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Erbschaftsstreit: So gar keine lustigen Witwen

Zwei Italiener von Weltrang: Luciano Pavarotti und Gianni Agnelli, der Opernstar und der Industriekapitän. Sie haben jeweils ein Millionen-Erbe hinterlassen, um das nun erbittert gestritten wird. Und Witwen, denen im Erbstreit die Rolle der Bösen zukommt.

Von Luisa Brandl, Rom

Der eine, Operntenor Luciano Pavarotti, verstarb erst in diesem Jahr und wurde unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Der andere, Industrieller und FIAT-Erbe Gianni Agnelli, ist bereits seit 2003 tot und galt einst als der wahre König Italiens. Beide Männer haben eines gemeinsam: Sie haben jeweils ein Millionen-Erbe hinterlassen, um das nun erbittert gestritten wird. Und sie lassen zwei Ehefrauen zurück, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch auch Nicoletta Mantovani, 37, von der Sekretärin des Tenors zur Ehegattin aufgestiegen, und die neapolitanische Prinzessin Marella Agnelli Caracciolo, 80, haben eines gemeinsam: Beide Frauen müssen sich derzeit öffentlich gegen das Image der gierigen Witwen wehren.

Mantovani steht unter dem hässlichen Verdacht, sich ein Vermögen erschlichen zu haben. Kurz vor seinem Tode Anfang September änderte "Big Luciano" noch mal seinen letzten Willen und richtete einen Fond zugunsten seiner Ehefrau ein. Der umfasst seinen gesamten Besitz in den USA mit einem geschätzten Wert von 15 Millionen Euro. Dazu gehören drei Luxuswohnungen am Central Park in New York und eine Kunstsammlung mit Meisterwerken des Malers Henri Matisse. Das größte der drei Apartments mit 150 Quadratmetern hatte Pavarotti Sophia Loren abgekauft. Auf das Erbe aus Übersee haben die drei älteren Töchter des Tenors aus der Ehe mit Adua Veroni keinen Zugriff. Lorenza, Cristina und Giuliana Pavarotti, die vom Alter her Mantovanis größere Schwestern sein könnten, machen ihr nun das Erbe streitig.

Wie zerrüttet war Pavarottis Ehe?

Ähnlich liegt der Fall Agnelli: Margherita Agnelli de Pahlen, 52, wirft ihrer Mutter Mararella Caracciolo vor, einen Teil der Hinterlassenschaft unterschlagen zu haben. Sie fordert Auskunft über das Privatvermögen ihres toten Vaters. Außerdem verlangt sie Gerechtigkeit für alle Kinder. Sie hat acht Kinder aus zwei Ehen und beklagt, dass nur die drei Erstgeborenen aus der Ehe mit dem Schriftsteller Alain Elkann als Agnellis gelten. Ihre fünf Sprösslinge aus der zweiten Ehe mit dem russischen Grafen Serge de Pahlen spielen keine Rolle im Familienkonzern.

Der Streit unter den Frauen im Leben von Pavarotti erlangte einen Höhepunkt, als heraus kam, dass die zunächst auf 200 Millionen Euro geschätzte Erbschaft wesentlich geringer ausfallen würde. Der Opernsänger hatte durch Fehlinvestitionen einen Schuldenberg von 18 Millionen Euro hinterlassen. Die Zeitungen berichteten, Pavarottis Konto stünde mit elf Millionen Euro im Minus. Hinzu kommen elf Millionen Euro nicht zurückgezahlte Darlehen. Es kursierten auf einmal üble Gerüchte über die Ehe des Weltstars mit seiner 34 Jahre jüngeren Frau, die ihm eine inzwischen vier Jahre alte Tochter gebar. Die Beziehung sei zerrüttet gewesen, hieß es. Pavarotti habe die Scheidung gewünscht.

Krankheit gegen böse Gerüchte

Im Hause Agnelli eskalierte der Streit, als die FIAT-Aktie plötzlich wieder stieg. Margherita Agnelli de Pahlen hatte in einem Erbschaftspakt mit ihrer Mutter 2004 auf alle Firmenanteile verzichtet. Im Todesjahr des alten Patriarchen Agnelli 2003 war die Aktie nicht mehr wert als ein Teller Spaghetti. Der Börsenwert legte 2007 aber über 20 Euro zu. Margherita will nun wieder ins Imperium zurück. "Ich stieg aus, weil man das von mir gefordert hatte und weil ich kein Problem für meinen Sohn darstellen wollte", sagt sie heute. Ihr Sohn, das ist John Elkann, Vizepräsident von Fiat, vom alten Patriarchen Agnelli noch persönlich zum Firmenchef auserkoren. Margherita hatte immer beklagt, sie sei von ihrer Familie benutzt worden, um einen Fiat-Erben in die Welt zu setzen, alle anderen Kinder wären aber unwichtig.

Als die Gerüchte Mantovani immer mehr unter Druck setzten, wagt sie einen großen Schritt. In einer Fernsehsendung entkräftete sie die üble Nachrede und bestätigte nur das schlimmste aller Gerüchte. " Ja, ich leide an Multipler Sklerose", sagte sie im Staatsfernsehen. Sie habe in den vergangenen 13 Jahren nicht über die Diagnose gesprochen, wollte aber keineswegs den Eindruck erwecken, dass sie sich dafür schäme. Die Diagnose sei sechs Monate nach Beginn ihrer Beziehung mit Pavarotti gestellt worden. Sie habe ihm davon erzählt, und er habe ihr geantwortet: "Ich habe Dich gestern geliebt. Heute bete ich Dich an." Das TV-Outing ließ abrupt die Lästerei verstummen.

Auch Marella Caracciolo sah sich gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Ausgerechnet sie, die ihr ganzes Leben lang vornehme Zurückhaltung gewahrt hatte. Donna Marella, die die Eskapaden ihres Gatten stoisch begleitet hatte. "Mir ging es wie Penelope, der Gattin von Odysseus. Ich wusste, dass er immer wieder zurückkommen würde", sagte sie früher. Doch das bitterböse Interview ihrer Tochter mit dem Magazin "Focus" lockte die alte Dame aus der Reserve. Sie wählte einen harten Ton: Was hier abläuft, "ist ein Verrat am Willen meines Gatten, Gianni Agnelli", polterte sie. Und mit Blick auf die Enkelkinder ergänzte sie in ihrem Leserbrief an "Focus": "Das Recht am Ansehen meines verstorbenen Manns teilzuhaben, kann man nicht erben. Man muss es sich persönlich verdienen."

Behandlung in New York, Zuflucht in Marrakesch

Der Erbschaftsvertrag zwischen ihnen sei in "völliger Transparenz" unterzeichnet worden, sagte Caracciolo. Wie hoch Margherita de Pahlen abgefunden wurde, ist nicht exakt bekannt. Sie ist nach dem Freitod ihres Bruders Edoardo 2000 die einzig direkte Nachkommin. Ihr wurde die legendäre Kunstsammlung zugesprochen, Immobilien mit geschätztem Wert von 40 Millionen Euro und nach Zeitungsberichten 125 Millionen Euro Bargeld plus einen Scheck über 109 Millionen Euro.

Nun beschäftigen die Erbstreitfälle Agnelli und Pavarotti die Gerichte. Der Opernstar hatte anscheinend seiner Frau ein größeres Vermögen zugedacht, damit sie ihre teuren Behandlungen finanzieren kann. Mantovani reist jeden Monat von Modena zum New Yorker Multiples Sclerosis Research Center. Die Staatsanwaltschaft will nun prüfen, ob der schwer von seiner Krankheit gezeichnete Pavarotti noch voll zurechnungsfähig war, als er sein Testament zugunsten von Mantovani änderte. Donna Marella erwartet den ersten Gerichtstermin Anfang Januar in Turin. Sie verbringt ihre Zeit am liebsten weit weg von Italien im milden Marokko. In ihrem Lieblingshaus in Marrakesch fühle sie sich am wohlsten, heißt es. Es ist das letzte Haus, das sie gemeinsam mit Gianni Agnelli ausgesucht und eingerichtet hat. Die Villa in Marrakesch schaffte es sogar in die amerikanische "Vogue living - houses, gardens, people".