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Die Kardashians: Eine schöne Bescherung

Kurz vor Weihnachten gibt es noch einmal einen handfesten Skandal für Amerikas erste Reality-TV-Familie. Diesmal geht es um Sweatshops in China, in denen Kardashian-Schuhe hergestellt werden sollen.

Von Frank Siering, Los Angeles

Meistens bestimmt der Kardashian-Clan seine Schlagzeilen selbst. Aber diesmal dürfte es den armenischen Reality-Stars aus Los Angeles mehr als peinlich sein, was da zur vorweihnachtlichen Zeit urplötzlich und ungewollt unter dem Christbaum liegt.

Demnach sollen Modeprodukte der Kardashians in Sweatshop-ähnlichen Verhältnissen in chinesischen Fabriken hergestellt werden. Nach einem Exposé des "Star Magazine" soll die Human Rights Watchdog Organisation "Global Labour and Human Rights" bereits eine Untersuchung eingeleitet haben.

"Die Kardashians machen Geschäfte mit einigen ganz miesen Typen", sagt Global-Labour-Chef Charles Kernaghan. Er spricht von Sklavenarbeit, von 80 Arbeitstunden für Jugendliche im Alter von zwölf bis sechzehn Jahren und von katastrophalen hygienischen Zuständen in den chinesischen Produktionsstätten sowie von Verstößen gegen die Menschenrechte.

Die Profitgier der Kardashians

Die Kardashian-Familie ist bekanntlich in diverse Geschäfte verwickelt. In den USA haben Kim, Khloé und Co. diverse Beauty-, Kosmetik- und andere Lifestyle-Produkte auf dem Markt. Nach dem Report haben die Behörden vor allem ein Augenmerk auf die Kardashian-Label "K-Dash" und die "Kris Jenner Kollection" geworfen. Auch die Marke "ShoeDazzle", ein Unternehmen, das von der immer heftiger umstrittenen Kim Kardashian auf den Markt gebracht wurde, steht in der Kritik.

Der "Star" zitiert Li Qiang, einen Manager der China Labor Watch. Er sagt: "Leute wie die Kardashians produzieren lieber in China, weil sie hier mehr Profit erwirtschaften können. Die Arbeitskraft in China ist immer noch viel billiger als in den USA."

Der Kardashian-Clan soll im vergangenen Jahr rund 65 Millionen Dollar umgesetzt haben. In 2011 dürfte sich der Umsatz sogar noch verbessert haben. Unter anderem auch deshalb, weil allein die ominöse - und bis in die Hochzeitsnacht im TV und Print vermarktete - Eheschließung mit dem Basketball-Spieler Kris Humphries rund 25 Millionen Dollar in die Kassen der geschäftstüchtigen Familie gespült haben soll. Die Ehe wurde nach nur 72 Tagen annulliert.

Familie K. weist jegliche Schuld von sich

Die Kardashians gaben aufgrund des Berichts im "Star" gestern eine Stellungnahme ab. Darin versichern sie, von den Anschuldigungen, dass ihre Produkte in Sweatshops hergestellt werden "nichts gewusst zu haben", und die schnelle Verurteilung ihrer Familie von der Öffentlichkeit für "unverantwortlich" halten.

"Wir haben von diesen Umständen erst aus der Presse erfahren, nehmen es sehr ernst und würden solche Zustände - so sie denn stimmen - natürlich niemals für gerechtfertigt halten", so Jill Fritzo, Sprecher des Kardashian-Clans.

Die Direktorin des International Labor Rights Forums, Judy Gearhart, entgegnet, dass Unwissenheit "keine besonders gute Entschuldigung ist". Hätten sich die Kardashians vorher die Arbeitsvoraussetzungen angeschaut, so hätten sie gemerkt, dass "die Arbeiter hier total ausgenutzt werden", glaubt Gearhart.

Die Zukunft der Marke ist ungewiss

Noch ist ungewiss, was die Kardashians mit der für sie angeblich neuen Information anfangen. Das Geschäft mit der Familienmarke boomt wie nie zuvor, ein handfester Skandal könnte die Geldquelle jetzt schnell austrocknen.

Ohnehin scheint die Marke Kardashian vor einer ungewissen Zukunft zu stehen, wechselte doch Lamar Odom, professioneller Basketball-Spieler und Ehemann von Khloé Kardashian, unlängst von Los Angeles nach Dallas.

Für die Reality-Show der Familie bedeutet das, dass eine der Hauptakteurinnen erst einmal nicht mehr jeden Tag vor der Kamera stehen kann. Es sei denn, der gesamte Kardashian-Clan zieht nach Texas um. Aber das wäre für Kim fast so schlimm wie ein Besuch in einer ihrer chinesischen Fabrikhallen.

Von Frank Siering
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