Carla Bruni Präsidenten-Sweet


Liebt der Staatschef die Sängerin? Ganz Paris tuschelt, ob die Turtelei zwischen Macht und Glamour eine große Lovestory wird. Fest steht: Das italienische Ex-Model nimmt sich, wen sie will. Aber meist nicht sehr lang. Nicolas Sarkozy braucht jetzt starke Nerven.
Von Jochen Siemens

Warum, sagte sie einmal zu Karl Lagerfeld, "bin ich nie die Braut in deinen Schauen gewesen?" Das Brautkleid, muss man wissen, ist die Krönung jedes Models in einer Modenschau, ein Handkuss des Designers sozusagen. Lagerfeld lächelte kurz und sagte: "Weil du nicht wie eine Jungfrau aussiehst." "Pas une sainte" (keine Heilige) hört man oft in diesen Tagen an den Tischen der besseren Bistros im Pariser Saint Germain. Es ist nur eine der vielen Geschichten, die hier leise erzählt werden, denn es könnte immer sein, dass die Tür aufgeht und sie selbst hereinkommt. So wie es Carla Bruni vor diesem Samstag vorvergangener Woche oft gemacht hatte, vor diesem Samstag, der ganz Frankreich pünktlich zum Fest der Liebe den Sternenschimmer einer großen Liebesgeschichte bescherte. Die Bruni, Sängerin und Ex-Supermodel, und Monsieur le Président, der frisch geschiedene Nicolas Sarkozy, zeigten sich ausgerechnet im unfranzösischsten Flecken des Landes, im Disneyland Paris, entspannt lächelnd dem Volk.

Zuvor, am frühen Morgen, so der Fotograf Bruno Mouron, der vor Brunis Haus lauerte, "kam sie plötzlich mit einem Auto und einem Leibwächter aus dem Élysée- Palast nach Hause". Das, und so dachte halb Frankreich, "hat uns schon mal gezeigt, dass zwischen den beiden was läuft". Seitdem fahndet das Land nach neuen Indizien einer unerhörten "histoire d’amour", die offiziell nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert wird, was in der skandalerprobten Pariser Presse als Turtelbeweis gilt. Denn immerhin hatten andere Frauen, denen ein Sarkozy-Verhältnis angedichtet wurde (wie die TV-Moderatorin Laurence Ferrari), sofort geklagt. Carla Bruni klagte nicht, und das wissende Lächeln um ihren Mund, als sie neben dem Präsidenten und ihrem sechsjährigen Sohn die Micky-Parade ansah, ließ Frankreich ahnen, dass die Bruni eine neue Trophäe im Fangeisen hat. Nun raunt man, dass sich "Napoleon" Sarkozy nach dem umstrittenen Staatsgast aus Libyen noch mal gesteigert hätte.

"Ich liebe Männer, aber sobald ich sie habe, liebe ich sie nicht mehr"

Denn Carla Bruni, so wird gescherzt, sei eine Art Gadhafi auf langen Beinen. Oder, freundlicher gesagt, eine Frau, die sich nimmt, was und wen sie will. Und solange sie es will. Meistens nicht sehr lange. Bruni, 39, die Anfang des Jahres ihr zweites Album als Sängerin veröffentlicht hat, zitiert dafür gern ein Gedicht von Dorothy Parker: "Ich liebe Männer, aber sobald ich sie habe, liebe ich sie nicht mehr." Und so wird in den Pariser Bistros und unter der "gauche caviar", den Kaviar-Linken Saint Germains, innig spekuliert, ob sich der von seiner Ehefrau verlassene Sarkozy mit Carla Bruni nicht mächtig verheben würde. Denn so zart und katzenäugig sie blicken kann, so kühl und mitleidlos soll sie Männer pflücken, mit ihnen spielen, um sie sodann wegzuwerfen. Nicht irgendwelche Männer, namenlose Manager, spinnerte Künstler; nein, Carla Bruni liebt das Großwild. "Als sie klein war, habe ich mit ihr Rechnen und Schreiben geübt, aber als sie dann größer wurde, brauchte sie keinen Unterricht darüber, wie’s die Bienen und so machen. Das wusste sie, und mit den ersten Jungs wurde sie die Bossin der Bosse", erzählt Brunis ältere Schwester Valeria Bruni Tedeschi, eine in Frankreich gefeierte Schauspielerin.

Die Tedeschis sind alter italienischer Industrieadel, der Großvater gründete den Reifenkonzern CEAT, Carla Bruni wurde in Turin geboren, die Familie zog aber nach Paris, als in Italien die Bedrohung, von den Roten Brigaden entführt zu werden, zu groß wurde. Carla Bruni war ein millionenschweres Sorgloskind, das alle Schulen im Spaziergang und mit Bestnoten hinter sich brachte und anfing, Architektur zu studieren. Als in Paris der Modelboom begann, bekamen ihre katzenhafte Schönheit, ihre langen Beine und die Noblesse ihrer Herkunft sehr schnell einen hohen Marktwert. In der Folge von Linda Evangelista und Claudia Schiffer gehörte sie Mitte der 90er Jahre zu den Supermodels, ein Club, der sie nie sonderlich beeindruckte. Auf die Frage, ob sie sich als "Model mit Hirn" fühle, sah sie bei einer Schau einmal kurz in die Runde und sagte: "Pfft, ist ja nicht so schwer hier, oder?" 1997, als ihr Marktwert sank, verabschiedete sie sich vom Laufsteg. Ihr trockener Kommentar dazu: "Nicht ich habe aufgehört mit Modeln, sondern das Modeln mit mir."

"Bitte Mick, die nicht!"

Und, als sei das Leben eine amouröse Safari, erlegte Bruni ganz nebenbei, wer ihr so in den Sinn kam. Donald Trump soll geweint haben, als sie ihn wieder verließ, und Kevin Costner nach Bruni seinen traurigen Blick bekommen haben. Eric Clapton fühlte sich "geschmeichelt, weil sie erst 21 und sehr sexy war mit ihren langen Haaren und ihrer bemerkenswerten Figur". Dumm nur, dass er Bruni in New York den Rolling Stones vorstellte und noch sagte: "Bitte Mick, die nicht!", aber das war schon zu spät. Ein paar Tage später, so die Legende, schickte Bruni Jagger ein Fax mit den Worten "Let’s spend the night together", was sie auch taten und auch mehrmals, und prompt Jaggers Frau Jerry Hall die Scheidung wollte. Clapton ging Jagger ein paar Jahre aus dem Weg, sagt aber heute: "Später war ich ihm dankbar und hatte zugleich Mitleid mit ihm ..., weil er in ihren Diensten offenbar viel Schlimmes auszustehen gehabt hatte." Als Carla Bruni einmal gefragt wurde, was sie an Männer liebe, sagte sie: "Alles, was ich als Frau nicht habe. Ihre Stimme, ihre Haut, wenn sie sich nicht rasiert haben. Und dann haben sie noch etwas anderes, was wir Frauen nicht haben, aber mir fällt gerade nicht ein, was ..." Auch so ein Satz, den sie sich heute in Paris kichernd weitererzählen. Und sie blättern auch noch mal in Justine Lévys Buch "Nicht so tragisch", traurige Liebesgeschichte und kaum verkleideter Schlüsselroman über den Sommer 2000.

Da fuhr Justine, Tochter des französischen Starphilosophen Bernard-Henri Lévy, mit ihrem Mann, dem Jungphilosophen Raphaël Enthoven, und dessen Vater nach Marrakesch. Vater Enthoven hatte noch seine Freundin mit, Carla Bruni. Als der Sommer vorbei war, hatte der Vater keine Freundin mehr und Justine keinen Mann mehr und Carla Bruni bald ein Kind. Die Bruni heißt in dem Roman Paula, und einige Zeilen könnten nicht böser sein: "... sie trifft ihre Ex ständig. Ich habe Lust zu antworten, dass sie gar nicht anders kann, da sie mit der ganzen Welt geschlafen hat." Das Buch war in Frankreich ein Knüller, und es kam beinahe zeitgleich mit Carla Brunis erstem Konzert. Ihr Album "Quelqu’un m’a dit" verkaufte sich sensationell gut. Bruni sang darauf, spielte Gitarre und hatte die meisten Texte selbst geschrieben. Zu den Bosheiten, sie habe Lévy den Mann ausgespannt, zuckte Bruni nur mit den Schultern, "die waren doch vorher schon auseinander".

"Ich kenne überhaupt erst Stress, seit ich einen Sohn habe"

Auseinander ist Carla Bruni mit Raphaël Enthoven jetzt auch wieder, sie erzieht ihren Sohn allein, "ich kenne überhaupt erst Stress, seit ich einen Sohn habe", sagt sie. Seitdem wartete Frankreich, welche neue Trophäe sich die Bruni holen würde. Dass es nun der Präsident sein könnte, passt ins Beuteschema, "ich wirke nur attraktiv auf mutige Männer. Die Ängstlichen trauen sich nicht an mich heran". Und auch für den liebesverbeulten Sarkozy ist allein das Gerücht ein willkommener Zwölfender, zweifelte das Land doch leise an seinem Können, Frauen zu erobern. So vermochte er nicht einmal seine Ex-Frau Cécila zu überzeugen, ihn zu wählen. Bei Carla Bruni wäre das vielleicht nicht anders. Die engagierte sich vehement für die politischen Gegner Sarkozys.

Mitarbeit: Tilman Müller

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