva Luise Köhler, machte es vor, trug ein schwarzes, langes Escada-Kleid. Auch Claudia Roth wählte ein Modell von Escada, dies allerdings war bunt und mit Pailletten besetzt.

Stimmung machte unter anderem der junge britische Jazz-Interpret Jamie Cullum, dessen Auftritt auch das Ehepaar Köhler bis kurz vor ein Uhr bewunderte.

Für die Gäste waren rund 1.300 Mitarbeiter im Einsatz, darunter 150 Köche. Serviert wurden unter anderem 5.500 Austern, 1.500 Spanferkelhaxen, 2.500 Currywürste und 250 Peking-Enten.

Vielleicht wird im nächsten Jahr dann doch auch die Kanzlerin dabei sein. Man gebe die Hoffnung nicht auf, Merkel doch einmal zu dem Ball zu locken, sagte der Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Werner Gößling. Das sei bislang bei allen Kanzlern geglückt. Er hoffe einfach, dass die Minister bei der nächsten Kabinettssitzung am Mittwoch so von dem Ball schwärmen würden, dass Merkel einfach gar nicht anders könnte, als nächstes Jahr zu kommen.

Holger Mehlig/AP AP

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